- Mehrere Fälle von Affenpocken in Deutschland festgestellt
- Pockenfall in München: Kontaktpersonen in Quarantäne
- Andere Fälle in Europa und Israel entdeckt
- Experte: „Ich bin überzeugt, dass es in Deutschland insgesamt mehr Fälle geben wird“
Die ersten Pockenfälle wurden in Deutschland nachgewiesen, darunter eine Person in München. Pocken breiten sich auch in anderen Ländern wie der Schweiz und Israel aus. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bereitet nun in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut Maßnahmen zur Eindämmung vor. Wie ansteckend sind die Pocken des Affen und wie gefährlich können sie sein?
Update vom 24.05.2022 um 18:44 Uhr: Zwei weitere Pockenfälle in Bayern bestätigt
In Bayern sind zwei weitere Fälle von bestätigten Pocken aufgetreten. Das Gesundheitsministerium teilte am Dienstagabend (24. Mai) in München mit, dass die beiden Patienten kürzlich selbstständig von einer Auslandsreise in den Freistaat zurückgekehrt seien. Einer der beiden Patienten befindet sich inzwischen im Klinikum München Schwabing. Der andere Fall wurde aus dem Kreis Ansbach gemeldet, wo der Betroffene inzwischen ebenfalls isoliert ist.
Am vergangenen Freitag wurde in der bayerischen Landeshauptstadt der erste Pockenfall in Deutschland nachgewiesen. Das Ministerium hat betont, dass der neue Münchner Fall keine Anlaufstelle sei. Ansonsten waren keine Verbindungen zwischen Patienten bekannt.
Alle drei zeigen den Angaben zufolge typische Hautveränderungen, ein schwerwiegender Krankheitsverlauf war zunächst nicht gegeben. „Die neuen Fälle zeigen, dass wir wachsam sein müssen“, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetscheck (CSU). Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung wird derzeit als gering eingeschätzt.
Affenpocken in mehreren Bundesländern registriert: Der Verlauf kann auch schwierig sein
Anfang Mai wurde in Großbritannien ein Fall von Affenpocken festgestellt – der Erreger kursierte Experten zufolge bereits in vielen Ländern. Mittlerweile wurden weltweit mehr als 100 Fälle nachgewiesen. Auch aus mehreren deutschen Bundesländern wurden Infektionen gemeldet, darunter Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Das Virus verursacht nach Behördenangaben meist nur leichte Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Hautausschlag, kann aber schwere Verläufe haben.
Update vom 24. Mai 2022: Vier Kontaktpersonen des mit den Münchner Pocken infizierten Menschen in Quarantäne
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums befinden sich nach dem ersten Pockenfall in München vier enge Kontaktpersonen des Patienten in Quarantäne. Ein Sprecher sagte am Montagnachmittag (23. Mai 2022), dass dem Ministerium keine weiteren bestätigten oder vermuteten Fälle von Affenpocken gemeldet worden seien.
Der 26-jährige brasilianische Patient wird im Krankenhaus Schwabing in einem Isolierzimmer behandelt. Er selbst sei zu den Ermittlungen gegangen und habe dann vier enge Kontaktpersonen benannt. Der Ministeriumssprecher sagte, das Münchner Gesundheitsamt (GSR) habe sie über die Ansteckungsgefahr und Verhaltensregeln informiert. Da es sich um enge Kontakte handele, sei für sie Quarantäne angeordnet worden.
Der Mann war zuvor in Düsseldorf und Frankfurt am Main. Die Stadt Düsseldorf teilte mit, das Gesundheitsamt München habe rekonstruiert, dass der Patient vor der eigentlichen Infektion in Düsseldorf gewesen sei. Erst bei einem Zwischenstopp auf dem Weg nach München habe er sich angesteckt.
Nach dem Auftreten erster Pockenfälle in Deutschland werden laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet. Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne würden mit dem Robert Koch-Institut (RKI) erarbeitet, sagte Lauterbach am Montag in Genf. Gesundheitsämter können laut RKI nun Isolation und Quarantäne anordnen.
Update vom 23.05.2022: Bayern fordert Impfungen gegen Affenpocken
Nach dem ersten Pockenfall in München und weiteren Fällen in Deutschland hat sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) gegenüber Bild für präventive Maßnahmen ausgesprochen. Unter anderem hält er es für sinnvoll, frühzeitig einen Impfstoff zu verlangen.
„Ich finde es wichtig, dass wir jetzt einen Impfstoff bestellen“, sagte er dem Sender. Die Kontaktpersonen von Infizierten sollen laut dem Minister zunächst geimpft werden. Laut Holetschek diskutieren das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Wissenschaft derzeit „Impfungen mit Stäbchen in diesem Bereich oder bei Menschen, deren Immunsystem nicht so stabil ist“. Es geht nicht um Impfpflicht, sondern um vorbeugende Maßnahmen und die Frage, welcher Impfstoff am besten helfen könnte.
Holetschek erklärte, dass viele Bundesländer noch Pockenimpfstoffe auf Lager hätten. Aber die Frage ist, ob es noch verwendet werden kann. In Bayern steht die Regierung bereits in Kontakt mit einem Unternehmen, das Impfstoffe auf diesem Gebiet erforscht und herstellt.
