1. August: SGG-Präsident Forster setzt bei Rütlifeier auf pure Tradition

Trompetenklänge, Jodeln, Fahnenschwingen und der Kampf im Sägemehl: Das Fest am 1. August dieses Jahres im Rütli hat Tradition. Erstmals seit Beginn der Pandemie findet die Traditionsveranstaltung wieder in großem Rahmen statt.

Für Nicola Forster (37) ist es ein ungewohntes Umfeld. Seit 2020 ist der Co-Vorsitzende der Grünliberalen des Kantons Zürich Präsident der Gemeinnützigen Schweizerischen Gesellschaft (SGG) und damit Herr über das von der SGG geführte Rütli. Das diesjährige 1. August-Festival ist das erste reguläre Rütlifeier unter seiner Ägide.

Der Hipster unter den Kämpfern

Forster ist unter anderem Mitbegründer der Operation Llibero und der außenpolitischen Denkfabrik Foraus, ein Turbolader der Digitalisierung und ein Freund Europas. Und nun setzt ausgerechnet der „politische Influencer“, wie ihn ein Online-Portal kürzlich nannte, ganz auf Tradition?

Forster lacht, als Blick ihn darauf anspricht. Eigentlich war die Feier für 2020 geplant, anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Schwingerverbandes. So war es geplant, bevor er zu SGG ging, erklärt er. Aber Forster macht deutlich, dass ihm die Idee gefällt. „Der Kampf symbolisiert, was ich uns angesichts der Erfahrung der Corona-Krise für unsere Gesellschaft wünsche: Dass man nach einem Streit wieder zusammenkommt und das Sägemehl auf dem Rücken anfasst.“ Er wollte, dass das Rütli den schweizerischen Zusammenhalt über alle Sparten hinweg repräsentiert.

Der gefeuerte CEO

Frieden brechen nach einem Streit? Anscheinend funktioniert das bei der SGG selbst nicht. Wenige Wochen vor dem wichtigsten Ereignis des Jahres explodierte die Rütli-Organisation: Dem ehemaligen Geschäftsführer Lukas Niederberger (58) wurde gekündigt, wegen «Differenzen in Führungsangelegenheiten», heisst es in der Amtssprache. Niederberger äußerte in einem Interview mit dem Portal kath.ch seine Wut und sein Unverständnis über die Kündigung. Die Kündigung habe sich „wie der Tod eines krebskranken Freundes“ angefühlt, sagte er.

Was der genaue Grund für die Plünderungen war, bleibt im Dunkeln. Forster versucht, den Ball flach zu halten. Fest steht: Niederberger polarisierte als SGG-Chef. Vor allem bei dem Projekt, das für eine neue Nationalhymne wirbt. Patrioten empörten sich, als Niederberger den Schweizerpsalm einmal als “nationalreligiöse Farce” bezeichnete.

Seien Sie vorsichtig mit Experimenten

Doch die Eröffnung eines Rütli-Museums 2018 und die Wahl des Rütli-Mieters kamen nicht überall gut an. Ein schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger, der das Rütli bewirtschaftet und in der „Wiege der Schweiz“ schottische Hochlandrinder statt Schweizer Grauvieh weiden lässt: Das war vielen Traditionalisten zu viel. Wenn es nach ihnen geht, soll im Rütli alles so bleiben, wie es immer war.

Für Nicola Forster war das wohl eine Lehre. Nach seiner Wahl 2020 machte er deutlich, dass er mit der über 200 Jahre alten SGG neue Wege gehen und auch „ab und zu ein Experiment wagen“ wolle. Ein kleiner Versuch dieser Art findet im Vorfeld des Rütlifeiers statt – in Form der „Let’s Talk“-Aktion, bei der Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinungen den Dialog suchen. Doch Forster wagt das grosse Experiment im Rütli offenbar noch nicht.

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