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Der Stress im Alltag nimmt bei vielen stetig zu. Was die SRF-Community dagegen tut und was die Experten dazu sagen.
„Wow, das hat mir die Augen geöffnet“, schreibt Leserin Rui. „Danke, dass Sie sich mit diesem Problem befasst haben“, sagte YouTube-Nutzerin Severnaya.
Die Einstein-Folge „Burn On“ und das Interview mit dem Psychotherapeuten Bert te Wildt zu den Vorstufen des Burnouts haben Sie, liebe SRF-Community, motiviert, Ihre Erfahrungen mit der Balance zwischen Dauerstress und Überforderung zu teilen. Was sagen Schweizer Burnout-Experten dazu?
Es hat mir geholfen, Pausen im Beruf und im Privaten im Kalender einzuführen. Ein Termin nur für mich.
Ein guter Ansatz, um die Balance zwischen Überforderung und Erschöpfung zu vermeiden, wie Sebastian Haas, Leiter Burnout und Stresskrise der Privatklinik Hohenegg, bestätigt. „Aber es braucht Disziplin, um diese Termine einzuhalten. Auch wenn es vermeintlich Wichtigeres zu tun gibt oder der Stress im Job zunimmt.“
Arbeitsbelastungsindex 2020
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- Drei von zehn Erwerbstätigen in der Schweiz empfinden mehr Arbeitsstress als Ressourcen, die sie dagegen einsetzen könnten.
- Fast ein Drittel der Arbeitnehmer (28,7 %) ist emotional erschöpft.
- Sie zeigt, dass sich das Arbeitstempo in der Wahrnehmung der Mitarbeiter seit 2016 deutlich erhöht hat.
- Jüngere Mitarbeiter berichten häufiger davon als ihre älteren Kollegen.
Seit 2014 ermittelt Gesundheitsförderung Schweiz regelmässig Kennzahlen zu arbeitsbedingtem Stress und dessen Zusammenhang mit der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden in der Schweiz.
Genau dieser Stress belastet Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend, wie die neuste Umfrage von Gesundheitsförderung Schweiz zeigt.
Ich ging barfuß, ohne Musik zu hören. Oder ich gehe im Wald spazieren.
Sich auf etwas zu konzentrieren, kann auch beruhigend wirken. „Die unmittelbare Wahrnehmung durch die eigenen Sinne ohne Ablenkung von außen oder innen schafft neue Wahrnehmungsbereiche und hilft, die eigenen Bedürfnisse neu zu bewerten und sich entsprechend auf die Situation oder gar das Leben einzustellen“, weiß auch Sebastian Haas. Ob Barfußlaufen oder Radfahren, kann jeder selbst entscheiden.
Ich versuche, die Wichtigkeit von Dingen im Beruf und im Privaten zu hinterfragen und in Beziehung zu setzen. Seien Sie sich meiner Bedürfnisse bewusst und sagen Sie manchmal nein.
Doch wie schafft man es, auch in Stresssituationen Aufgaben im Beruf und in der Freizeit in Einklang zu bringen? „Es kann helfen, mit Ihrem Partner oder einem Freund über diese Dinge nachzudenken. Eine wichtige Voraussetzung ist, sich dafür Zeit zu nehmen“, sagt Elisabeth Balinth, Oberärztin der Privatklinik Meiringen und Co-Leiterin des Erschöpfungsraums.
Burnout hat meiner Meinung nach mit schlechter Führung zu tun.
Ist das wirklich so? „Es ist immer eine Kombination aus Faktoren bei der Arbeit (hier spielt Führung eine wichtige Rolle) und meiner eigenen Denkweise, meinen Fähigkeiten und Verhaltensmustern. Der Anteil ist bei jedem Burnout anders“, sagt Marcus Sievers, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie im Burnout-Raum Meiringen.
Führungskräfte können Teil der Lösung sein
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Es ist wichtig, Bereiche zu finden, in denen Sie selbst Einfluss nehmen können. Das können die Faktoren des Arbeitslebens sein, wenn man nach einem anderen Chef sucht. Diese können durch eine Psychotherapie individualisiert werden.
„Aber auch Führungskräfte können Teil der Lösung sein“, sagt Psychotherapeut Sebastian Haas. Entscheidend ist das aufgebaute Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern: Traue ich mich, meinem Vorgesetzten zu sagen, wenn es mir nicht gut geht? Kann ich dies tun, ohne negative Folgen für mich oder mein Team befürchten zu müssen?
Ich brauchte zwei Jahre, um wieder halbwegs produktiv zu sein. Zum Glück habe ich im Gegensatz zu vielen anderen einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber, der mir die Wiedereingliederung erleichtert hat.
Welche Schlüsselrolle spielt der Arbeitgeber bei der Wiedereingliederung?
„Bereits während des internen Aufenthalts binden wir den Arbeitgeber in ein Gespräch ein, an dem der Patient, der Vorgesetzte und die Personalabteilung sowie der interne Sozialdienst des Krankenhauses und der behandelnde Arzt oder Psychologe teilnehmen“, sagt Elibeth Balint.
Dies gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, die fachliche Einschätzung des Behandelten zu hören, was die Patienten entlasten kann. Stigmatisierung verschlechtert die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.
Training zu gesundem Führungsverhalten
Abgesehen davon sei es auch sinnvoll, Führungskräfte über die Zusammenhänge von Arbeit und Gesundheit sowie über gesundes Führungsverhalten aufzuklären, ergänzt Elisabeth Balint.
«In einer vom Wirtschaftsstaatssekretär des SECO in Auftrag gegebenen Studie konnte gezeigt werden: Je mehr die Befragten gutes Führungsverhalten bei ihren direkten Vorgesetzten erleben, desto zufriedener sind sie mit den Arbeitsbedingungen.» Je weniger gestresst sich die Befragten fühlten, desto weniger emotionale Erschöpfung und weniger gesundheitliche Probleme wie Rückenschmerzen werden berichtet.