Eine Erhebung und Studie des Complexity Science Hub (CSH) im Auftrag der Wirtschaftskammer (WKÖ) ergab, dass sich rund die Hälfte der befragten Unternehmen bereits auf einen möglichen Gasnotfall vorbereiten. Unter anderem gab es Umstellungen auf alternative Energien, Wärmedämmung und Temperaturabsenkungen.
329 Unternehmen, die 51 Prozent des Gasverbrauchs der Befragten repräsentieren, gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten bereits Schritte unternommen zu haben, um ihre Abhängigkeit von Erdgas zu verringern. Knapp 75 Prozent dieser Gruppe hätten ihren Gasbedarf durch eine verbesserte Isolierung oder Temperatursenkungen reduziert. Mehr als ein Fünftel haben ihre Heizung bereits auf alternative Energiequellen umgestellt, sieben Prozent haben auch ihre Produktionsanlagen auf alternative Energien umgestellt.
58 Prozent planen neue Maßnahmen
376 Unternehmen, die 58 Prozent des Gasverbrauchs repräsentieren, sehen neue Maßnahmen, um ihre Abhängigkeit vom Erdgas zu verringern: Fast zwei Drittel dieser Unternehmen planen die Umstellung ihrer Heizungsanlage, 23 Prozent ihrer Anlagen Produktionsstätten auf alternative Energiequellen.
Reduzierung von 75 Prozent Erdgas in einem Jahr
Auf die Frage, wie schnell der Energieträgerwechsel möglich sei, gab ein Fünftel der befragten Unternehmen an, ihren Erdgasbedarf innerhalb eines Jahres um mindestens 75 Prozent senken zu können. In zwei Jahren hielten es sogar mehr als ein Viertel der Unternehmen für möglich. Zwölf Prozent der Unternehmen gaben hingegen an, ihren Gasverbrauch in den nächsten zwei Jahren kaum senken zu können. Diese Unterschiede lassen sich laut Pichler aber weder durch den absoluten Gasverbrauch noch durch die Gasintensität der Unternehmen erklären.
Hohe Investitionskosten verhindern eine Umstellung
Einige der Big Spender würden durchaus Flexibilität für einen relativ zeitnahen Wechsel ausdrücken, während andere kaum Einsparpotential sehen würden. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen nennen die hohen Investitionskosten als größtes Hindernis für den Umstieg auf alternative Energiequellen. Auch die Verfügbarkeit und Kosten alternativer Energiequellen sind für mehr als die Hälfte der Unternehmen ein Thema beim Energieträgerwechsel.
Betroffen sind verschiedene Unternehmen
Ein plötzlicher Gasausfall – obwohl laut CSH unwahrscheinlich – würde die befragten Unternehmen sehr unterschiedlich treffen: 27 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass ihre Produktion in der Folge vollständig eingestellt wird. Dagegen geht ein Drittel der Unternehmen von keinen oder nur geringen Einbußen in ihrer Produktion aus. Die meisten Unternehmen gaben jedoch an, dass sie die Produktion in weniger als einem Tag (21 %) oder zwischen einem Tag und einer Woche (31 %) wieder aufnehmen könnten. 17 Prozent konnten die Produktion frühestens nach acht Wochen wieder aufnehmen.
Szenario einer vollständigen Unterbrechung der Gasversorgung
Die CSH-Studie befasst sich unter anderem mit dem Szenario eines kompletten Stopps der Gasversorgung und eines damit verbundenen Gasausfalls. Der Autor der Studie, Anton Pichler, betonte im Gespräch mit der APA, dass die Wahrscheinlichkeit eines solchen Scheiterns von Tag zu Tag abnimmt.
„Die Annahme, dass wir so viel Gas brauchen wie nie, ist ein Trugschluss. Im vergangenen Jahr ist viel passiert, Unternehmen reagieren schnell auf Preissignale“, sagt Pichler. Darauf deuten auch die Ergebnisse der Studie hin.
Vom 28. Juni bis 12. Juli hat der Complexity Science Hub im Auftrag der IHK insgesamt 1.041 Erdgas verbrauchende Unternehmen zum Thema Energieträgerwechsel befragt.