Kampf gegen die Selecta-Maschine: Das „Hottinger Beast“ kommt heraus

– Das “Hottinger Monster” ist weg

Monatelang kämpften die Bewohner von Distrikt 7 gegen einen Verkaufsautomaten. Er engagierte sich sogar in der Politik.

Gepostet: 15.07.2022, 11:41

Der Selecta-Automat im Römerhof in Zürich ist derzeit der bekannteste der Stadt.

Foto: Andrea Zahler

Der weiß-rote Selecta-Automat neben der Straßenbahnhaltestelle VBZ Römerhof mutet austauschbar an. Ihr Angebot – Pommes Frites, Twix, Coca-Cola – wirkt harmlos. Und doch hat die Maschine mit der Objektnummer 327755 in den letzten Wochen einen Großteil Hottingens aufgezogen.

Jetzt werden sie es bald nehmen. Wie diese Zeitung über die Selecta-Gruppe und die VBZ konsultiert hat, soll das „Scheusal vom Römerhof“, wie die Maschine im Landkreis auch genannt wird, in der nächsten Woche abgezogen werden. „Die VBZ nimmt die Vielzahl negativer Äußerungen aus der Bevölkerung ernst. Daraus schließen wir, dass der Bedarf für den Bezirk geringer ist als angenommen“, sagt Leo Herrmann, Mediensprecher der VBZ auf Anfrage.

Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Teil des neuen Platzes

Im Mai meldete sich der Kreisverband Hottingen erstmals bei dieser Zeitung und berichtete von der neuesten Aufregung. Am Römerhofplatz, der für mehrere Millionen Franken auf- und umgebaut wurde, war der Selecta-Automat in diesem Stadtteil für viele Anwohner ein Ärgernis.

Die Künstlerin Anna Graber kennt die Sorgen. Er wohnt am Römerhofplatz und hat den Kampf gegen die Maschine begleitet. „Die Menschen auf dem neu gestalteten Platz verstehen Nachbarschaftsleben als etwas anderes als Marketing“, sagt er. “Der Automat dominiert den Platz.” Graber ist Initiator des Projekts „Römerhof-Dorfplatz“. Dies geschieht im Rahmen der Stadtidee, einem Ideenwettbewerb der Stadt Zürich.

Ende Mai sprach Graber bei einem „Dorfplatzwochenende“ am Römerhofplatz mit Anwohnern aus der Nachbarschaft über ihre Wünsche und Vorstellungen für die Neugestaltung des Platzes. Für viele war die Maschine nicht nur ein optisches Ärgernis. Anscheinend machte er auch dem Familienkiosk an der kommenden Dolderbähnli-Haltestelle Konkurrenz.

Ein Snack-Verführer und ein Fußgängerproblem

Eltern ärgerten sich auch darüber, dass der 24-Stunden-Laden “Kinder zu ungesunden Einkäufen auf dem Schulweg verleitet”, wie auf der Website des Einwohnervereins Hottingen zu lesen ist. Die Maschine steht in der Nähe des Eingangs des Schulgebäudes Ilgen. Und da es vor einem Fußgängerüberweg der Tramlinie steht, hielten manche die Box der Selecta sogar für verkehrstechnisch bedenklich.

Ende Mai begann eine Nachbarin in der Nachbarschaft, mit Unterstützung von Anna Graber, Unterschriften zu sammeln. Bis Mitte der Woche wurden 307 Unterschriften gesammelt. Die Petition wurde am Mittwochnachmittag in Oerlikon, wo der Stadtrat tagte, an Stadtrat Michael Baumer übergeben.

Nicht nur die Anwohner aus der Nachbarschaft wurden wegen des Automaten aktiviert. Schon im Januar beschäftigte sich die Politik damit. Zum Beispiel Gemeinderat Mischa Schiwow (AL), der auch Mitglied im Kreisverband Hottingen ist.

Der Römerhofplatz mit dem Eingang zur Dolderbahn und dem Schulhaus Ilgen (links).

Foto: Boris Müller

Gemeinsam mit Ann-Catherine Nabholz (GLP) und Urs Helfenstein (SP) reichte er beim Stadtrat einen schriftlichen Antrag auf Platzierung und Bewilligung der Selecta-Maschine ein. Das Angebot entspreche „den Bedürfnissen der Kunden auf ihrer Reise mit den VBZ“, hieß es wenige Wochen später in der schriftlichen Antwort der Stadtverwaltung. Er sagte jedoch auch, dass das Bauingenieurbüro den Standort der Maschine “aus globaler Weltraumperspektive” prüfe.

Entscheidung nicht genehmigt

Jetzt hat der Wind gedreht, Objekt Nummer 327755 ist verschwunden. Es bleibt jedoch ein Rätsel, warum der Petitionsausschuss davon nichts wusste, als die Petition am Mittwoch eingereicht wurde. Vor allem, weil Anfang der Woche für Selecta und VBZ bereits klar war, dass die Selecta-Maschine demontiert wird.

Bisher ist diese Nachricht bei den Betroffenen nicht angekommen. Auch Mischa Schiwow wusste nichts davon.

In den vergangenen Monaten sei die Selecta-Maschine immer wieder Thema im Rathaus gewesen, sagt Schiwow, „daher haben sie mich belächelt.“ Eigentlich mag man sich fragen, ob es in Hottingen keine wichtigeren Themen gibt. Allerdings, sagt Schiwow, steckt hinter dieser Geschichte mehr als nur ein Luxusthema. „Es geht darum, wie man mit einem Platz umgeht und wie man den öffentlichen Raum gestaltet. Die Selecta-Maschine war hier nie ein Mehrwert.“

Claudia Schmid ist seit 2018 Redakteurin des Ressorts Zürich Leben. Zuvor war sie zehn Jahre für die «SonntagsZeitung» tätig. Sie schreibt über Gastronomie und Trends in der Stadt und ist Kritikerin der «Züritipp»-Restaurants.Weitere InformationenGepostet: 15.07.2022, 11:41

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