Baden-Württemberg Meiler GKN II könnte bis Februar 2023 laufen
25.06.2022, 10:11
Soll der Kernreaktor Neckarwestheim länger laufen? Nein, hat das Umweltministerium noch einmal betont. FDP-Fraktionschef Rülke sieht darin eine rein ideologische Haltung. Der Reaktor hat nun die letzte Sicherheitskontrolle vor der Abschaltung bestanden.
Stuttgart/Neckarwestheim (dpa/lsw) – Das Kernkraftwerk Neckarwestheim (GKN II) im Kreis Heilbronn könnte theoretisch länger als erwartet am Netz sein und im kommenden Jahr weiter betrieben werden. „Die Brennstäbe könnten bis Februar mit 50 Prozent weniger Leistung durchhalten“, wurde ein Sprecher des Umweltministeriums gefragt. Zuvor hatte die „Badische Neueste Nachrichten“ (Samstag) darüber berichtet und auf die der Landesregierung vorliegenden Berechnungen verwiesen.
„Das ist rein hypothetisch“, sagte der Sprecher. Die Berechnungen dienten Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) nur als Hintergrundinformation. “Wir haben immer noch die gleiche Position zur Atomkraft und wir glauben nicht, dass eine Verlängerung erforderlich ist.” Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Ulrich Rülke, forderte Walker am Sonntag auf, die Möglichkeit einer längeren Amtszeit zu nutzen. „Die Position der Grünen zur Atomkraft ist rein ideologisch“, sagte er.
Walker hatte sich immer gegen eine Renaissance der Atomkraft ausgesprochen. Angesichts des Krieges in der Ukraine und der Eskalation der Energiekrise wird immer wieder über die Verlängerung der Nutzungsdauer von Kernreaktoren diskutiert. Man befinde sich in einer dynamischen Situation, sagte ein Regierungssprecher. Einer liegt in der Reihe von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Er erklärte kürzlich, dass ein Weiterbetrieb von Kraftwerken über den Entsorgungstermin 31. Dezember hinaus aus Sicherheitsgründen nicht vertretbar sei.
In Baden-Württemberg ist nur noch Block II von Neckarwestheim ans Netz angeschlossen. Laut Atomgesetz muss es wie die beiden anderen in Deutschland noch aktiven Kernkraftwerke bis spätestens Ende des Jahres abgeschaltet werden. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Andreas Schwarz, betonte am Sonntag, das “Nein” zur Verlängerung beruhe auf rein sachlichen Gründen. „Kernkraftwerke lassen sich nicht wie eine Stereoanlage ein- und ausschalten.“
Auch der Betreiber, der Energieversorger der Karlsruher EnBW, hatte in der Vergangenheit eine Verlängerung der Nutzungsdauer unter Hinweis auf die Rechtslage abgelehnt. „Wir beabsichtigen keine Änderung des Atomgesetzes“, sagte der Sprecher des Stuttgarter Umweltministeriums.
Die Anlage hatte gerade ihren letzten Sicherheitscheck vor dem endgültigen Shutdown absolviert und ist seit vergangenem Freitagabend wieder online. In den Wochen zuvor wurden rund 2.000 Inspektions- und Wartungsarbeiten durchgeführt, auch an Turbinen oder Generatoren und an der Gondel. Anders als in den Vorjahren seien im Reaktordruckbehälter keine neuen Brennelemente eingesetzt worden, teilte die EnBW am Samstag mit. „Vielmehr wurde der Reaktor mit vorhandenen Brennelementen bestückt, damit die Stromproduktion bis zum Ende des gesetzlich festgelegten Zeitraums möglich wäre.“
Bei dieser letzten Inspektion wurden Risse in den Rohren wiederentdeckt: Laut EnBW wurde bei 35 der 16.400 untersuchten Heizungsrohre eine „leichte Schwächung der Wandstärke“ festgestellt. Die Rohre wurden stabilisiert und abgedichtet.