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Die Deutsche Post profitierte auch im zweiten Quartal von ihrem Frachtgeschäft. Auch dank hoher Transportpreise im internationalen Geschäft mit Firmenkunden konnte der Konzern den Rückgang der Sendungsmengen von Privatkunden mehr als kompensieren. Insgesamt sei es das erfolgreichste Quartal der Deutschen Post gewesen, sagte Finanzvorstand Melanie Kreis am Freitag auf einer Konferenz in Bonn. Umsatz und Ergebnis stiegen um zweistellige Prozentsätze und fielen besser aus als von Analysten erwartet.
Das Bonner Unternehmen habe sich im zweiten Quartal gut entwickelt, schrieb JPMorgan-Analyst Samuel Bland in einer frühen Reaktion auf den Zwischenbericht. Die Markterwartungen dürften leicht steigen. Allerdings dürften Bedenken hinsichtlich der mittelfristigen Gewinnhöhe bestehen bleiben.
Bis 2024 will die Deutsche Post 8,5 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern erwirtschaften. Das Management bestätigt diese Prognose sowie die des laufenden Jahres. Das Management des Unternehmens um Vorstandschef Frank Appel erwartet ein operatives Ergebnis zwischen 7.600 und 8.400 Millionen Euro und damit bis zu fünf Prozent weniger oder mehr als im Vorjahr.
Nun wird der Vorstand etwas konkreter: Je nach konjunktureller Entwicklung – also einer drastischen Abkühlung der Weltkonjunktur oder einer allmählichen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums – würde das operative Ergebnis in der unteren oder oberen Hälfte liegen. Bei unveränderter Geschäftsentwicklung sei sogar ein operatives Ergebnis von mehr als 8,4 Milliarden Euro möglich.
Analyst Johannes Braun von der Investmentbank Stifel spricht deshalb von einer „prognostizierten Verschleierung“. Das Bonner Unternehmen habe sein Ziel für das operative Ergebnis (EBIT) für 2022 erreicht, erklärte er. Wenn die aktuelle Dynamik anhält, versprechen Sie, darüber zu landen.
Die Schweizerische Post hat im zweiten Quartal ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel auf gut 24 Milliarden Euro gesteigert. Davon verblieben 2,3 Milliarden Euro als operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), gut 12 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach sechs Monaten beträgt das operative Ergebnis 4,5 Milliarden Euro.
Branchenexperte Alex Irving vom Analystenhaus Bernstein Research war von den Zahlen positiv überrascht. Das Geschäft der Post scheine wenig bis gar nicht von wirtschaftlichen Sorgen betroffen zu sein, schrieb er am Morgen. Gleiches gilt für die Verlangsamung des Online-Handels, von der die gesamte Branche betroffen ist.
Wie schon im ersten Quartal stammte der Grossteil der Erträge der Post von April bis Juni aus dem Geschäft mit Firmenkunden in den Logistikbereichen. Positiv wirkte sich auch der Ende März vollzogene Kauf des Versandspezialisten Hillebrand aus.
Gleichzeitig normalisierte sich das vom Online-Handel bestimmte Privatkundengeschäft, weil die Menschen nicht mehr so viele Produkte im Internet bestellten wie noch vor einem Jahr, als die Corona-Maßnahmen das Leben einschränkten. Damit hatte der Vorstand jedoch gerechnet. Insgesamt machten die Aktionäre im zweiten Quartal fast 1,5 Milliarden Euro Gewinn, 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Für das laufende dritte Quartal kündigte die Post weitere Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine an, weil der Konzern sein Inlandsgeschäft in Russland aufgibt. Den Mitarbeitern werde gekündigt, weil entschieden worden sei, “dass wir den Betrieb auf keinen Fall weiterführen”, sagte Appel. Nur bestimmte internationale Sendungen, zu deren Weiterexport die Post vertraglich verpflichtet ist.
Die Wertberichtigung wird laut Stadtrat Kreis auf einem ähnlichen Niveau liegen wie im ersten Quartal, damals bei 31 Millionen Euro. Vor Beginn des Ukrainekrieges hatte die Post in Russland 3.500 Beschäftigte. Das dortige Geschäft machte etwa ein Prozent des Konzernumsatzes aus.
