Gepostet am 19. Juli 2022, 15:02 Uhr
Alpstein: „Ich habe Leute mit Kartgepäck auf der Bergstrecke gesehen“
Unterhalb des Äschers kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Das hat mit der Beliebtheit, aber auch mit der unzureichenden Vorbereitung der Wanderer zu tun.
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Wanderer müssen dieses Schild passieren, um zum Seealpsee zu gelangen.
20 Minuten / Leo Butie
Am Montag starben innerhalb einer Stunde zwei Menschen.
Kantonspolizei Appenzell Rhoden Innern
Beim Abstieg vom Äscher zum Chobel kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.
20 Minuten / Leo Butie
Am Montagnachmittag um ein Uhr starben zwei Menschen beim Abstieg vom Äscher zum Seealpsee. Eine 66-jährige Deutsche stürzte aus noch nicht abschließend geklärter Ursache den Steilhang und über den Felsen rund 80 Meter in die Tiefe. Etwa eine Stunde später stürzte ein 58-jähriger Mann auf demselben Bergweg und wurde ebenfalls tödlich verletzt.
Laut Roland Koster, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell-Innerrhoden, waren auch die Schweizer talabwärts unterwegs. Zudem waren beide Unfallbeteiligten entsprechend ausgerüstet. „Sie trugen Wanderausrüstung“, sagt Koster. Die Rettung der bei dem Absturz ums Leben gekommenen Menschen war eine große Herausforderung für die Rettungsschwimmer.
Vielbefahrener Bergwanderweg
Es ist bereits der dritte tödliche Unfall in diesem Jahr zwischen Äscher und Chobel. Ende Juni stolperte eine 75-jährige Frau, als sie zu Boden ging und hinfiel. Im Juni 2021 starben innerhalb weniger Tage zwei Menschen auf dem alpinen Höhenweg. „Das ist ein sehr beliebter Bergwanderweg, der diesen Namen verdient“, sagte der Mediensprecher.
Da viele Menschen die Straße benutzen, würde es auch mehr Unfälle geben. Manche Leute sind auch nicht für den Berg gekleidet. “Ich habe Leute mit Karrengepäck auf dem Bergweg gesehen.”
Die Zahl der tödlichen Wanderunfälle im Alpstein schwankt von Jahr zu Jahr. „Es gibt immer mindestens einen tödlichen Unfall“, sagt Köster. Zudem kommt es beim Abstieg ins Tal zu Unfällen. „Ich habe beim Aufstieg vom Chobel zum Äscher noch nie einen tödlichen Wanderunfall erlebt, bei dem eine Person den Berg bestieg.“ Aber anderswo ist das schon passiert.
Ohne absolute Sicherheit
Bei Appenzellerland Tourismus, in der Ecke von Appenzell Innerrhoden, reagierten die Menschen mit Bestürzung auf die Vorfälle. „Es ist tragisch und es tut uns sehr leid, dass diese Unfälle immer wieder passieren“, sagt CEO Guido Buob in 20 Minuten. Weitere Warnschilder aufzustellen oder Wanderwege auszubauen, sei derzeit kein Problem, auch wenn die Verantwortlichen die Maßnahmen sicher prüfen würden. „Bergwanderwege im Alpstein sind so sicher wie möglich. Aber absolute Sicherheit gibt es nicht“, sagt Buob.
Bergwanderung mit rot-weiß-roter Markierung
Zudem besteht beim Wandern im Alpstein immer ein Restrisiko. Es ist auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit. „Der betroffene Bergweg ist zweifelsohne einer der meistbegangenen Bergwege und daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf ihm etwas passiert, deutlich höher als auf anderen weniger begangenen Bergwegen.“
Der Tourismusverband will vor allem mit Prävention und Information arbeiten. “Wir versuchen den Leuten zu erklären, dass es kein Spaziergang ist, nicht einmal ein Spaziergang”, sagt Buob. Es ist eine Bergwanderung mit rot-weiß-roter Markierung.
Appell an Eigenverantwortung
Das erfordert neben guter Ausrüstung und Sicherheit auch Konzentration und keine Körpergröße von den Bergwanderern. Man muss sich bewusst sein, wie man sich auf einem Bergwanderweg verhält. „Natürlich muss man gutes Schuhwerk tragen und darf nicht mit Lackschuhen oder Turnschuhen wandern. Außerdem vermitteln Wanderstöcke eher ein falsches Sicherheitsgefühl und können an exponierten Stellen eher zum Hindernis werden, als zur Sicherheit beizutragen“, sagt Buob.
Wichtig ist auch, anzuhalten, um die schöne Aussicht auf die Berge so richtig genießen zu können. „Beim Wandern in den Bergen konzentriert man sich ausschließlich auf den Weg.“ Appenzellerland Tourismus informiert vor allem im Internet, Social Media und Prospekten und weist auf mögliche Gefahren hin. „Wir appellieren aber auch an die Eigenverantwortung und dass man sich vor dem Alpstein über die Bergwege im Alpstein informiert“, sagt Buob. Kurz gesagt, jeder ist für seine eigene Sicherheit verantwortlich.
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