Ampelstreit: Lindner lehnt überhöhte Gewinnsteuer ab und warnt vor Populismus

Aktualisiert am 6.6.2022 um 16:14 Uhr

  • Trotz der Steuersenkungen sind die Spritpreise vielerorts nur vorübergehend gesunken.
  • Seit Monaten stehen Mineralölkonzerne für ihre Preispolitik in der Kritik.
  • SPD und Grüne wollen die sogenannten Übergewinne beseitigen, die FDP weist das vehement zurück: Das Thema wird zur Belastungsprobe für die Regierungskoalition.

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Meinungsverschiedenheiten gibt es in der Ampelkoalition über eine zusätzliche Steuer auf die Zusatzgewinne von Ölkonzernen aus dem Ukrainekrieg. Teile der Regierungsparteien SPD und Grüne haben die sogenannte Gewinnsteuer erhöht. Spitzenpolitiker der FDP warnten jedoch am Dienstag vor der Einführung.

“Im Moment kann ich nur vor Populismus warnen”, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner in Berlin. „Ob es zu einem Gewinnüberschuss kommt, wissen wir nicht“, sagte der FDP-Chef. Ihm zufolge könnten Steuererhöhungen Engpässe bei den Bomben verursachen. „Dann würde die Verknappung die Preise weiter in die Höhe treiben.“

Zudem bestehe laut Lindner „die große Gefahr, dass das Gegenteil von dem erreicht wird, was die Verteidiger wollen“. Seine Sorge ist, dass eine “willkürliche Steuererhöhung” für eine einzelne Branche Deutschland am Ende teurer macht. Das Kartellamt soll prüfen, was an der Zapfsäule vor sich geht. Zudem wird mit der Einführung einer einzelbetrieblichen Einkommensteuer die Rechtssicherheit in Deutschland im Steuersystem in Frage gestellt. In Deutschland gebe es eine Gewinnsteuer, aber keine Diskriminierung in einzelnen Branchen, so Lindner.

Die FDP wehrt sich gegen die Forderungen von SPD und Grünen

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai hat die Forderungen der Koalitionspartner scharf kritisiert: „Die ständigen Forderungen nach neuen Steuern von SPD und Grünen sind schockierend und auf Augenhöhe mit der Partei der Linken“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. “Dies ist nicht die Zeit für Umverteilung.” Der Chef der Gruppe, Christian Dürr, warnte davor, dass Unternehmen mit guten Gewinnen Deutschland deswegen verlassen könnten.

Politiker von SPD und Grünen hatten diese Zusatzsteuer wegen weiter steigender Energiepreise ins Spiel gebracht. Die Mineralölkonzerne könnten in der Krise “ihre Taschen nicht noch mehr füllen”, sagte SPD-Chef Lars Klingbeil den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Grünen-Chefin Ricarda Lang sagte dem Tagesspiegel: „Wir beobachten seit Monaten eine Entkoppelung von Rohölpreisen und Tankstellenpreisen und fragen uns, was im nächsten Jahr passieren wird. Überschuss-Gewinnsteuer wäre ein logischer Schritt.“

Keine Lockerung durch Senkung der Steuern auf die Kraftstoffpreise

Tatsächlich gibt es trotz der seit Anfang des Monats geltenden Steuersenkungen keine Anzeichen für eine signifikante Entspannung der Kraftstoffpreise. Obwohl die E10- und Dieselpreise vom 31. Mai bis zum 1. Juni zunächst sanken, wurde die Steuervergünstigung nicht vollständig weitergegeben. Seitdem sind Benzin und Diesel teurer geworden. Am Dienstagmorgen war die Tendenz wieder etwas höher, wie der ADAC auf Anfrage mitteilte.

„Die Energiesteuersenkung kommt nicht so an, wie sie sein sollte. Die Preise sind immer noch sehr hoch“, sagt Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Als neutrale Instanz muss das Kartellamt feststellen, dass der Rabatt nicht gewährt wird, und die Politik sollte handeln. „Denn gerade jetzt treibt der Steuerzahler die Profite der Mineralölindustrie, die offenbar die Krisensituation ausnutzt, um Profite auf Kosten der Verbraucher zu maximieren“, sagte Laberer.

Allerdings senkt das Kartellamt die Erwartungen. “Wir setzen alles daran, die Preise der Mineralölkonzerne aufzuklären und transparent zu machen. Allerdings kann weder das Bundeskartellamt noch eine andere deutsche Behörde die Preise auf Knopfdruck senken”, sagte Präsident Andreas Mundt. Hohe Preise und hohe Gewinngenerierung sind nicht verboten.

In anderen europäischen Ländern gibt es bereits einen Einkommensteuerüberschuss

Deshalb wollen SPD und Grüne die extremen Vorteile der Krise durch eine zusätzliche Steuer eliminieren, damit mehr Geld nehmen und gleichzeitig die Preise dämpfen. Die FDP hält dies für zu kurzsichtig. „Was gut klingt, ist in Wirklichkeit ein sehr schlechtes Instrument“, sagte der Fraktionsvorsitzende Dürr der Bild. “Eine Überschreitung der Gewinnsteuer wäre eine Einladung an innovative Unternehmen wie Biontech, die derzeit gute Gewinne machen und bereits viele Steuern zahlen, unser Land zu verlassen. Das kann niemand ernsthaft wollen”, argumentierte er. „Wenn wir Wachstum, Wohlstand und damit Steuereinnahmen wollen, müssen wir für moderne Unternehmen attraktiv sein und uns nicht davor scheuen.“

International gibt es jedoch bereits Beispiele für exzessive Einkommensteuern. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, verwies unter anderem auf Italien. Laut einem Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages gilt die als „außerordentlicher Solidaritätsbeitrag“ bezeichnete Maßnahme ausschließlich für Unternehmen der Energiewirtschaft. Besteuert werden Umsätze, genauer gesagt die Differenz der Umsätze für zwei Perioden in diesem Jahr und im Vorjahr. Hat ein Unternehmen mehr als 5 Millionen Euro oder zehn Prozent mehr Umsatz, muss es zahlen. (dpa/mf)

Aktualisiert am 6.6.2022 um 11:04 Uhr

Ölkonzerne werden wegen hoher Treibstoffpreise kritisiert. Tankstellenpreise sind oft nur vorübergehend gesunken. Die Forderungen der Koalition, „überschüssige Gewinne“ zu beseitigen, werden immer lauter. (Bildnachweis: IMAGO / Michael Gstettenbauer)

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