Die Post-Aktie könnte ihre Erholung mit Kursgewinnen am Freitag fortsetzen, nachdem sie Mitte Juni ein Jahrestief von 33,44 € erreicht hatte. Seit September 2021 steht die Aktie unter Druck. Von einem Rekordhoch von 61,38 € Ende August 2021 ist sie um fast ein Drittel gefallen.
Das niedrige Kursniveau nutzt der Konzern auch zum Rückkauf von Aktien. Der Anfang des Jahres angekündigte erste Abschnitt des Programms muss am 7. November enden und hat ein Volumen von 800 Millionen Euro. Ende August sollen eigene Aktien im Volumen von 500 Millionen Euro zurückgekauft werden, sagte Kreis in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Insgesamt plant der Post-Vorstand den Rückkauf von bis zu 50 Millionen Aktien im Wert von bis zu zwei Milliarden Euro. Der Rückkauf soll bis spätestens Dezember 2024 abgeschlossen sein.
Die Zahlen und die „Erhöhung der versteckten Prognose“ beflügeln die Aktie der Deutschen Post
Zeitweise legte die Post-Aktie um mehr als sechs Prozent zu, stieg zuletzt um knapp 5 Prozent auf 41,91 Euro und führte den DAX an.
Die Deutsche Post profitierte auch im zweiten Quartal von ihrem Frachtgeschäft. Auch dank hoher Transportpreise im internationalen Geschäft mit Firmenkunden konnte der Konzern den Rückgang der Sendungsmengen von Privatkunden mehr als kompensieren. Insgesamt stiegen Umsatz und Ergebnis im zweistelligen Prozentbereich.
Analysten lobten die Zahlen. Das Bonner Unternehmen habe sich im zweiten Quartal gut entwickelt, schrieb Experte Samuel Bland von der US-Bank JPMorgan. Experten gehen von leicht steigenden Markterwartungen aus.
Experte Alexander Irving vom amerikanischen Analystenhaus Bernstein Research fügte hinzu, die Deutsche Post habe die Markterwartungen beim Umsatz um zehn Prozent und beim operativen Ergebnis um bis zu 16 Prozent übertroffen. Die Unternehmen zeigten sich wenig bis gar nicht von Konjunktursorgen oder der Verlangsamung des Online-Handels betroffen, von der die gesamte Branche betroffen war.
Darüber hinaus strahlt der Ausblick des Konzerns laut Analysten Zuversicht aus. Für das laufende Jahr erwartet das Führungsteam um Vorstandschef Frank Appel weiterhin einen operativen Gewinn zwischen 7,6 Milliarden und 8,4 Milliarden Euro und damit bis zu fünf Prozent weniger oder mehr als im Vorjahr Bei unveränderter Geschäftsentwicklung sei sogar ein operatives Ergebnis von mehr als 8,4 Milliarden Euro möglich.
Analyst Johannes Braun von der Investmentbank Stifel sprach in diesem Zusammenhang von einer „prognostizierten Zunahme der Verschleierung“. Der Experte rechnet mit 8.600 Millionen Euro, die Markterwartung sieht er bei 8.100 Millionen Euro.
Aus technischer Sicht sehen die Aussichten für die Aktie der Deutschen Post derzeit gemischt aus. Dank des Kurssprungs vom Freitag notieren die Aktien derzeit noch komfortabler oberhalb der Linie des gleitenden 21-Tage-Durchschnitts, der den kurzfristigen Trend beschreibt. Langfristig bleiben die Aussichten jedoch trübe. Seit Anfang Januar bewegt sich der Kurs unterhalb der viel beachteten 200-Tage-Linie.
Der langjährige Abwärtstrend ist das Ergebnis deutlicher Kursverluste der Deutsche-Post-Aktie nach dem Ende August 2021 erreichten Allzeithoch von 61,38 Euro. Die Aktie konnte sich dem breiten Abwärtstrend an den internationalen Aktienmärkten seit Jahresbeginn nicht entziehen und fiel bis Mitte Juni auf 33,44 Euro. Anteilscheine machen seither knapp 13 Prozent des Floors aus.
BONN/FRANKFURT (dpa-AFX)
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