Krieg in der Ukraine – Waffen für die Ukraine: „Scholz versucht zu befreien“

Olaf Scholz wurde wochenlang vorgeworfen, Waffenlieferungen an die Ukraine gezögert und verschoben zu haben. Die Ukraine bekommt jetzt mehr schwere Waffen: Die deutsche Bundeskanzlerin hat der Ukraine ein modernes Flugabwehrsystem zugesagt.

Zudem werden die ukrainischen Streitkräfte über ein modernes Verfolgungsradar verfügen, das Artillerie erkennen kann, sagte Scholz im Bundestag. SRF-Korrespondentin Bettina Ramseier erklärt, warum Deutschland so sehr mit der «Wende» seiner Aussen- und Sicherheitspolitik zu kämpfen hat.

Bettina Ramseier

Korrespondent in Deutschland, SRF

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Bettina Ramseier ist SRF-Korrespondentin in Berlin. Sie ist seit 15 Jahren Fernsehjournalistin: zuerst bei TeleZüri, dann als Wirtschaftsredaktorin bei SRF für «ECO», «Tagesschau» und «10vor10».

SRF News: Wie beurteilen Sie die Ankündigung von Bundeskanzler Scholz?

Bettina Ramseier: Es scheint mir ein Befreiungsversuch zu sein. Scholz steht seit Wochen massiv unter Druck. Einerseits auf nationaler Ebene, weil die Opposition vorangeht. Auch einzelne Mitglieder seiner eigenen Regierung gehen über ihn hinaus. Andererseits steht die deutsche Kanzlerin auch innerhalb der EU unter Druck. Vor allem aus osteuropäischen Ländern gibt es starke Beschwerden. Scholz soll Wortbruch, Zögern und Unehrlichkeit vorgeworfen haben.

Deutschlands Erwartungen als mächtigstes und reichstes Land der EU sind besonders hoch.

Nun scheint es, als wolle Scholz ein klares Zeichen setzen: „Ich mache mehr hinter den Kulissen als ihr alle zusammen, und ich tue, was von mir erwartet wird“, sagte er.

Im WEF prangerte Scholz den “russischen Imperialismus” an und sprach erneut über die Wende in der deutschen Ära. Hält Scholz mit dieser Neuankündigung Wort?

Der Wendepunkt kam vor der heutigen Ankündigung, wenn wir Deutschland gegenüber fair sein wollen. Weil sie sich von einer Sicherheitspolitik, wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg üblich ist, entfernt haben. Das heißt, es gibt keine Waffenübergabe in einem Kriegsgebiet. Und Deutschland hat bereits Waffen abgegeben. Nun ist es eine Frage der Definition, ob es schwere Waffen oder ausreichend schwere Waffen waren und ob auch Panzer geliefert werden sollen, damit das alles als Wendepunkt gilt. Aber de facto wird seit Wochen geliefert.

Tatsächlich liefert Deutschland seit Wochen Waffen.

Grundsätzlich tut sich Deutschland aber mit dieser neuen Rolle schwer. Es ist eine totale Abkehr von dem, was seit Jahrzehnten wahr ist. Sie befinden sich in einem Dilemma. Sie haben sich geschworen: „Nie wieder Krieg“ und niemals alleine.

Bildunterschrift: Oppositionsführer Friedrich Merz (unten rechts) von der CDU griff den Kanzler wegen seines Kurses in der ukrainischen Politik scharf an. Schlussstein

Wenn jetzt andere in den Krieg ziehen, gibt es einen Widerspruch zum „Nie wieder Krieg“-Prinzip. Gleichzeitig sind die Erwartungen an Deutschland als das mächtigste und reichste Land der EU besonders hoch. Deshalb wird auch von Deutschland eine Vorreiterrolle erwartet. Diese Erwartung zu erfüllen, ist eine schwierige Aufgabe.

Das Interview führte Ivana Pribakovic.

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