Stand: 20.07.2022 16:17
Heute ist es im Norden noch sehr heiß: Lokal werden bis zu 40 Grad Celsius erwartet und in Hamburg gibt es einen neuen Temperaturrekord. Besonders kranke Menschen, aber auch ältere Menschen und Kleinkinder sind gefährdet. Es erhöht auch die Gefahr von Waldbränden. Ab Einbruch der Dunkelheit drohen in Niedersachsen Unwetter mit Starkregen.
Nachdem die Temperaturen am Dienstag im Norden vielerorts deutlich über 30 Grad lagen, wird es heute noch heißer. Für weite Teile Norddeutschlands gilt eine Hitzewarnung. In Hamburg wurde bereits am Nachmittag die Höchsttemperatur seit 30 Jahren (37,3 Grad im August 1992) überschritten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete um 14.30 Uhr 39,0 Grad am Bahnhof Neuwiedenthal. Im Laufe des Nachmittags könnten die Werte weiter steigen. Der Höchstwert für den gesamten Norden von 39,6 Grad Celsius ab Dörpen (Kreis Emsland) liegt am 25. Juli 2019 vor.
In Niedersachsen lag die höchste Temperatur am Dienstag bei 39,1 in Barsinghausen-Hohenbostel, am Rande der Region Hannover. Anders als zunächst berichtet, wurde ein neuer Rekordwert für das Bundesland nur knapp verfehlt. Heute werden Werte zwischen 30 Grad auf Borkum und fast 40 Grad Celsius in Hannover erwartet.
In Schleswig-Holstein wurde am Dienstag bei Geesthacht der Höchstwert von 35 Grad Celsius gemessen. Rund um Mölln sollen heute 40 Grad Celsius erreicht werden. Ansonsten liegen die Werte zwischen 29 Grad auf der Insel Föhr und 37 Grad Celsius in Neumünster.
In Mecklenburg-Vorpommern wurde am Dienstag in Boizenburg der Höchstwert von 35 Grad Celsius gemessen. Die heutigen Höchstwerte sollen laut Prognose zwischen 34 Grad in Anklam und bis zu 39 Grad Celsius in Schwerin liegen, stellenweise womöglich sogar noch höher.
Ab Einbruch der Dunkelheit werden in Niedersachsen schwere Unwetter erwartet
„Am Abend ziehen die ersten zum Teil kräftigen Stürme aus Südwest in Niedersachsen ein“, prognostiziert Meteorologe Sven Plöger. Grund dafür ist ein aus Frankreich und Großbritannien kommender Sturm, der „sutsche den Hochdruckkeil wegtreibt“, wie Meteorologe Rüdiger Hartig vom DWD sagt. Ab dem Weser-Ems-Gebiet bis südlich der Elbe regnet es dann in der zweiten Nachthälfte bis Donnerstagmorgen kräftig mit Starkregen bis zu 25 Litern pro Quadratmeter und gebietsweise möglichen Böen der Windstärke 9 . . Auf der NDR-Karte sehen Sie, in welchen Regionen schlechtes Wetter droht.
Tiefe Sturmlocken: bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter
Das Besondere am Tief ist, dass es sich im Gegensatz zu den meisten Stürmen relativ langsam auf die Nordsee zubewegt. „Es krabbelt“, sagt Hartig. Dadurch könnten lokal in Niedersachsen bis Donnerstagmittag zwischen 30 und 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter entstehen.
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Nach Wochen der Dürre mag die mögliche Regenmenge hoch erscheinen, aber das hilft trockenen Böden nicht wirklich. Hartig nennt es das „Mittelmeerproblem“: Die meisten werden oberflächlich gewaschen, nicht gefiltert. „Das spielt wegen des Grundwasserspiegels keine Rolle“, sagt Hartig.
Erfrischung in Sicht, aber kein Wasser
Dies erfordert starken Bodenregen mit kleineren Tropfen und über einen längeren Zeitraum. Aber das ist im Moment nicht in Sicht. Für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wartet Hartig nur auf wenige Schauer, auf dem Weg dorthin löst sich das Tief langsam auf. „Danach dringt die kühlere Luft ein“, sagt Hartig. Bis Samstag werden es zum Beispiel an den Küsten nur noch 20 Grad, im Landesinneren maximal 27 Grad. Erst ab Sonntag könnten die Temperaturen wieder steigen. Nach dem Minimum werde es bis Montag keine nennenswerten Regenfälle geben, sagt Hartig: „Das sind keine Tage, an denen man mit Regenschirm raus muss.“
„Unser Ziel: Die Sommer werden heißer und trockener“
Laut Meteorologe DWD Hartig sind Hitzewellen wie diese Woche in Deutschland eine zu erwartende Folge des Klimawandels. „Die Extreme werden immer mehr zur Normalität“, resümiert der Experte aus wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dazu gehört, dass die Sommer auch in unseren Breiten immer heißer und trockener werden. Zwei Entwicklungen, die auch voneinander abhängen. Seit Anfang des Jahres regnet es die meisten Monate (mit Ausnahme des sehr nassen Februars) nur sehr leicht, was nicht nur die Bauern zu spüren bekommen. „Denn wenn der Boden trocken ist, fehlt ihm die kühlende Wirkung der Verdunstung“, sagt Hartig. Das Ergebnis: Es ist noch heißer.
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Die Waldbrandgefahr ist vielerorts sehr hoch
Die Waldbrandgefahr ist derzeit in vielen Regionen Norddeutschlands hoch oder sehr hoch. Offenes Feuer und das Rauchen von Zigaretten können leicht zu Bränden im Garten oder Wald führen. Deshalb verbietet die Stadt Hannover Grillen und offenes Feuer in Parks. Feuerwehrleute in Mecklenburg-Vorpommern rechnen wegen Trockenheit und Hitze mit steigenden Einsatzzahlen. Unter anderem wird mit mehr Vegetationsbränden durch Erntearbeiten oder fahrlässiges Verhalten und einer steigenden Zahl von Hitzeopfern gerechnet, so die Landesfeuerwehr.
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Trinken und im Schatten bleiben
Durch die Hitze ist die Wärmebelastung des Körpers sehr hoch. „Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenbrand durch zu starke direkte Sonneneinstrahlung sind die größten Gefahren“, sagte Jan-Arne Lauffs, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Notfallzentrum der Universität Rostock, Mecklenburg-Vorpommern. Hamburger Behörden und Feuerwehr warnten vor Hitzestress. „Trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung und körperlich anstrengende Tätigkeiten, halten Sie Ihr Zuhause kühl“, empfahl die Gesundheitsbehörde. Gerade Kinder, ältere und unterstützungsbedürftige Menschen können Risiken nicht genau einschätzen und sind daher anfällig für Probleme. Ältere Menschen, insbesondere Alleinlebende, sind bei hohen Temperaturen besonders gefährdet. Deshalb rief Schweriner Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) die Menschen dazu auf, aufeinander Acht zu geben.
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Die Deutsche Bahn bietet eine spezielle Kulanzvereinbarung an
Die Deutsche Bahn hat eine besondere Kulanzvereinbarung angekündigt. Alle Fahrgäste, die heute auf ihre Reise verzichten wollen, können das bereits gebuchte Fernverkehrsticket bis einschließlich 27. Juli flexibel nutzen, sagte eine Bahn-Sprecherin. Diese Regelung gilt auch für zugbezogene Tickets, also Spar- und Supersparpreise. Sitzplatzreservierungen können ebenfalls kostenlos storniert werden.
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NDR-Informationen Aktuell | 18.07.2022 | 09:45 Uhr