Milliardendeal im Einzelhandel: Mexikaner wollen Kioskgruppe kaufen: Kommen Migros oder Coop mit einem Gegenangebot?

– Der mexikanische Multi will die Gruppe der Schweizer Kioske übernehmen – locken Migros oder Coop mit einem Gegenangebot?

Das Schweizer Unternehmen Valora, dem unter anderem K Kioske, Brezelkönig und Caffè Spettacolo gehören, wird voraussichtlich bald den Besitzer wechseln. Laut Analysten könnten mit Migros und Coop auch zwei grosse Player Interesse zeigen.

Gepostet heute um 7:32 Uhr

Wird es bald in mexikanischem Besitz sein? Kiosk-Filiale am Bahnhof Oerlikon.

Foto: Schlüsselstein

Valora wird von der mexikanischen Firma Femsa übernommen. Die mexikanische Handelskette wird von Valora ein Barangebot von 260 Franken pro Aktie zum Kauf aller sich im Publikum befindlichen Namenaktien unterbreiten. Dies entspricht einem Kaufpreis von CHF 1,1 Mrd. Der Verwaltungsrat von Valora empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

„Es ist ein historischer Tag für Valora. Diese einzigartige Vereinbarung ist gut für unsere Mitarbeitenden, für Konsumenten, lokale Lieferanten, Aktionäre und auch für die Schweiz», sagt Sascha Zahnd, Präsident des Verwaltungsrats, der das Amt erst seit April bekleidet und es aufgrund der Übernahme bald verlassen wird Femsa findet statt.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein „neuer Wettbewerbsteilnehmer“ im europäischen Convenience-Geschäft. Die Marken und Formate von Valora müssen im Einklang mit den Expansions- und Geschäftsplänen des aktuellen Managements weitergeführt werden.

Hauptsitz und Mitarbeiter bleiben in der Schweiz

Gemäss Femsa-Chef Daniel Rodríguez sollen die DNA und der Name von Valora gleich bleiben. Auch der Hauptsitz bleibt in Muttenz BL bestehen. Wie lange er dort bleiben wird, ist unklar. Konkrete Umzugspläne gibt es derzeit nicht.

Bei den Mitarbeitenden soll sich laut Valora-Chef Michael Müller nichts ändern: «Wir haben bedeutende Talente und die werden wir behalten.» Rodriguez sagt, dass aus der Pandemie wichtige Lehren gezogen wurden, wie z. B. die Einstellung von Mitarbeitern von überall auf der Welt und die Notwendigkeit, nicht an einem bestimmten Ort sein zu müssen.

Für Valora ist es nach wie vor ein gutes Geschäft, nachdem sie in den zwei Jahren der Pandemie mit viel Gegenwind zu kämpfen hatte: Der Kaufpreis entspricht einer Prämie von 52 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Aktie von gestern. Der grösste Aktionär von Valora, Ernst Peter Ditsch, der derzeit rund 17 Prozent an Valora hält, unterstützt das Angebot.

ZKB-Analyst Gian Marco Werro hält den Preis von 260 Franken pro Aktie, den die Femsa für die Übernahme von Valora zahlen will, für beeindruckend. «Bei einem Aktienkurs von 200 Franken hätten wir das Angebot als fair angesehen.» Die grossen Investitionspläne von Valora, in den nächsten Jahren jährlich 100 Millionen Franken zu investieren, werden mit der neuen Muttergesellschaft sicher besser zu bewältigen sein.

Mexikanisches Äquivalent

Käufer Fomento Económico Mexicano (Femsa) ist ein Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in der mexikanischen Metropole Monterrey, das Berichten zufolge im Jahr 2021 einen Gesamtumsatz von 27 Milliarden US-Dollar erzielte. Es besitzt Oxxo, die größte Convenience-Store-Kette in Mexiko und Lateinamerika, und betreibt weitere mehr als 3.600 Apotheken in vier lateinamerikanischen Ländern. Femsa beschäftigt weltweit 320.000 Mitarbeiter mit mehr als 25.000 Vertriebsstandorten in 13 Ländern.

Fomento Económico Mexicano SAB de CV, 1890 als Brauerei gegründet, ist der größte Getränkehersteller im gesamten lateinamerikanischen Raum. Gemessen am Umsatz ist Femsa der weltweit größte Franchise-Abfüller von Coca-Cola-Produkten und der zweitgrößte Anteilseigner der Heineken-Gruppe. Das Unternehmen ist an den Börsen von Mexiko und New York notiert.

Femsa hat für seine Expansionspläne nicht nur den europäischen Markt untersucht. Allerdings wäre laut Rodriguez eine Akquisition in den USA teurer und inflationsbedingt recht schwierig geworden.

1,1 Milliarden Franken: Das will das mexikanische Unternehmen Femsa für die Übernahme von Valora zahlen.

Foto: Schlüsselstein

Migros und Coop konnten die Marge verbessern

Seit drei Jahren laufen Gespräche über eine Übernahme durch Femsa. Es gab auch Gerüchte, dass Migros und Coop an einer Übernahme interessiert seien, was jedoch nicht offiziell bestätigt wurde. Zur Frage von Tamedia wollten sich weder Coop noch Migros äussern.

Gemäss ZKB ist ein mögliches Gegenangebot der Migros nicht auszuschliessen. „Wir sahen Valora als mögliches strategisches Akquisitionsziel für Migros oder Coop. Die beiden grossen Schweizer Detailhändler hatten strategische Motive, da beide unter Margendruck stehen, bereits stark in kommerzielle Reiseflächen investieren, bereits in der Gastronomie tätig sind oder bei Transgourmet und vor Saviva waren und auch Grossbäckereien betreiben (Coop Bakeries, Jowa ) “., so Analyst Gian Marco Werro.

Gegenangebote dürften jedoch kaum gemacht werden, da die Verhandlungen bereits weit fortgeschritten sind. Bei Übernahmen von Großunternehmen ist zusätzlich die WEKO WEKO zu informieren. Sie kommt zum Tragen, wenn mindestens zwei der beteiligten Unternehmen in der Schweiz einen Jahresumsatz von mindestens 100 Millionen Franken erzielen. Andernfalls wäre eine Fusion ohne WEKO-Prüfung möglich.

Darüber hinaus steht das Übernahmeangebot unter den für diese Geschäftsart üblichen Bedingungen und behördlichen Genehmigungen. Der Abschluss der Transaktion ist für Ende September oder Anfang Oktober geplant. Valora wird sich dann von der Börse SIX Schweiz zurückziehen.

Bianca Lüthy ist Wirtschaftsverlegerin und schreibt über die Tourismusbranche, den Handel und den Immobilienmarkt. Er hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitet seit 2018 im Tagesjournalismus. Weitere InformationenHeute gepostet um 07:32

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