Gepostet am 23. Mai 2022, 17:43 Uhr
Auf einer Wiese zwischen Ins und Gampelen stehen derzeit Dutzende kleiner Zelte. Was steckt dahinter?
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Artenkunde oder Igelschutz? Auf Facebook rätseln – und scherzen – gerne über den Zweck von Mini-Shops.
Facebook / Annes Löffel
Die Lösung: Es handelt sich um ein Projekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Bern (BFH), in dem der Einfluss der späteren Zuckerrübenkulturen auf die Entwicklung einer Zikade untersucht wird.
Alan Storelli
Konkret handelt es sich um die Schilfzikade, die Trägerin des bakteriellen Krankheitssyndroms der Reichtümer der Niederen (SBR) ist.
Alan Storelli
Facebook verblüfft derzeit Mini-Shops, die zu Dutzenden in einem Maisfeld zwischen Ins und Gampelen zu finden sind. Ein Nutzer nutzt Insektenfallen für Artenerhebungen, ein anderer vermutet, dass Läden etwas mit Mäusen zu tun haben könnten. Andere Verleumder scherzen, dies sei eine Unterkunft für Igel oder sogar Ehegatten, die vertrieben wurden.
Tatsächlich sind die Minizelte Teil eines Projekts an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Bern (BFH), in dem der Einfluss späterer Zuckerrübenkulturen auf die Zuckerrohrentwicklung untersucht wird. Diese Insekten sind Überträger der bakteriellen Krankheit Low Wealth Syndrome (SBR), die zu einem starken Absinken des Zuckergehalts in Rüben führt.
Krebse fliegen im Frühsommer zu Zuckerrübenfeldern, infizieren Nutzpflanzen mit dem Bakterium und legen ihre Eier auf dem Boden ab. „Nachdem die Nachkommen die Rüben besiedelt haben, überwintern sie am Boden und fliegen im Frühjahr los, um neue Rübenfelder zu übernehmen“, erklärt Projektleiter Alan Storelli.
Zeltfallen werden zum Sammeln von Insekten verwendet
Ziel der Studie ist es herauszufinden, welche Nachkulturen besonders wirksam gegen Zikaden sind. Was Storelli und sein Team bereits aus den letztjährigen Ergebnissen wissen: Bleibt der Boden im Winter unbearbeitet, das Feld also brach, wird die Entwicklung der Zikade unterbrochen. „Die Zikadenpopulation ist um mehr als 97 Prozent zurückgegangen“, sagt Storelli. Denn: Wird der Boden freigelegt, wird den Zikaden die Nahrung entzogen und die Zahl der Fluginsekten massenhaft reduziert.
Der Ins-Test testet nun, ob es möglich ist, bestimmte Pflanzen im Winter anzubauen und gleichzeitig die Entwicklung des Insekts zu stoppen. Dazu wurden nach der Rübenernte im Oktober 2021 mehrere Fangfrüchte angebaut, die nur noch der Flächenbedeckung dienten. Dann, im April 2022, wurde Mais gepflanzt. „Alle Insekten, die aus dem Boden kommen, werden in den Läden gesammelt. Auf diese Weise können wir das Vorhandensein von Zikaden in diesen Fallen beobachten“, erklärt der Agronom.
Diese Kontrollmassnahme habe den Vorteil, dass keine Insektizide eingesetzt werden müssten und nachhaltiger Schweizer Zucker produziert werden könne, sagt Storelli. Die ersten Ergebnisse der Studie werden im Juli 2022 erwartet.