9 Euro Ticket Restbetrag Mit Rollstuhl oft ohne Möglichkeiten

Stand: 07.06.2022 17:01

Rollstuhlfahrer und Reisende mit Kinderwagen sollen im Zug Vorrang haben. Doch zu Pfingsten seien sie oft abgehängt worden, kritisiert der VdK. Die Deutsche Bahn zieht derweil eine positive Bilanz aus den ersten Tagen der 9-Euro-Scheine.

Nach den ersten Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket und den teils überfüllten Regionalzügen am Pfingstwochenende haben die Verbände es scharf kritisiert. Der Sozialverband VdK Deutschland fordert die Bahn auf, die Fahrzeiten zu erhöhen und mehr Züge einzusetzen. „Es muss auch mehr Parkplätze und Sitzplätze für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geben“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der Neuen Osnabrücker Zeitung.

„Viele Menschen erlebten an Pfingsten völlig überfüllte Regionalzüge“, betonte Bentele. Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität, wie Rollstühle oder Rollatoren, aber auch Eltern mit Kinderwagen, war es manchmal unmöglich, in den Zug einzusteigen und einen Parkplatz oder Sitzplatz zu finden.

In der Bahn haben Rollstuhlfahrer und Kinderwagen laut VdK-Präsident Vorrang: „Wer will, soll das Ticket nutzen können. So ist es jetzt nicht.“ Deshalb muss die Bahn sofort handeln.

Es öffnet die erste Klasse in überfüllten Zügen

Laut Linken-Chefin Janine Wissler soll die Bahn in überfüllten Zügen die erste Klasse für alle Fahrgäste öffnen. Zudem solle kurzfristig alles getan werden, um die Kapazität zu erhöhen, etwa durch den Einsatz von Doppelstockwagen, sagte Wissler in einer ersten Wertung des 9-Euro-Tickets.

Mit dem Aktionsticket sei es mehr Menschen möglich, den Zug zu erreichen, auch denen, die sonst nicht fahren würden, sagte Wissler. Die Leute akzeptieren niedrige Preise. Die Überlastung vieler Züge ist allerdings nicht auf das 9-Euro-Ticket zurückzuführen, sondern auf eine verfehlte Verkehrspolitik. Die Reaktivierung der Bahnstrecken ist notwendig, weil sie schneller geht als der Neubau.

Eisenbahn mit ziemlich positiver Bilanz

Zu Pfingsten, kurz nach dem Start des 9-Euro-Tickets, waren viele Züge so überfüllt, dass Fahrgäste nicht mehr einsteigen oder zumindest ihre Fahrräder nicht mitnehmen konnten. Allerdings zog die Bahn am Wochenende eine recht positive Bilanz.

Innerhalb einer Woche konnte die Deutsche Bahn, die nur eine von vielen Verkaufsstellen ist, die Zahl der verkauften 9-Euro-Tickets verdoppeln. Allein sie hat nach eigenen Angaben insgesamt 6,5 Millionen Tickets verkauft. „Bei 86.000 Zugfahrten kann bei DB Regio über das lange Wochenende alles rollen“, sagt Jörg Sandvoß, Vorsitzender der Geschäftsführung von DB Regio.

Das saisonal hohe Verkehrsaufkommen zum Pfingstwochenende sei mit dem 9-Euro-Ticket „leicht erhöht“, der Gesamtverkehr aber „geregelt“. Auf regionaler Ebene gebe es jedoch “Beschäftigungshöchstquoten”.

Der Pfingsttest der Bahn wirft Fragen auf

Susanna Zdrzalek, WDR, Tagesausgaben 22.15 Uhr, 7. Juni 2022

Der Fahrgastverband sieht die Politik in der Pflicht

Der Reiseverband ProBahn sieht die Politik in der Pflicht: „Wir brauchen nicht nur einen Sonderfonds für die Bundeswehr, sondern auch einen Sonderfonds für den öffentlichen Verkehr“, sagte Ehrenpräsident Karl-Peter Naumann gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Er kritisierte den 9-Euro-Schein als „Beteiligung nach Einführung des Tankrabatts“. Die hohe Nachfrage müsse nun dazu führen, dass die Politik dahingehend umdenke, „dass massiv in die Schiene investiert werden muss, dass Kapazitäten und Gleise massiv ausgebaut werden müssen, dass neue Züge angeschafft werden müssen“.

Verkehrsminister Volker Wissing sprach nach dem Pfingstwochenende von einer “positiven Gesamtbilanz”. „Die große Popularität zeigt, dass die Menschen Züge und Busse wollen“, sagte er. Gemeinsam mit den Bundesländern werde das 9-Euro-Ticket genau ausgewertet, „um Rückschlüsse auf Preis und Angebot des ÖPNV zu ziehen“.

Neun-Euro-Ticket und Pfingsten: Der Bahnbetriebsrat zieht Bilanz

Oliver Neuroth, ARD Berlin, 07.06.2022 06:06

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