Affenpocken: eine weitere BAG-Aktion für Schwule

Pockenfälle traten laut BAG vor allem bei Männern auf, die Sex mit Männern hatten. Nach anfänglichem Zögern gibt es nun eine Kampagne.

Die Kampagne des BAG und Partnerorganisationen zur Verbreitung von Affenpocken auf Instagram ist in vier Sprachen verfügbar. – Instagram-Screenshot

Ankündigungen

das Wesentliche zusammengefasst

  • Affenpocken-Infektionen scheinen unter schwulen Männern besonders häufig zu sein.
  • Einzelne Länder sprechen explizit Risikogruppen an.
  • Nach anfänglichem Zögern lancierte das BASP eine gezielte Präventionskampagne.

Es ist noch nicht klar, warum es außerhalb der häufig betroffenen Länder West- und Zentralafrikas derzeit zu einer höheren Inzidenz von Affenpockeninfektionen kommt. Bereits letzte Woche stellten die Gesundheitsbehörden mehrerer Länder fest, dass die Patienten fast ausschließlich männlich waren. Die WHO sagt so: hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, Männer, die Sex mit Männern haben.

Brauchen wir eine Pockenkampagne für Homosexuelle?

Der Ausdruck „Männer, die Sex mit Männern haben“ oder MSMS wird auch häufig in Kampagnen zur Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten verwendet. Denn es umfasst nicht nur Homosexuelle, sondern auch Bisexuelle. Vor allem aber heterosexuelle Männer, die sporadisch Sex mit anderen Männern haben, also nur eingeschränkt an der Schwulenszene teilnehmen.

Das BASP setzt sich 2007, 2008, 2013 und 2016 gegen sexuell übertragbare Krankheiten ein. – lovelife.ch

Die letztgenannte Gruppe stand bereits im Fokus der Kampagnen des BAG gegen HIV / Aids. Allerdings sei derzeit keine Pocken-Präventionskampagne geplant, hieß es vergangene Woche auf Anfrage. Innerhalb der Gemeinde wurden Informationen bereitgestellt, und gemeindespezifische Test- und Behandlungszentren sind informiert und gut vorbereitet. Auf der Website des BAG finden sich laufend aktualisierte und für die Bevölkerung verständliche Informationen.

Deutschland zielt explizit auf Schwule ab

Verschiedene Länder mit Fällen von Affenpocken-Prävention arbeiten jedoch unterschiedlich. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich in einer Rede in der WHO-Zentrale in Genf explizit an MSM gewandt. Im selben Satz warnte er aber auch vor der Stigmatisierung dieser Gruppen. Doch genau das befürchten Experten und warnen vor den kontraproduktiven Folgen: Aus Angst vor Beleidigungen würden Menschen mit Symptomen erst gar nicht zum Arzt gehen.

Die US-Seuchenbehörde CDC sah sich sogar genötigt, der Bevölkerung aufzuklären, dass sich auch heterosexuelle Menschen anstecken können. Schließlich machen Viren keinen Unterschied in Bezug auf die sexuellen Vorlieben ihrer Wirte.

Affenpocken: Gratwanderung in der Präventionskampagne

Das BAG macht deutlich, dass ein Großteil der Fälle in Europa bisher mit MSM aufgetreten ist. Affenpocken sind jedoch nicht wirklich eine sexuell übertragbare Krankheit. Und: “Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass das Pockenvirus durch Sperma oder Vaginalsekret übertragen wurde.”

BAG-Direktorin Anne Lévy (rechts) und eine mikroskopische Aufnahme von Affenpockenviren (links). – Schlüsselschlüssel

Deshalb brauchten Homosexuelle bis zum Wochenende keine gezielte Kampagne gegen Affenpocken. Denn: „Vorsorgemaßnahmen müssen von allen bekannt sein und angewendet werden.“ Doch bald darauf startete das BASP zusammen mit der Aids-Hilfe Schweiz und ihren kommunalen Partnern eine Offensive in den sozialen Medien.

Kritik an der BAG-Kampagne

Der Rücktransport ließ nicht lange auf sich warten. Das BAG hat auch die Schwulenorganisation Pink Cross an Bord. Der Titel des Beitrags lautet „Affenpocken: Schwule und bisexuelle Männer nicht stigmatisieren“. Doch die Kritik an der expliziten Ansprache der homosexuellen Risikogruppe hielt auf verschiedenen Ebenen an.

Kritik an BAG-Affenpocken-Kampagne – zvg / Twitter Screenshot

Beginnend mit dem Thema: Affen-Emojis sind nutzlos, um eine Krankheit ernst zu nehmen. Aber der fehlende Impfstoff und das nicht zugelassene Medikament gegen Affenpocken sind jetzt wahrscheinlich wichtigere Ansätze. Es wird auch befürchtet, dass diese Kampagne zur Stigmatisierung beiträgt. Es erweckt den Eindruck, dass Pocken vom Affen künftig nur noch bei Schwulen auftreten könnten.

Diese Gefahr sieht nun auch LPG-Nationalrätin Katja Christ und will Antworten vom Bundesrat. Warum die Bundesregierung durch die ersten vier Fälle ein erhöhtes MSM-Risiko sieht, verstehe er nicht. Gesundheitsminister Alain Berset wird sich zum Risiko der Stigmatisierung durch föderale Kommunikation äußern. Denn anders als die Europäische Gesundheitsbehörde analysiert das BAG: „Es scheint, dass bei MSM derzeit ein zusätzliches Infektionsrisiko besteht.“

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