“Falsche” Analyse US-Umweltbehörde muss Glyphosat-Risiko erneut prüfen
18.06.2022 02:59
Seit der Übernahme von Monsanto hat der Bayer-Konzern in den USA große juristische Aufbauarbeit geleistet, wobei das Herbizid Roundup im Mittelpunkt stand. An einem Tag gibt es zwei wichtige, voneinander unabhängige Gerichtsentscheidungen. Das eine betrifft direkt Bayer, das andere indirekt.
Ein Berufungsgericht hat die US-Umweltschutzbehörde aufgefordert, die Gesundheitsrisiken von Glyphosat erneut zu prüfen. Das Gericht in San Francisco stellte die Einschätzung der EPA in Frage, dass der Wirkstoff in Bayers umstrittenem Herbizid Roundup kein besonderes Risiko für den Menschen darstellt.
Das Thema ist für den deutschen Konzern Bayer von großer Bedeutung. In den USA sieht er sich zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Glyphosat gegenüber. Auch für den DAX gab es am Freitag gute Nachrichten: In einem Fall im Bundesstaat Oregon erzielte er einen weiteren Erfolg vor Gericht. Bayer hat jetzt die letzten vier US-Klagen gewonnen, in denen Kläger Krebs-Glyphosat verantwortlich machten.
Letzte Prüfung vor zwei Jahren
Die EPA hat das Herbizid zuletzt im Jahr 2020 überprüft und festgestellt, dass es bei sachgemäßer Anwendung kein Gesundheitsrisiko darstellt. Das beklagte unter anderem die Umweltorganisation NRDC. „Seit Jahren weigert sich die EPA, irgendetwas gegen die schädlichen Auswirkungen dieses Pestizids auf Mensch und Umwelt zu unternehmen“, sagte die Organisation am Freitag. Das Gericht stellte klar, dass es so nicht weitergehen könne.
Das zuständige Berufungsgericht ärgerte sich in seinem Urteil insbesondere über die Begründung der EPA, Glyphosat sei nicht krebserregend. Die zugrunde liegende Analyse ist „falsch“ und entspricht nicht den behördlichen Vorgaben. Die EPA wollte sich auf Anfrage nicht zu der Kritik äußern. Eine Sprecherin sagte, die Glyphosat-Entscheidung werde überprüft.
In einer Erklärung äußerte sich Bayer zuversichtlich, dass die EPA selbst in einer neuen Überprüfung keine Krebsrisiken für Glyphosat festgestellt habe. Die Umweltbehörde der US-Regierung hat zuletzt gewissenhaft gehandelt und wissenschaftliche Studien der vergangenen 40 Jahre “rigoros” bewertet. Bayer hatte die Glyphosat-Klagen mit seiner 60-Milliarden-Dollar-Übernahme des damaligen Giganten Monsanto im Jahr 2018 übernommen.
Bayer will “selbstbewusst” wirken.
Zahlreiche Verfahren in den USA basieren insbesondere auf einer Bewertung der International Agency for Research on Cancer der Weltgesundheitsorganisation. 2015 stufte er das Herbizid von Monsanto als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein. Bayer bestreitet dies und argumentiert mit der Zustimmung vieler Aufsichtsbehörden und Studien, die zeigen sollen, dass Glyphosat bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sicher ist.
Schließlich änderte sich das Blatt, nachdem Bayer die ersten drei Klagen wegen Glyphosat in den USA verloren hatte. Am Freitag gewann der DAX-Konzern das vierte Verfahren in Folge. Die Grand Jury von Jackson County, Oregon, entschied einstimmig, dass Roundup nicht für den Krebs des Klägers verantwortlich sei. „Wir stehen voll und ganz hinter der Sicherheit von Roundup“, sagte Bayer. Der Konzern kündigte an, in allen künftigen Rechtsstreitigkeiten zu diesem Thema „Vertrauen“ verteidigen zu wollen.