Dokument 15 taucht nicht in den Schlagzeilen auf. Der bisherige Präsident des documenta Forums ist zurückgetreten. Er hatte die Demontage des umstrittenen Kunstwerks von Taring Padi kritisiert. Unterdessen entschuldigte sich das Kommissarteam von Ruangrupa zum ersten Mal öffentlich.
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Video 03:38 min | 23.06.22, 19:30 | Hessenschau
Der Streit um Dokumente geht weiter
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Der Kollektivkommissar Ruangrupa hat sich für die antisemitischen Gründe für das Stück „Popular Justice“ entschuldigt. „Wir konnten die antisemitischen Figuren in der Arbeit nicht alle identifizieren“, schrieb die Gruppe in einem Statement auf der documenta 15. „Es ist unsere Schuld verursacht.
Eine solche Aussage war seit Tagen von den indonesischen Kuratoren der World Art Show erwartet worden. Das Kollektiv verstehe weiter, es habe „jetzt voll verstanden“, dass die Bilder perfekt an die schlimmste Zeit der deutschen Geschichte anknüpfen, in der Juden in einem bisher unvorstellbaren Ausmaß verfolgt und ermordet wurden.
„Es ist ein Schock nicht nur, aber gerade auch für die jüdische Gemeinde in Kassel und ganz Deutschland, die wir als unsere Verbündeten betrachten und die bis heute unter dem Trauma der Vergangenheit leben, Diskriminierung, Vorurteile und Ausgrenzung erfahren.“ Die Beauftragten wollen den begonnenen Dialog fortsetzen und sich über die Geschichte des Antisemitismus informieren.
Mehr negative Schlagzeilen
Die World Art Show hatte zuvor eher negative Schlagzeilen gemacht. Nach einem Interview distanzierte sich das Forum von seinem bisherigen Präsidenten. Daraufhin schied Jörg Sperling mit sofortiger Wirkung aus. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa kritisierte er, dass das als antisemitisch geltende Kunstwerk von Taring Padi auf der Kasseler Kunstausstellung „auf politischen Druck“ zurückgezogen worden sei. „Das muss eine freie Welt aushalten“, sagte Sperling.
Die Forendokumente teilten mit, dass sie die Äußerungen Sperlings ausdrücklich bedauern. Sie entsprechen lediglich der „persönlichen und unbefugten Meinung von Jörg Sperling“. Das Interview war nicht mit den anderen Vorstandsmitgliedern abgestimmt; „Bilddarstellungen im Stil von ‚Stürmer‘ sind für die übrigen Vorstandsmitglieder absolut inakzeptabel.“
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Kultur: +++ Der Documenta-Chef hält den Posten +++ Der Präsident des Documenta-Forums tritt zurück +++ Die Bundesregierung will mehr Einfluss bei der Documenta +++
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“Das schärft die Positionen”
Jörg Sperling bestätigte seinen vom Forum angekündigten Rücktritt. Er bleibe bei seinen Aussagen, sagte er am Donnerstag. Persönlich erhielt er viel positives Feedback. “Unzufrieden” sei er mit seinem Abgang nicht, ebenso wenig wie die Debatte, die er entfacht habe: “Positionen schärfen”.
Das Documenta-Forum wurde 1972 von Arnold Bode als Förderverein der documenta gegründet. Er unterstützt nach eigenen Angaben die Idee der documenta und aller mit der documenta verbundenen Institutionen und Objekte.
Die Bundesregierung will wieder mehr Einfluss
Unterdessen fordert Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) Konsequenzen für die Gestaltung der Kunstausstellung. Grundsätzlich will die Bundesregierung mehr Einfluss auf das Dokument. Ein Fünf-Punkte-Plan adressiert Verarbeitung und Konsequenzen.
„Insbesondere die Zuständigkeiten zwischen Vorstand und Aufsichtsrat sowie dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats und der Ausschüsse müssen klar geregelt und Konsequenzen daraus gezogen werden“, sagt er. Es werden keine spezifischen Auszahlungsanträge gestellt.
Der Rückzug des Bundes aus dem Aufsichtsrat im Jahr 2018 unter Beibehaltung der Bundesfinanzierung wird als „schwerwiegender Fehler“ bezeichnet. Das soll sich wieder ändern. „Zukünftig sollte daher eine finanzielle Förderung durch den Bund an eine direkte Integration in Dokumentenstrukturen geknüpft werden.“
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Video 02:12 Minuten | 23.06.22, 19:30 | Hessenschau
Kunstminister Dorn (Grüne) zu Dokumenten: „Entschuldigung war ein wichtiger Schritt“
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Die jüdische Gemeinde beklagt die Auswirkungen
Die Jüdische Gemeinde in Kassel machte derweil auf die konkreten Auswirkungen der Debatte aufmerksam. Auf dem Kasseler Friedrichsplatz werden jetzt Parolen gegen Israel gerufen und Schüler anderer Religionen bleiben Veranstaltungen in einem jüdischen Zentrum fern, teilte die Gemeinde am Donnerstag zusammen mit dem Sara-Nussbaum-Zentrum für jüdisches Leben in Kassel mit.
Die Gemeinde betont, dass Antisemitismus „keineswegs ein Zustand der Juden, sondern alltägliche Realität ist. Es geht nicht um ‚negative Gefühle‘, sondern um unsere Sicherheit in Deutschland.“
Ein Werk namens „People’s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi löste eine Welle der Empörung wegen seiner antisemitischen Bildsprache aus. Die Verantwortlichen des Dokuments entschieden sich zunächst dafür, das Werk mit schwarzen Stoffbahnen zu verkleiden. Am Dienstagabend wurde es komplett abgebaut.
Meinung
Antisemitismus im Dokument: Wie konnte das passieren?
Das Dokument hat einen handfesten Antisemitismus-Skandal. Nach monatelangen Ausweichmanövern und Protesten, dass es nirgendwo Antisemitismus gibt, befinden sich Ruangrupa und die documenta im Chaos. Dies hätte vermieden werden können.
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Ausstrahlung: hr-fernsehen, Hessenschau, 23. Juni 2022, 19:30 Uhr
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Gepostet am 23.06.22 um 16:39 Uhr
Welche: hessenschau.de, dpa/lhe