Abschaltung der russischen Gasversorgung in Dänemark und Shell

Stand: 01.06.2022 09:54 Uhr

Gazprom stoppt Gaslieferungen für immer mehr europäische Länder. Der russische Staatskonzern beliefert nach eigenen Angaben die dänischen Versorger Ørsted und Shell nicht mehr.

Russland erweitert seinen Kreis der Länder, die keine Gaslieferungen mehr erhalten sollen. Gazprom hat die Exporte nach Dänemark und Shell Energy Europe gestoppt. Das teilte der russische Energiekonzern mit.

Der dänische Versorger Ørsted hatte zuvor von einem Lieferstopp in Russland ab 6 Uhr morgens gesprochen. Gazprom begründete den Schritt damit, dass weder der dänische Konzern noch Shell das Gas wie von Russland gefordert in Rubel bezahlten. Da die entsprechenden Zahlungen für April nicht erfolgten, wurde die Lieferung gestoppt.

Ørsted besteht auf Zahlung in Euro

Ørsted sagte, das Unternehmen sei vertraglich nicht verpflichtet, die Rechnung in Rubel zu bezahlen. Der Konzern zahlt weiterhin in Euro. Gleichzeitig nutzte Firmenchef Mads Nipper die Androhung eines Zwischenstopps, um von der EU mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien zu fordern. In Dänemark sind keine Lieferengpässe zu erwarten.

Auch Shell Energy Europe beliefert Deutschland teilweise mit Gas. Laut Gazprom besteht mit Shell ein Vertrag über die maximale Liefermenge von 1,2 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr.

Auch für die Niederlande kein Gas mehr

Russland hatte bereits im März angeordnet, dass europäische Länder ab April für Ressourcen, die zur Energieerzeugung verwendet werden, in Rubel zahlen. Kreml-Herrscher Wladimir Putin reagierte damit auf westliche Sanktionen wegen der russischen Invasion in der Ukraine.

Seitdem hat Russland die Lieferungen nach Polen, Bulgarien und Finnland sowie neuerdings auch in die Niederlande eingestellt. Nach Angaben des niederländischen Gasversorgers GasTerra wird es keine Lieferengpässe geben. GasTerra hatte zuvor Gaslieferungen von anderen Quellen bezogen. Der Vertrag mit Gazprom lief jedoch nur bis zum 1. Oktober.

GasTerra ist zu 50/50 im Besitz des niederländischen Staates. Die beiden Ölmultis ExxonMobil und Shell besitzen die restlichen Anteile an der Gruppe. In den Niederlanden wird seit Monaten darüber diskutiert, die eigene Gasförderung aus Feldern bei Groningen im Nordosten des Landes wieder aufzunehmen. Bisher hat die niederländische Regierung dies jedoch abgelehnt.

Weniger abhängig von russischem Gas als Deutschland

Der nun verhängte Lieferstopp betrifft Liefermengen von zwei Milliarden Kubikmeter Gas, die vom 31. Mai bis 30. September angefordert wurden. Im vergangenen Jahr exportierte Russland 6,76 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die Niederlande. Das macht etwa 16 Prozent des Verbrauchs aus.

Die Niederlande waren bereits viel weniger abhängig von russischem Gas als andere Länder wie Deutschland. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie kommen nach wie vor 35 Prozent der Gaslieferungen nach Deutschland aus Russland. Im vergangenen Jahr lag die Abhängigkeit Deutschlands jedoch deutlich über 55 Prozent.

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