Stand: 09.07.2022 09:30 Uhr
ETF-Sparpläne sind der neue Mainstream in der Geldanlage. Sie gelten als einfach, günstig und risikoarm. Aber ist diese Investition wirklich für jeden geeignet?
Dank ETF: Immer mehr Deutsche trauen sich an die Börse und setzen auf passive Indexfonds. ETFs, kurz für „Exchange Traded Funds“, sind Aktienindexfonds, die an einer Börse notiert sind. Sie replizieren einen bestehenden Werteindex. Beispiel DAX: Statt 40 Einzelaktien zu kaufen, reicht der Kauf eines DAX-ETFs, um von der Kursentwicklung aller im ersten deutschen Index gelisteten Unternehmen zu profitieren. Der ETF ist genauso aufgebaut wie der DAX insgesamt.
Der Streuung sind fast keine Grenzen gesetzt. Beispielsweise enthält der MSCI World Index 1.600 Aktien. Das erleichtert es Anlegern, in ganze Märkte zu investieren und von deren Entwicklung zu profitieren.
Vorteil: günstig, risikoarm, flexibel
ETFs sind vergleichsweise günstig. Sie kosten durchschnittlich zwischen 0,2 und 0,5 Prozent in jährlichen Raten. Da sie eine passive Strategie verfolgen und nicht wie Publikumsfonds aktiv gemanagt werden, fallen keine hohen Abschluss- oder Verwaltungskosten an.
Ein weiterer Vorteil von ETFs ist die Risikostreuung. Einzelne Aktien können jederzeit an Wert verlieren: Geht ein Unternehmen in Konkurs, sind die Aktien nichts mehr wert. Bei ETFs ist das anders, denn der Anleger investiert nicht in ein Unternehmen oder Produkt, sondern in ein Portfolio aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen. In der Regel ist diese so zusammengestellt, dass ein Totalschaden ausgeschlossen ist.
Wie einzelne Aktien können auch die Anleger selbst mit ETFs handeln. Daher können ETFs jederzeit gekauft und verkauft werden; das Geld ist nicht für einen vordefinierten Zeitraum gebunden. Dies gibt Anlegern größtmögliche Flexibilität.
Nachteil: Spielverlockung
Edda Vogt sieht in diesem Vorteil der passiven Anlageform auch einen großen Nachteil. Er ist seit 20 Jahren in der Finanzbranche tätig und verantwortet die Kommunikationswege der Frankfurter Wertpapierbörse. „Einfachheit, niedrige Kosten und Transparenz führen auch zu Überaktivität“, warnt Vogt. “Es gibt den schönen Spruch: ‘Hin und her, leere Taschen.’ Anfänger neigen dazu, zu sehen, ob sie ein bisschen besser sind als der Markt.” Wenn Sie glauben, dass der Markt fällt, lautet die Devise: „Dann verkaufe ich es und kaufe es wieder“, sagt Vogt. Genau das funktioniert seiner Meinung nach nie.
Wird also das eigentlich passive Investment ETF zum aktiven Trading genutzt, verliert es seinen Vorteil. Denn selbst bei globaler Diversifikation gab es bereits Kursrückgänge von bis zu 50 Prozent. Obwohl die Preise nach jedem Unfall wieder gestiegen sind, hat eine Verlustphase in der Vergangenheit manchmal bis zu 15 Jahre gedauert.
Finanzblogger Simon Schöbel macht deutlich, dass langfristig auch wirklich langfristig bedeutet: „Nach einem Jahr erwartet man bei ETFs zehn Prozent Rendite, das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Mindestens 15 Jahre sollte man sie belassen.“ Daher sollten Anleger den ETF unbedingt als langfristige Anlage sehen. Lässt man es mindestens 15 Jahre stehen, liegt die Rendite nach historischen Erfahrungen bei etwa sechs Prozent jährlich.
Unerwünschte Positionen im Portfolio
Eine weitere wichtige Regel für eine gute Rentabilität: Der ETF müsste in vielen Wirtschaftssektoren breit gestreut sein, um Kursverluste einzelner Firmen schnell ausgleichen zu können. Die Kehrseite: Es gibt keine Unternehmen Ihrer Wahl: Einzelne Unternehmen können nicht aus einem ETF entfernt werden. Deshalb müsse der Anleger akzeptieren, was ihm ein bestimmter Fonds sage, sagt Finanzexperte Vogt.
Aber bei mittlerweile 8.000 verschiedenen ETFs sollte für jeden etwas dabei sein. So gibt es zum Beispiel Fonds, die nur Beteiligungen von Unternehmen berücksichtigen, die besonders auf Nachhaltigkeitskriterien, zum Beispiel ökologische oder soziale, achten.
ETF-Anleger haben kein Stimmrecht
Mit dem richtigen ETF haben Sie viel gemeinsam. Was Sie jedoch nicht bekommen, sind die Stimmrechte, um bei wichtigen Unternehmensentscheidungen mitzuwirken. Beim ETF haben Sie kein Stimmrecht, sondern übertragen es an die Fondsgesellschaft, die den ETF auflegt.
Die Fondsgesellschaft BlackRock, die weltweit die meisten ETFs verwaltet, schreibt: „Auf Gesellschafterversammlungen üben wir das Stimmrecht unserer Kunden aus. Unser (…) Investmentteam arbeitet eng mit unseren BlackRock-Fondsmanagern zusammen, um sicherzustellen, dass ökologische, soziale und Fragen des Governance-Managements im Anlageprozess angemessen berücksichtigt werden.“
Vogt bezweifelt, dass dies wirklich gewissenhaft geschieht. Finanzblogger Schöbel glaubt jedoch, dass dies den meisten nicht so wichtig ist: “Der normale Anleger schaut darauf: ‘Wie kann ich mein Risiko minimieren und meine Rentabilität steigern?’ – Sonst sind Einzelaktionen doch die bessere Investition.“
Fazit: Wenn Sie drei Regeln beachten, nämlich auf niedrige Kosten achten, den ETF als langfristige Anlage von mindestens 15 Jahren betrachten und den Fonds breit diversifizieren, können Sie mit einem ETF kaum etwas falsch machen und Gutes erwarten Renditen auf lange Sicht.