19 km vor der Küste: Deutschland will ein Gasfeld in der Nordsee erbohren

19 Kilometer vor der deutschen Küste will sie ein Gasfeld in der Nordsee erbohren

01.06.2022, 22:07

Die Bundesregierung arbeitet daran, ihre Gasreserven auszubauen. Bundeswirtschaftsminister Habeck hat daher seine Zustimmung zur Befüllung des größten deutschen Gasspeichers in Rehden erteilt. Unterdessen plant die Bundesregierung, gemeinsam mit den Niederlanden ein Gasfeld in der Nordsee zu erschließen.

Deutschland und die Niederlande werden gemeinsam ein neues Gasfeld in der Nordsee erbohren. Der niederländische Staatsminister für Bergbau Hans Vijlbrief gab heute in Den Haag bekannt, dass er “die Erlaubnis für die niederländische Seite erteilt” habe. In Deutschland hat bereits ein “beschleunigtes Zulassungsverfahren” begonnen. Gepumpt wird das Gas nach Angaben der niederländischen Regierung von der für 2024 geplanten Bohrinsel. Die Energie für die Förderung muss aus Windenergie gewonnen werden.

Schon lange gibt es Pläne, etwa 19 Kilometer vor der Küste an der niederländisch-deutschen Grenze Erdgas zu fördern. Sie sind umstritten: Das Land Niedersachsen verweigerte vor einem Jahr die Genehmigung für Bohrungen in der Nähe der sensiblen Ökosysteme der Nordseeinseln Schiermonnikoog und Borkum, niederländische Umweltschützer äußern sich besorgt über das Projekt.

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine haben die Pläne eine neue Dringlichkeit erlangt. Am Dienstag kündigte der russische Energiekonzern Gazprom an, die Lieferungen von Erdgas in die Niederlande einzustellen. Der niederländische Energieminister Rob Jetten sagte dem Handelsblatt im April, sein Land wolle die Erdgasförderung in der Nordsee erhöhen. Die Ampelkoalition hatte zuvor neue Gas- und Ölexplorationsprojekte in der Nordsee ausgeschlossen. Aufgrund der Invasion der Ukraine versucht Europa derzeit, unabhängig von den fossilen Brennstoffen Russlands zu werden. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat bereits Anfang April die Bohrung des Gasfeldes vorgeschlagen. „Wenn die Umwelt gesichert ist, wird es meiner Meinung nach wahr“, sagte Weil.

Einzahlungen müssen bis November getätigt werden

Deutschlands größter Gasspeicher in Rehden kann derweil aufgrund historisch niedriger Füllstände nun befüllt werden. Dazu hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eine Ministerialverordnung erlassen, wie das Ministerium mitteilte. Habeck sprach von einem weiteren wichtigen Schritt, um die Versorgungs- und Versorgungssicherheit in Deutschland weiter zu stärken und insbesondere für den kommenden Winter ausreichend gerüstet zu sein.

Der Speicher im niedersächsischen Rehden gehörte dem russischen Staatskonzern Gazprom, dessen deutsche Tochter nun der Bundesnetzagentur unterstellt ist. Der Gasspeicher in Rehden ist nach Angaben des Ministeriums im Gegensatz zu den Speichern anderer Eigentümer seit Monaten nur noch zu einem geringen Teil gefüllt. Aktuell liegt der Füllstand bei nur 2 Prozent. Insgesamt liegt der aktuelle Speicherstand in Deutschland laut Bundesnetzagentur bei 48,6 Prozent. „Weil die Speicherstände von Deutschlands größtem Gasspeicher in Rehden seit Monaten auf einem historischen Tiefstand sind, muss schnell gehandelt werden“, sagt Habeck.

Die Ministerialverordnung schafft die Voraussetzungen dafür, dass der sogenannte Trading Hub Europe Marktgebietsmanager schnellstmöglich mit der Datenspeicherung in Rehden beginnt. Grundlage der Ministerialverordnung ist nach Angaben des Ministeriums das neue Gasspeichergesetz. Sie wurde am heutigen Mittwoch im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt am Donnerstag in Kraft. Unter Federführung der Bundesnetzagentur seien in einem ersten Schritt die bisher an die russische Gazprom Export vermarkteten Speicherkapazitäten gekündigt worden, teilte das Ministerium mit.

Laut Ministerialverordnung kann nun der Marktgebietsverantwortliche handeln und physisches Gas direkt kaufen und speichern. „Damit werden die Füllstandsvorgaben des Gasspeichergesetzes eingehalten und die Versorgungssicherheit gestärkt.“ Das Gesetz verpflichtet alle Betreiber in Deutschland, ihre Speicher schrittweise zu füllen. Der Speicherstand sollte am 1. Oktober eines Jahres 80 %, am 1. November 90 % und am 1. Februar 40 % betragen.

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