Stand: 07.09.2022 15:43 Uhr
Der rbb steckt in einer tiefen Krise, die Ermittlungen gegen den ehemaligen Senderchef beginnen gerade. Schlesinger verteidigte sich in einem Zeitungsinterview, räumte aber auch ein, das Klima am Bahnhof falsch eingeschätzt zu haben.
Rund zwei Wochen nach ihrer fristlosen Kündigung wegen Vorwürfen von Fehlverhalten und Vetternwirtschaft meldete sich die ehemalige Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), Patricia Schlesinger, ausführlich zu Wort.
In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ äußerte sich Schlesinger unter anderem zu Vorwürfen, er habe in seiner Privatwohnung Dinnerparties veranstaltet, die eher privat als offiziell gewesen seien. Sie sagte: “Ich habe alles nach bestem Wissen und Gewissen erklärt.” Zur Auswahl der Gäste und zu den Themen der Dinner fügte er hinzu: „Es saßen Leute aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Institutionen und Behörden am Tisch, also haben wir über Politik, Wirtschaft, Kultur und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesprochen. Was ist gut.“ , was ist los? Diese Gespräche haben fließende Übergänge.”
Teures Firmenauto und Probleme mit einem Massagesessel
Kritisiert wurde auch, dass der RBB für ein Auto der Firma Schlesinger mit Massagesitzen einen satten Rabatt erhielt – der Direktor hatte auch einen privaten Chauffeur zur Verfügung. Die 61-Jährige sagte, sie wolle keine Massagesitze. „Ich habe das Auto nicht selbst aufgebaut. Massagesitze brauche ich nicht, das ist für mich eine überflüssige Spielerei.“ Autos würden ihr nicht viel bedeuten. Privat fährt er einen 17 Jahre alten VW Polo.
Irritierend war auch die umfangreiche Renovierung des Verwaltungsbereichs: Dort soll es auch einen Massagesessel gegeben haben. Schlesinger sagte: „Der Massagesessel ist zu einem Symbol geworden. Ich habe weder danach gefragt noch ihn benutzt.“ Grund für die Renovierung sei kein Luxuswahn, sondern „eine dringende Schadstoffsanierung“. Auch die Möbel in seinem alten Büro stammten von seinem Vorgänger, sagte Schlesinger.
Der ehemalige Sender wies auch den Vorwurf zurück, dass ihr Ehemann Gerhard Spörl, ein ehemaliger „Spiegel“-Journalist, einen Job zu ihren Gunsten bekommen habe. Es stellte sich heraus, dass keine Compliance-Regeln verletzt worden waren.
Unterschätztes Unbehagen der Mitarbeiter
Gleichzeitig räumte Schlesinger ein, das Unbehagen der Hausangestellten unterschätzt zu haben. Das liegt auch an den großen Modernisierungsprojekten, die das Management und sie in den letzten Jahren initiiert haben. Schlesinger erwähnte die Verlagerung von Teilen des Budgets von linearen Programmen zu digitalen und Einsparungen bei der Produktion und dem Fernsehprogramm am frühen Abend.
“Aus meiner Sicht ist das Unbehagen und die Wut auf der Station so stark, dass ich mir Vorwürfe mache, es nicht gesehen zu haben, tut mir leid.” Sie hat die Probleme nicht gelöst. An anderer Stelle im Interview sagte er: “Ich bedaure zutiefst, dass gerade der gesamte öffentliche Dienst kritisiert wird.”
“Wie ein Tsunami”
Die Wirkung des Berichts habe ihn „schockiert“. Es sei „wie ein Tsunami“. Besonders betroffen war sie davon, dass die Vorwürfe aus ihrem engsten Umfeld kamen.
Seit Wochen sickern interne Dokumente durch, vor allem das Online-Medium „Business Insider“, das über viele Details der Vorwürfe gegen den Senderchef berichtete. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Anfang August wegen des Verdachts der Untreue und Ausbeutung. Bis zur Klärung gilt die Unschuldsvermutung. Schlesinger leitet den rbb seit 2016, seit Anfang dieses Jahres hat er auch den Vorsitz der ARD inne. Ob sie gegen eine fristlose Kündigung vorgehen würde, ließ sie im Interview offen.