ARD-DeutschlandTrend Klimaschutz darf nicht auf der Strecke bleiben

Stand: 07.07.2022 18:00 Uhr

Sollte der Klimaschutz in der aktuellen Situation in den Hintergrund treten? Nein, sagt laut ARD DeutschlandTrend eine knappe Mehrheit. Mit Blick auf den Herbst befürworten die meisten eine Rückkehr zu Tests und Masken.

Auf der Tagesordnung des Bundestages standen heute zwei zentrale Entscheidungen: zum einen das Gesetzespaket zum Ausbau erneuerbarer Energien und zum anderen Maßnahmen zur Energiesicherung bei drohender Gasknappheit. Letzteres sollte es der Bundesregierung ermöglichen, zumindest vorübergehend wieder stärker auf Kohle zu setzen. Daher geht es auch um die Bedeutung des Klimaschutzes im Moment angesichts des Krieges gegen die Ukraine.

Spannungsverhältnis zwischen Klimaschutz und Energiesicherheit

43 % der Bürger sind der Meinung, dass der Klimaschutz angesichts der aktuellen Krisen und Herausforderungen vorübergehend in den Hintergrund des politischen Handelns treten sollte. Eine knappe Mehrheit von 52 % glaubt das nicht.

Dabei gibt es laut Parteianhängern große Unterschiede: 69 Prozent der AfD-Anhänger und 56 Prozent der Unions-Anhänger sind der Meinung, dass Klimaschutz vorübergehend zweitrangig sein sollte. Die SPD-Anhänger sind gespalten: 48 % sind dafür, 50 % dagegen. Die meisten Anhänger der FDP (55 %) und der Grünen (83 %) sind dagegen, den Klimaschutz in den Hintergrund zu rücken.

Ein kritischer Blick auf die Arbeit der Bundesregierung

Ein Blick auf die Interessenkonflikte – Klimaschutz versus Energiesicherheit – zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger jetzt Handlungsbedarf sehen: 62 % sind unzufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung beim Klimaschutz und 66 % mit der Sicherung der Energieversorgung.

Auch in anderen Politikbereichen stehen die meisten Deutschen der Arbeit der Bundesregierung derzeit kritisch gegenüber. Drei von vier Deutschen (76%) sind derzeit unzufrieden mit der Entlastung der Bürger durch steigende Preise. 67 % kritisieren die Bundesregierung im Bereich der Haushalts- und Finanzpolitik und 56 % im Zuge des Ukrainekriegs. Gespalten sind die Deutschen hingegen bei den Maßnahmen zum Schutz vor der Krone: 51 Prozent sind damit unzufrieden, 47 Prozent zufrieden.

Mehrheiten für mögliche Masken- und Testpflichten im Herbst

Mit dem Infektionsschutzgesetz läuft am 23. September die gesetzliche Grundlage für Corona-Verordnungen aus. Sollte die Zahl der Kroneninfektionen im Herbst wieder stark ansteigen, werden derzeit verschiedene mögliche Maßnahmen diskutiert. Zwei Drittel (66 %) würden eine obligatorische allgemeine Prüfung befürworten, die den Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen, Einrichtungen, Freizeit- und kulturellen Aktivitäten einschränkt; 30 Prozent würden es nicht unterstützen. Eine Mehrheit (62%) befürwortet auch die Einführung einer obligatorischen Coronavirus-Impfung für besonders gefährdete Gruppen; 35 Prozent würden diesen Impfstoff nach aktuellem Stand nicht unterstützen. In der Bundespolitik spielt das nach dem Scheitern einer Impfinitiative im April aber derzeit keine Rolle.

Eine Maßnahme, die in den letzten Jahren angewandt wurde, stößt auf mehrheitliche Ablehnung: Drei Viertel (76 Prozent) lehnen die vorübergehende Schließung von Schulen ab; jeder Fünfte (21 Prozent) würde sie bei einem starken Anstieg der Infektionszahlen unterstützen.

Drei von zehn tragen „auf jeden Fall“ noch Masken

Eine weitere mögliche Maßnahme bei steigenden Infektionszahlen ist die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Innenbereich. 69 % würden diesen Plan unterstützen, 28 % würden ihn ablehnen.

Derzeit ist Mund- und Nasenschutz nur für öffentliche Verkehrsmittel und Gesundheitszentren obligatorisch. Aber etwa jeder Zweite (53 %) gibt an, es weiterhin freiwillig zu nutzen, zum Beispiel beim Einkaufen. 29 Prozent tun dies nach eigenen Angaben „auf jeden Fall“, 24 Prozent „eher ja“. Knapp die Hälfte (47 %) beantwortet diese Frage mit „eher nein“ (25 %) oder „auf keinen Fall“ (22 %). Hier gibt es vor allem bei den Altersgruppen große Unterschiede: Während bei den über 65-Jährigen drei von vier Deutschen (73 %) freiwillig eine Maske tragen, ist es bei den 18- bis 34-Jährigen fast jeder Dritte (30 %).

Mehrheit für Verlängerung des 9-Euro-Tickets und Tankrabatt

Das von der Bundesregierung beschlossene Entlastungspaket angesichts steigender Preise umfasst zwei Maßnahmen: das 9-Euro-Ticket für die Nutzung des Nah- und Regionalverkehrs auf Bundesebene und die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe (Pfandrabatt genannt). Beide Maßnahmen laufen – derzeit – Ende August aus. 63 Prozent befürworten eine Verlängerung des 9-Euro-Scheins, jeder Dritte (33 Prozent) würde ihn ablehnen. Die meisten Anhänger von SPD (70 %), Grünen (67 %), FDP (65 %) und CDU/CSU (55 %) sehen die Verlängerung des 9-Euro-Scheins positiv. AfD-Anhänger würden sie mit knapper Mehrheit (57 %) ablehnen.

Auch eine Ausweitung des sogenannten Panzerrabatts hätte die Mehrheit: 56 Prozent wären dafür, 39 Prozent dagegen. Die meisten Anhänger von FDP (68 %), Union (62 %), AfD (59 %) und SPD (57 %) würden eine Verlängerung dieser Maßnahme befürworten. Eine Verlängerung des Tankrabatts würden hingegen zwei Drittel der Grünen-Anhänger (66 Prozent) ablehnen.

Sorge über die sich verschlechternde Wirtschaftslage

Noch beurteilt eine deutliche Mehrheit der Deutschen die eigene wirtschaftliche Lage positiv: 70 % bezeichnen sie derzeit als sehr gut oder gut, 29 % als weniger gut oder schlecht. Weniger positiv fällt der Blick in die Zukunft aus: 48 % glauben, dass es ihnen in einem Jahr finanziell schlechter gehen wird als heute. 41 Prozent gehen davon aus, dass sie in einem Jahr etwa so hoch sein werden wie heute. 8 Prozent erwarten, dass sie noch besser werden.

Trotz dieser Aussichten unterstützen die meisten Deutschen angesichts des Krieges gegen die Ukraine Maßnahmen gegen Russland, auch wenn sie Deutschland erhebliche Nachteile bringen. 61% befürworten Maßnahmen gegen Russland, auch wenn dies zu Engpässen bei …

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