Alpenhotel Gösing: Vorübergehendes Ende eines Hauses mit Geschichte

Das Alpenhotel Gösing besteht seit 1922 mit direktem Blick auf den nahen Ötscher in der 300-Einwohner-Stadt Puchenstuben. Von Anfang an war es neben den bekannten Semmeringhotels ein beliebter Fremdenverkehrsort für Gäste im Raum Wien. Bruno Kreisky etwa war damals Stammgast und liebte es als Rückzugsort oder für das eine oder andere diskrete politische Treffen.

Am Mitteleuropäischen Katholikentag 2004 übernachtete der damalige Bundespräsident Thomas Klestil mit sechs weiteren Staatspräsidenten im idyllischen Haus der Mariazellerbahn, das bereits zum 4-Sterne-Hotel umgebaut war.

Statt in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum des Hotels zu feiern, kam für viele Beteiligte das bittere vorläufige Ende des Hotels. „Wir bedauern sehr, dass wir das Alpenhotel Gösing ab dem 10. Juli bis auf Weiteres schließen müssen“, sagte die Familie Feistl, Hotelbesitzer seit 2007, ihre Stammgäste und die Titelseite in der vergangenen Woche.

Foto: Stills & Emotion / Rudy Dellinger

Foto: Stills & Emotion / Rudy Dellinger

„Glauben Sie mir, die Trauer und Fassungslosigkeit über das, was in den letzten Tagen passiert ist, ist auch bei uns riesig. Das Alpenhotel war und ist meiner Frau und mir immer eine Herzensangelegenheit. Aber die Personalsituation in der Branche ließ uns keinen anderen Ausweg“, sagte Anton Feistl, 81, Gründer des Werbemittelvertriebs feibra, in einem Telefonat mit NÖN.

Der Schlüssel zum Sarg war das Küchenpersonal. Obwohl viele der 25 Mitarbeiter schon zehn Jahre oder länger im Unternehmen sind, hat sich in den letzten zwei Jahren das Küchenteam komplett verändert. „Ich hatte von Anfang an kein so gutes Gefühl, weshalb ich unser Restaurant Ötscherblick aus der Falstaff-Bewertung geholt habe, obwohl wir 2020 und 2021 einen Fork hatten“, sagt Anton Feistl. Die letzten Monate und Wochen hätten das Kamel zum Überlaufen gebracht. „Unser Küchenteam, insbesondere die Köche, hat uns mit Forderungen förmlich erpresst, und das bei einem vollen Saal. Wir können es nicht ertragen. Wir haben jetzt versucht, Köche über Personalleasing zu bekommen, aber auch das war nicht möglich. Und ohne Küche können wir das Hotel nicht am Laufen halten“, resümiert Anton Feistl enttäuscht.

Ein Verkauf des Hotels kommt nicht in Frage

So flossen am Sonntag Tränen, als er sich von einigen Mitarbeitern und der Familie Feistl verabschiedete. Doch vorerst soll es nur ein vorübergehender Abschied sein, obwohl Feistl nicht damit rechnet, ihn dieses Jahr wieder freischalten zu können. „Wir müssen abwarten, bis sich die Krisensituation mit der Krone und dem Krieg in der Ukraine beruhigt hat. Vielleicht ist es dann einfacher, Personal zurückzubekommen. Wir wollen auf jeden Fall weitermachen. Der Verkauf des Hauses steht außer Frage“, sagte Feistl.

Rund 10.000 Übernachtungen verzeichnete das Alpenhotel in den letzten beiden Corona-Jahren jährlich. Früher waren es noch mehr. Auch in diesem Jahr gab es bisher gute Beschäftigung. Und auch die Buchungslage für Sommer und Herbst war laut Feistl sehr zufriedenstellend. „Umso bitterer, dass wir jetzt diesen Schritt gehen müssen“, sagt Feistl und bedankt sich für das Vertrauen in ihr Team und insbesondere die vielen Stammgäste.

Zwei Mitarbeiter bleiben vorerst im Gebäude, um es in Schuss zu halten. „Wir haben in den letzten Jahren zu wenig investiert, um es brennen zu lassen. Die Situation schmerzt und ist nicht für alle zufriedenstellend. Aber aktuell gibt es keine andere Möglichkeit“, sagt Anton Feistl.

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