Ampelabkommen So wollen wir Ökostrom ausbauen

Stand: 05.07.2022 13:21

Die EEG-Umlage entfällt, rund zwei Prozent der Fläche sollen der Windenergie gewidmet werden: Die Ampelkoalition will Ökostrom massiv ausbauen und hat sich jetzt auf die letzten Details ihrer Energiepakete geeinigt.

Von Björn Dake, ARD-Hauptstadtstudio

SPD, Grüne und FDP haben die neusten Details der Energiepakete geklärt. Sie werden diese Woche vom Bundestag verabschiedet, weil der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller voranschreitet.

BR-Logo Björn Dake ARD Capital Studio @bjdake

Die verschiedenen Energiepakete der Ampel umfassen rund 600 Seiten. Das wichtigste davon ist das sogenannte Landwindgesetz. Damit verpflichtet die Bundesregierung die Länder, in den nächsten zehn Jahren ein bestimmtes Gebiet für Windenergieanlagen auszuweisen.

„Die Bundesländer müssen künftig zwei Prozent ihrer Fläche für Windkraft zur Verfügung stellen“, sagt Julie Kurz, ARD Berlin, zum forcierten Ökostromausbau.

Tagesschau 14:00 Uhr, 5.7.2022

Im Durchschnitt sind es zwei Prozent. Die kleineren Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin kommen nur auf 0,5 Prozent. Wo mehr Wind weht, braucht es mehr Platz: Niedersachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Rheinland-Pfalz setzen auf 2,2 Prozent.

Mindestabstände sind weiterhin möglich

Wie Länder ihr Ziel erreichen, können sie selbst entscheiden. Mindestabstände beispielsweise zu Wohngebäuden sind weiterhin möglich. Auch mit anderen Ländern können Landesregierungen Austauschabkommen abschließen. Erreichen sie das Ziel jedoch nicht, werden alle oben genannten Abstandsregeln aufgehoben. Dies sollte dazu führen, dass mehr Land für Windkraft reserviert wird. „Das ist ein klares Signal, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien jetzt höchste Priorität hat“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch.

Die Bundesregierung definiert den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Gesetz als “von vorrangigem öffentlichem Interesse”. So werden Planungen und Genehmigungen standardisiert, zum Beispiel bei der Überprüfung, ob seltene Vögel in der Nähe von Windkraftanlagen brüten. Bisher gab es dafür in verschiedenen Ländern unterschiedliche Regelungen.

Der Ökostromtarif entfällt

Der nun gefundene Ampelkompromiss sieht vor, die Ökostromumlage endgültig abzuschaffen. Seit Anfang des Monats sind es null Cent. Der FDP war es aber wichtig, die Steuer endgültig abzuschaffen. Seit Jahren finanzieren Stromkunden den Ausbau der erneuerbaren Energien über Umlagen mit. „Die Finanzierung der Erneuerbaren über die Stromrechnung ist endgültig Geschichte“, sagt FDP-Fraktionschef Lukas Köhler.

Der Ausbau erneuerbarer Energien sollte oberste Priorität haben

Julie Kurz, ARD Berlin, Tagesschau um 20 Uhr, 5. Juli 2022

Auf Druck der FDP gab die Ampel auch das Ziel auf, bis 2035 für ein klimaneutrales Stromsystem zu kämpfen. Dieses vorläufige Ziel halten die Liberalen für nicht sinnvoll. Das steht auch nicht im Koalitionsvertrag. Ein weiteres Ziel bleibt: In acht Jahren sollen 80 Prozent des Stroms aus Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse stammen. Nach Berechnungen von Branchenverbänden sind es derzeit fast 50 Prozent.

In naher Zukunft könnten jedoch mehr Kohlekraftwerke wieder Strom liefern. Der Bundestag wird voraussichtlich diese Woche beschließen, dass Energiekonzerne in den nächsten zwei Jahren Kraftwerksblöcke wieder hochfahren können. Dies soll helfen, die Gasreserven zu schonen. Das Kabinett hat bereits Energiegesetze verabschiedet. Der Bundesrat muss nicht mehr zustimmen.

Mit Informationen von dpa und Reuters

Ökoenergieausbau: Details geklärt

Björn Dake, ARD Berlin, 5. Juli 2022 um 18:26 Uhr

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