RWE will nach hohen Gewinnen auf Gaszuschlag verzichten

Der Energiekonzern RWE will die gestiegenen Gasbezugskosten nicht über die geplante Gasumlage an die Kunden weitergeben. „RWE ist ein finanzstarkes und gesundes Unternehmen. Wir erwägen daher, vorerst darauf zu verzichten, unsere Verluste aus der Gasersatzbeschaffung für diese Umlage geltend zu machen“, sagte Vorstandsvorsitzender Markus Krebber an diesem Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Wie hoch diese Kosten für den Dax-Konzern ausfallen, konnte Krebber zunächst nicht beziffern, da die Höhe davon abhängt, wie viel Gas noch geliefert wird.

Um sich vor einem möglichen Lieferfehler zu schützen, schloss das Unternehmen Verträge mit anderen Quellen und zu deutlich höheren Preisen ab. Die Umlage, die ab Oktober für alle Gasverbraucher gilt, soll Unternehmen unterstützen, die wegen fehlender Gaslieferungen aus Russland in Schwierigkeiten geraten sind. RWE kauft relativ wenig Gas aus Russland. Die Lager des Unternehmens sind derzeit zu 85 Prozent gefüllt. Das Unternehmen geht davon aus, den gesetzlichen Mindestfüllgrad von 95 Prozent zum 1. November aus eigener Kraft zu erreichen.

Das Energieunternehmen gewinnt glänzend

Im ersten Quartal schrieb der Essener Energieriese zudem 750 Millionen Euro für den Kauf russischer Kohle ab; der Verlust wurde durch britische Sanktionen gegen russische Kohle verursacht. Trotz der Mehrbelastung verdient RWE mittlerweile ordentlich, was an mehreren Faktoren liegt: Durch gute Windverhältnisse und gute Zahlen im Solargeschäft verdient der Energiekonzern mit seinen erneuerbaren Energien deutlich mehr als im Jahr. Auch im Energiehandel konnte das Unternehmen wachsen. Wie RWE am Donnerstag mitteilte, will der Konzern mehr als 5 Milliarden Euro in den Ausbau seines grünen Portfolios investieren, das sind rund 30 Prozent mehr als ursprünglich geplant. „Wenn RWE gutes Geld verdient, gewinnt die grüne Energiewelt“, sagte Krebber.

Das Unternehmen bestätigte seine vorläufigen Halbjahreszahlen. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im Stammgeschäft auf 2,36 Milliarden Euro, nach 1,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Das Nettovermögen lag Ende Juni bei 1,9 Milliarden Euro, gegenüber 360 Millionen Ende letzten Jahres. RWE hatte seine Prognose bereits deutlich angehoben und erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis von 5 bis 5,5 Milliarden Euro statt 3,6 bis 4 Milliarden Euro. Das liegt auch daran, dass die Stromproduktion dem Unternehmen aufgrund außerordentlich hoher Preise hilft. Das Jahresergebnis soll 1,1 Milliarden Euro betragen, nachdem das Unternehmen zuvor von 800 Millionen Euro ausgegangen war. “Unsere Systeme sind notwendig”, sagte Krebber.


Drei Kohlekraftwerke werden wieder hochgefahren

Dies gilt auch für den verbleibenden Kernreaktor und die Kohlekraftwerke des Konzerns. RWE rechnet dort mit einem planmäßigen Ergebnis, weil es in den vergangenen Jahren die Produktion in Raten zu niedrigen Preisen verkauft hat. Allerdings wird RWE ab Oktober drei Braunkohlekraftwerke befristet wieder anschließen. „Das wird aber nicht zu einer Renaissance der fossilen Brennstoffe führen. Für RWE ist klar: Wir sind für den Kohleausstieg“, sagte Krebber. Mit einem bereinigten EBITDA von 501 Millionen Euro lag das Segment Kohle/Kernkraft unter dem Vorjahr, vor allem weil RWE wegen Kraftwerksschließungen weniger produzierte. Für das Gesamtjahr rechnen die Essener zudem mit einem Gewinnminus zwischen 650 und 700 Millionen Euro.

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Welche Auswirkungen ein Wiederanfahren der drei Braunkohlekraftwerke genau haben wird, konnte Krebber am Donnerstag noch nicht sagen. Die Verlängerung bedeutet zusätzliche Wartungskosten sowie Betriebskosten und höhere Kosten für CO₂-Zertifikate. „Was damit erzeugt werden kann, liegt nicht in unserer Kontrolle. Aus unserer Sicht werden es keine relevanten Beträge sein“, sagte Krebber. Die Diskussion um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken wollte der RWE-Chef nicht kommentieren, da es sich um eine politische Angelegenheit handele. In enger Abstimmung mit der Politik setzt der Energiekonzern weiterhin auf die geplanten LNG-Terminals. „Um die Energieversorgung zu stärken, brauchen wir zusätzliche Infrastruktur, die am Limit ist“, sagte Krebber.


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