Die Brüder Koller (Patrik und David) und David Proschel (rechts) haben ein elektrisches landwirtschaftliches Fahrzeug gebaut Foto: Claudio von Planta
Interview
Drei Schweizer Erfinder haben ein landwirtschaftliches Elektrofahrzeug geschaffen. Jetzt wollen sie den höchsten begehbaren Berg der Welt besteigen.
27.08.2022, 12:2427.08.2022, 13:02
Konsequenzen
Wir haben vor etwa einem Jahr ein Interview geführt. Damals steckte Ihr Alpen-Tesla noch in den Kinderschuhen. Was ist seitdem passiert? Patrik Koller: Die Straßenzulassung wird für Anfang September erwartet. Mit anderen Worten: Das Fahrzeug ist fertig.
Das Vorstellungsgespräch 2021
Das ist leicht gesagt. Ich denke, der Weg war steinig, es gab einige große Hindernisse, ja. Wir mussten wohl etwa dreimal so viele Probleme lösen wie ursprünglich geplant und extrem viele Kleinteile einbauen. Auch die Steuerungssoftware war eine große Kiste. Einerseits in puncto Komplexität, aber auch aus finanzieller Sicht. Aber mit dem Start-up Motics haben wir einen tollen Partner gefunden.
Endlich: die erste Terraner-Testfahrt
Ich denke, die mit Straßenzulassung wird auch nicht wirklich billig sein. Kommst du noch mit dem Geld davon? Vom Bundesamt für Energie haben wir einen Zuschuss von 250 000 Franken erhalten. Diese Förderung ermöglicht es uns, den auf einem Aebi-Schmidt-Transporter basierenden Prototypen fertigzustellen und im Echtbetrieb zu testen. Doch aus privater Sicht passt sich das Geld allmählich an. Wir arbeiten seit mehr als drei Jahren ohne Bezahlung. Die Ersparnisse sind mehr als aufgebraucht.
Kämpfen Sie immer noch mit Teilzeitjobs? Ja. David und ich arbeiten Vollzeit an dem Projekt, mein Bruder arbeitet noch drei Tage. Aber es ist nicht wirklich da.
Nach der Straßenzulassung wollen Sie mit Ihrem Fahrzeug hoch hinaus. Es geht darum, den Höhenweltrekord für straßenzugelassene Fahrzeuge zu brechen. Dafür eignen sich Ojos del Salado de Chile. Wir werden dort hinaufgehen.
Weltrekordversuch erklärt (Englisch)
Und das mit einem Elektrofahrzeug. Wie lade ich das Fahrzeug alleine auf? Das Fahrzeug kann normal aufgeladen werden. Aber in der Wüste gibt es keine Stromleitungen mehr. Es wird mit Sonnenkollektoren aufgeladen. Wir haben 20 Panels dabei, 10 davon auf dem Dach, mit einer Gesamtleistung von 7,4 kWp. Damit laden wir die 90-kWh-Batterie auf. Frühere Expeditionen benötigten für den Rekord 1500 Liter Diesel. Wegen der kalten Temperaturen durften sie den Motor nie abstellen. Es funktionierte 24 Stunden am Tag. Solche Fakten motivieren natürlich. Wir wollen zeigen, dass es auch besser geht.
Ich nehme an, es lädt tagsüber und wandert nachts? Sowas in der Art. Aber wir haben sowieso viel Zeit in der Wüste, weil wir ständig Pausen brauchen, um uns zu akklimatisieren.
Dieses Fahrzeug sollte es tun: der Terraner-Prototyp. Später soll das Fahrzeug die Elektrifizierung in der Landwirtschaft vorantreiben Foto: Claudio von Planta
Was ist der aktuelle Weltrekord? Ich denke um 6700 Meter. Der Berg ist 6900 Meter hoch. Wir werden es wahrscheinlich nicht ganz nach oben schaffen, aber wir wollen es so hoch wie möglich schaffen. So hoch, dass wir uns nicht mehr schlagen können.
Ein Rekord für die Ewigkeit? Wir wollen zeigen, was für normale Menschen wie uns möglich ist. Unser Projekt begann mit einem leeren, leeren Blatt Papier. Heute steht in unserer Garage ein fahrbereites Elektro-Landwirtschaftsfahrzeug. Unsere Botschaft lautet: Es lohnt sich, mutige neue Wege zu gehen.
Wann soll es losgehen? Mitte Oktober soll es losgehen. Das Fahrzeug geht dann für 40 Tage an Bord. Leider sind auch in diesem Bereich die Kosten explodiert. Der Transport beispielsweise kostet mehr als das Doppelte. Daher suchen wir noch Sponsoren.
Wo kann ich mich anmelden? Scrollen Sie einfach auf unsere Homepage (Peakevolution.ch). Dort finden Sie unsere Kontaktdaten.
Ein Sponsor baute für die drei Erfinder eine Campingbox
Können wir Ihren Rekordversuch hier in der Schweiz verfolgen? Vielleicht versuchen wir, uns mit Starlink zu verbinden. Vor allem wird es nach dem Aufnahmeversuch eine Dokumentation geben. Begleitet werden wir von einem internationalen Filmteam unter der Leitung von Claudio von Planta.
Ich weiß, wer das ist. Mit Superstar Ewan McGregor und seinem Freund Charlie Boorman war er schon mehrfach auf einem Motorrad unterwegs. exakt Unter anderem war er Kameramann bei „Long Way Round“ und „Long Way Down“. Zuletzt für „Long Way Up“, als die beiden auf Elektromotorrädern von Feuerland nach Los Angeles fuhren. Claudio hat bereits den gesamten Umbau unseres Projektes gefilmt.
Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als Ihnen Glück und Erfolg zu wünschen! Und auch wenn Sie hoch hinausfahren: Wir bleiben in Ihrer Nähe.
Alle sehenswerten Videos auf YouTube gibt es hier. Sie erfahren alles über den Umbau des Fahrzeugs und die extrem langen Arbeitstage der drei Schweizer.
Und hier ist der YouTube-Kanal von Claudio von Planta.
Ein Velofahrer ist am Donnerstagabend in Worb BE mit einem Postauto zusammengeprallt und darunter eingeklemmt. Kurz nach dem Unfall verstarb der junge Mann trotz Reanimationsmaßnahmen im Krankenhaus. Die Polizei sucht nach einem unbekannten Passagier.