Weltweit leiden immer mehr Menschen an chronischem Nierenversagen. Das kardiovaskuläre Risiko steigt und damit auch der Bedarf an Spendernieren und Dialyse.
Wien (OTS) – Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck tragen maßgeblich zu einer chronischen Nierenerkrankung bei, die durch rechtzeitige Prävention verhindert oder im Frühstadium gut behandelt werden kann. Da eine Nierenerkrankung meist lange asymptomatisch verläuft und daher unbemerkt bleibt, sollte bei Risikopatienten regelmäßig über ein Jahr ein einfacher Urin- und Bluttest durchgeführt werden. Ein gesunder Lebensstil, eine ausgewogene Ernährung, Bewegung sowie Nikotin- und Alkoholverzicht fördern die Nierengesundheit erheblich und können den natürlichen Alterungsprozess deutlich verlangsamen. www.gefaessforum.at
Dass die Niere mit ihren dutzenden Funktionen eines unserer wichtigsten Organe ist, nimmt die breite Öffentlichkeit noch kaum wahr. Mehr als zehn Prozent der Erwachsenen weltweit leiden an einer chronischen Nierenerkrankung (CKD). Leider bemerken die Betroffenen die Anzeichen eines Nierenversagens lange nicht und ihre Nierenerkrankung wird nicht rechtzeitig entdeckt. Eine einfache Überprüfung sei noch wichtiger, plädiert er Prim. Prof.. DR. Markus Sämann, Leiter der Nephrologie am Klinikum Ottakring, Präsident der ÖGN (Fachgesellschaft für Nephrologie) und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Österreichischen Gefäßforums. „Wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren, leiden auch viele andere Systeme in unserem Körper massiv, etwa das Gefäß- und Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem, der Flüssigkeits- oder Säure-Basen-Haushalt.“
Das Österreichische Gefäßforum wolle das Bewusstsein schärfen und „Gesundheit fördern, statt nur Krankheiten zu behandeln, um die uns allen so wichtige Lebensqualität zu erhalten“, sagte er. Prim. PD dr. Afshin Assadian, Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats des Austrian Vascular Forum, Mitglied des Vorstandes für Gefäßchirurgie des Klinikums Ottakring, ehemaliger Präsident der Gesellschaft für Gefäßchirurgie und neuer Präsident der Gesellschaft für Chirurgie. Nierenversagen: eine „stille und heimtückische“ Krankheit mit immer jüngeren Patienten.
Die allgemeine Zunahme von Nierenerkrankungen und Nierenversagen ist besorgniserregend. Insbesondere Patienten mit Diabetes mellitus zeigen dramatische Steigerungen von jährlich mehr als 3 %. Ein großes Problem dabei ist laut Säemann, dass CNE deutlich unterdiagnostiziert wird, weil die Anzeichen eines chronischen Nierenversagens von den Betroffenen erst in sehr fortgeschrittenen Stadien der CNE erkannt werden. Einige Symptome sind unspezifisch und treten nicht bei allen Patienten auf, wie z. B. ungewöhnlicher Harndrang oder erhöhter Blutdruck. Symptome wie juckende Haut, Übelkeit/Erbrechen, ungewöhnlicher Harndrang, Atembeschwerden, Appetitlosigkeit und Geschmacksveränderungen treten erst in sehr fortgeschrittenen Stadien der CNE auf. „Leider sehen wir auch immer mehr Patienten, darunter viele jüngere, die einem dauerhaften Nierenversagen sehr nahe sind. Dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Spenderniere oder Dialyse. Letzteres bedeutet für die Betroffenen eine stark verschlechterte Lebensqualität, drastische Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und damit eine deutlich kürzere Lebenserwartung“, sagt Dr. Seeder.
Risikofaktoren rechtzeitig erkennen
Die physiologische Funktion der Niere lässt bei jedem Menschen im Rahmen eines natürlichen Prozesses ab dem 30. Lebensjahr nach. Dieser Prozess wird bei Risikopatienten mit Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas oder mit Familienanamnese deutlich beschleunigt. Für Hochrisikopatienten mit Diabetes und CKD bedeutet die Erkrankung eine deutlich kürzere Haltbarkeit, nämlich bis zu 16 Jahre, für Frauen 16,9 Jahre und für Männer 14,8 Jahre.
Regelmäßige Überprüfungen
Wird CKD jedoch in einem frühen Stadium erkannt, gibt es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, sodass eine Dialyse oder Transplantation gar nicht erst nötig ist. Außerdem sinkt das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich, wodurch Sie viele Jahre an gesunder Lebensweise gewinnen können.Die Überprüfung dafür ist ganz einfach: Es reicht in der Regel aus, einmal im Jahr eine Urin- und Blutprobe zu entnehmen, während derer sich die Eiweißmenge bestimmt wird auch im Urin überprüft. Risikopatienten sollten häufiger zur Vorsorgeuntersuchung gehen. „Wir haben zum Beispiel gelernt, auf unseren Cholesterinspiegel zu achten, vergessen aber die Bedeutung anderer Parameter wie Eiweiß im Urin und Kreatinin im Blut als Ausdruck der Nierenfunktion“, sagt Säemann, zuständig. die Prüfung in die jährlichen Krankenversicherungsbehauptungen zu integrieren. Wenn jedoch eine Nierenschädigung eingetreten ist, gelte auch hier, dass frühzeitig eine Nierenschutztherapie erfolgen sollte, „denn wir haben heute ganz andere Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren“, sagt Säemann.
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