Update vom 22.05.2022: Weitere Affenpocken-Fälle in Berlin nachgewiesen: Experten rechnen mit weiteren Fällen
Nach den ersten nachgewiesenen Pockenfällen in Deutschland in München und Berlin rechnen Experten mit weiteren Infektionen. Eine große Infektionswelle ist hierzulande aber nicht zu erwarten. Davon gehen sowohl die behandelnden Ärzte in München als auch die Berliner Behörden aus. Inzwischen melden andere Länder erste Infektionsnachweise, etwa Israel und die Schweiz.
Die Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin hat am Samstag (21.05.2022) zwei seltene Infektionsfälle in der Hauptstadt gemeldet. Welche der beiden bekannten Varianten des Virus die Betroffenen infiziert hat, ist noch nicht bekannt. Eine entsprechende genetische Analyse wird durchgeführt. Der Zustand der Patienten sei stabil, sagte er.
Am Freitag (20.05.2022) wurde der erste Fall von Pocken in München gemeldet. Der 26-Jährige stammt aus Brasilien und leidet am Westafrika-Virus, der mildesten der beiden bekannten Virusvarianten. Laut seinem Arzt geht es ihm gut. Der Mann war von Portugal über Spanien nach München gereist und hatte sich zuvor in Düsseldorf und Frankfurt am Main aufgehalten.
Laut NRW-Gesundheitsministerium gibt es Hinweise „auf einen möglichen Kontakt von Menschen mit dem Affenpockenvirus“. Ein Ministeriumssprecher sagte am Samstag, man werde solchen Hinweisen nachgehen. Das Landesgesundheitszentrum steht in engem Kontakt mit dem Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochpathogene Erreger (STAKOB) des Robert Koch-Instituts (RKI).
„Ich bin davon überzeugt, dass es in Deutschland insgesamt mehr Fälle geben wird“, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektionsklinik am Klinikum Schwabing, auf Anfrage. Dort ist der Münchner Patient in einem Einzelzimmer mit Absperrung untergebracht. Die Klinik ist laut Wendtner eines von sieben STAKOB-Zentren in Deutschland.
„Die allgemeine Annahme ist, dass westafrikanische Affenpocken eine Gesamtsterblichkeitsrate von 1 Prozent haben, was hauptsächlich Kinder unter 16 Jahren betrifft“, sagte Wendtner. „Aber denken Sie daran, dass diese Daten aus Afrika nicht unbedingt auf das Gesundheitssystem in Europa oder den Vereinigten Staaten übertragbar sind. Die Sterblichkeit wäre hier niedriger. Dies ist eine Krankheit, von der ich nicht glaube, dass sie das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu beeinträchtigen.“ Risiko.“ Infizierte Patienten infizieren sich etwa drei bis vier Wochen lang.
Vorsicht ist geboten bei Gruppen von immunsupprimierten Patienten, dh solchen mit einem schwachen Immunsystem. „Dazu gehören zum Beispiel HIV-Patienten ohne ausreichende pharmakologische Krankheitskontrolle, aber zum Beispiel auch Tumorpatienten mit schwerer Immunsuppression, etwa nach einer Stammzelltherapie“, sagte Wendtner. Es wird diskutiert, ob diese Risikogruppen durch eine Impfung geschützt werden können. Der Imvanex-Impfstoff ist seit 2013 in der EU zugelassen.
„Wir gehen davon aus, dass die ältere Generation, die vor 1980 gegen Pocken geimpft wurde, auch einen sehr hohen Schutz gegen Pocken hat, also haben diese Menschen kein oder nur ein sehr geringes Risiko.“ Mit dem Medikament Tecovirimat gibt es auch eine von der EU zugelassene Behandlungsoption für Affenpocken.
Unterdessen nimmt die Zahl der Länder zu, die Hinweise auf seltene Infektionskrankheiten melden. Der Kanton Bern gab am Samstag bekannt, dass in der Schweiz ein erster Fall nachgewiesen wurde. Auch ein Test in Israel war nach Angaben des Gesundheitsministeriums positiv. Auch in Australien, Kanada und den Vereinigten Staaten und damit in anderen Teilen der Welt außerhalb Afrikas, wo das Virus seinen Ursprung hat, wurden in den letzten Tagen Fälle bestätigt.
Die meisten der derzeit untersuchten Fälle seien geringfügig, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa Hans Kluge am Freitag. Die neu entdeckten Infektionen seien untypisch, weil die meisten Betroffenen nicht nach West- oder Zentralafrika gereist seien, wo die Krankheit endemisch sei, sagte Kluges in der Erklärung. Bemerkenswert ist auch, dass die meisten ursprünglich entdeckten Infektionen bei schwulen Männern gefunden wurden. Die Tatsache, dass die Fälle in ganz Europa auftreten, deutet darauf hin, dass das Virus seit einiger Zeit übertragen wird.
Laut Gesundheitsbehörden verursacht das Virus meist nur leichte Symptome, es kann aber auch zu schweren Schlaganfällen kommen. In Einzelfällen tödlich …