Eleganter Abschied bestritt der wütende Weltmeister gegen den FC Bayern
Von Tobias Nordmann 02.06.2022, 08:17
Fünf Jahre lang versuchte Corentin Tolisso, sich beim FC Bayern zu etablieren. Doch über gute Ansätze und ein paar sehr gute Matches kommt der französische Weltmeister nicht hinaus. Auch weil er fast immer verletzt ist. Jetzt trennen sich die Straßen auf hässliche Weise.
Der FC Bayern plant seine Zukunft ohne Corentin Tolisso. Dies ist keine Überraschung. Denn der Mann, der damals im Sommer 2017 mit 41,5 Millionen Euro der teuerste Einkauf der Ligageschichte war, wurde in München nie das, was er hätte werden sollen. Das heißt, ein dynamischer und gefährlicher Fahrer. Die Zeit des 27-Jährigen ist vorbei. Und anders als Robert Lewandowski, der am Montag ebenfalls verkündete, das „Kapitel FC Bayern“ sei für ihn beendet (das sieht der Verein natürlich ganz anders), wäre Tolisso offenbar gerne an der Säbener Straße geblieben. Aber die Türen schlossen sich plötzlich auf hässliche Weise, wie er behauptet.
Im Gespräch mit der französischen Sportzeitung L’Equipe fragte sich der Mittelfeldspieler, wie die Führungsspitze um Sportdirektor Hasan Salihamidžić und Cheftrainer Oliver Kahn mit dem auslaufenden Vertrag umgegangen sei. Auch diese Geschichte dreht sich um die aktuell hochsensiblen Themen des Rekordmeisters. Es dreht sich um Geld, Wertermittlung (funktioniert laut Uli Hoeneß nur in Euro) und Kommunikation. „Ich hatte seit drei Wochen nichts mehr vom Verein gehört. Ich habe meinen Berater gebeten, anzurufen, und schon war die Entscheidung gefallen“, gestand der frustrierte Weltmeister von 2018 und erklärte, warum es nicht vor dem letzten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart war . angenommen worden war. Ich kannte die Entscheidung des Vereins damals nicht.
Hoeneß leuchtet zu Hilfe
Was passiert in München? So viel Unruhe und Wut im Personal war selten. Und die aktuelle Situation lässt die neue Führung des Klubs nicht gut aussehen. Das lässt sie sogar so schlecht aussehen, dass der ewige Patriarch Hoeneß sein Wort brach und sich wieder in die Affären einmischte. Es hallte wider und entzündete kleine Feuer. Wie er es immer getan hatte, wenn es darum ging, seinen Klub zu beschützen. Ob er will oder nicht, Hoeneß hat die Gabe, mit einem Satz das öffentliche Interesse zu wecken. Er beherrscht das Spiel der Ablenkungsmanöver, wie kein Offizier vor und kein Offizier nach ihm.
Niklas Süle verlässt den Verein ohne Ablöse und wechselt zu seinem großen Rivalen Borussia Dortmund. Laut Uli Hoeneß ist es nur eine Frage des Geldes, aber wenn man auf die Zeit des Giganten in München zurückblickt, gibt es eine andere Deutung. Immer wieder gab es Zweifel, ob Süle ein Spieler des FC Bayern werden könnte. Immer wieder gab es Zweifel an seiner Haltung, Ernährung ist das Stichwort. Das waren Zweifel, die auch öffentlich geäußert wurden.
War Tolisso zu gierig?
Ob Lewandowski den Meister verlassen wird, ist unklar. Der polnische Torgarant lässt derweil keinen Stein auf dem anderen, um in diesem Sommer irgendwie aus seinem Vertrag herauszukommen. Manchmal spielen er und sein Manager Pini Zahavi die Karte des Herzens aus und sagen, dass der Stürmer einen großen Traum hat, zu Real Madrid zu wechseln, verzeihen Sie mir, beim FC Barcelona, manchmal gehen sie mit dem Thema Dankbarkeit aufs Ganze. Und immer wieder läuft die gigantische Debatte auf die Rolle des Vereins hinaus, die Rolle der Bosse, denen es einfach nicht gut geht. Bei Lewandowski schwingt immer noch die Frage mit, dass der Klub die Gespräche über die Zukunft verlängern ließ, weil man im Hintergrund davon träumte, Erling Haaland verpflichten zu können.
Tolisso ist nun der fünfte ablösefreie Transfer in nur einem Jahr nach Champions-League-Sieger David Alaba, Wadenpflücker-Ikone Javi Martinez, Weltmeister Jérôme Boateng und Süle. Und zum Ende der nächsten Saison droht schon die nächste: Nationalspieler Serge Gnabry soll seinen im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen. Auch hier geht es, wie Sie sich denken können, um Wertschätzung. Offenbar will er sie suchen und bei Real Madrid finden. Und wenn Sadio Mané, der königliche Transfer, der den ganzen Verein beflügelt, vom FC Liverpool nach München wechselt, könnte vielleicht Gnabry zum Königshaus wechseln.
Im Fall von Tolisso, der gerade schiefgelaufen ist, hat die Medaille offensichtlich eine andere Seite. Eine, die den Spieler ziemlich undankbar aussehen lässt. Er soll sich für die Zusammenarbeit über diesen Sommer hinaus ein Gehalt von rund elf Millionen gewünscht haben. Laut “Bild”-Zeitung soll sie derzeit zwischen sechs und sieben Millionen Euro erhalten. Angesichts der Verletzungshistorie, der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und der Geduld des Klubs erscheint diese Forderung sehr befremdlich. Offenbar waren die Münchner nur bereit, ihm ein Gnadenangebot zu machen (laut “Bild”).
Was für eine verrückte Krankenakte
Laut seiner Krankenakte auf transfermarkt.de konnte er in fünf Jahren beim Rekordmeister wegen zahlreicher leichter und schwerer Verletzungen 545 Tage nicht arbeiten. Wahnsinn. Dazu zählen nicht die Tage, an denen er seinen Trainingsrückstand und seine angesammelte Form ausgearbeitet hat. In München wäre er, wenn er hätte bleiben können, sowieso nur ein Rotationsspieler gewesen. Joshua Kimmich und Leon Goretzka liegen auf den Plätzen sechs bis acht. Zudem treibt mit Jamal Musiala eines der großen deutschen Talente die Mannschaft stetig voran und mit Ryan Gravenberch scheint ein weiteres Talent des Mittelfeldspielers kurz vor einem Wechsel zum FC Bayern zu stehen.
Tolisso geht mit 118 Pflichtspieleinsätzen ins Rekordbuch. Er erzielte 21 Tore und bot 15 weitere Assists an. Eine gute Bilanz, die allerdings immer wieder von gruseligen Fehlern getrübt wurde. Etwa die Saison 2019/20, die nach schwachem Start mit dem Triple von Hansi Flick endete. Beim lächerlichen 7:2-Sieg gegen Tottenham Hotspur in der Gruppenphase der Champions League (nicht relevant) und vor allem beim 1:2-Sieg gegen Hoffenheim kassierten ihre Fehler Tore.
Die Münchner haben ihren traurigen Franzosen mit Worten der Dankbarkeit verabschiedet: „Auch in schwierigen Zeiten hat er nie den Platz verlassen und immer alles für den FC Bayern gegeben. Wir wünschen ihm viel Erfolg auf seinem Weg“, sagte er. Salihamidzic. In der Erklärung dankte Tolisso ihm für “die fünf wunderbaren Jahre, die sie mir sowohl auf sportlicher als auch auf persönlicher Ebene so viel geschenkt haben”. Nun ja.