Ars Electronica – Goldene Nicas bis hin zu gesellschaftskritischen Projekten

20. Juni 2022

Die Gewinner des Prix Ars Electronica 2022 stehen fest © APA / THEMENBILD / BARBARA GINDL

Die diesjährigen Goldenen Nischen des Prix Ars Electronica gehen an den schwarzen Avatar „Being“, die Vernetzung zwischen Demonstranten „Bi0film.net: Resist likebacter“, den Integrator „Avatar Robot Cafe DAWN ver.β“ und die sub19-Installation „The Black Roof“ . Laurie Anderson wurde als „Visionary Pioneer of Media Art“ ausgezeichnet und der „Digital Humanity Award“ ging an „The Data Nutrition Project“.

Die Nica-Gewinner von 2.338 eingereichten Projekten aus 88 Ländern und die „Distinction Awards“ wurden am Montag im Ars Electronica Center in Linz unter anderem von Ars Electronica-Direktor Gerfried Stocker überreicht. Er sah bei den Gewinnern einen klaren Trend hin zu „verantwortungsvollem Umgang mit Technik und aktivem Eingreifen in die Zukunft“. Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) wies darauf hin, dass der Fokus der Projekte auf der gesellschaftlichen Relevanz von Technologien liege und Ausdruck dessen sei, was uns als Gesellschaft bevorstehe. Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) betonte, dass die Prix-Projekte „uns immer wieder zeigen, dass es durch Kunst greifbarer wird“.

Sieger in der Kategorie Computeranimation ist Rashaad Newsome (USA) mit „Being“, bei dem es um einen computergenerierten Avatar geht, wie der Leiter des Animationsfestivals, Jürgen Hagler, in der Präsentation erläutert. Bei Newsome geht es um schwarze und queere Kultur, ihr Avatar „Being“ ist seit 2019 als Künstlerin aktiv und setzt ein Statement gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus.

Jung Hsu (TW) und Natalia Rivera (CO) haben laut Chief Commissioner Martin Honzik mit ihrer offenen Plattform „Bi0film.net: Resist likebacter“ aus rund 900 Präsentationen die „Interactive Art +“ Goldene Nica gewonnen. Junge Studenten in Taiwan und Kolumbien wollen den Anschluss an alternative Netzwerke erleichtern und betonen, wie wichtig unsere Autonomie in Bezug auf Kommunikationstechnologien ist, insbesondere dort, wo autoritäre Regime die Internetzensur anwenden. Dazu nutzen sie den gelben Regenschirm, ein Symbol der Hongkong-Bewegung, als Satellitenschüssel, die die Teilnehmer der Demonstrationen verbindet.

In der Kategorie Digital Communities gewann er den „Avatar Robot Cafe DAWN ver.β“ des Japaners Ory Yoshifuji und Ory Lab, der auch eine „Honorable Mention“ beim Starts Award erhielt. Prix-Organisatorin Emiko Ogawa erklärte, dass die Roboter, die in der Cafeteria dienen, von Menschen mit Behinderungen gesteuert werden, die das Haus nicht verlassen können. Das Projekt sei eine künstlerische Zukunftsvision, die gegen die Isolation ankämpft, sagte Ogawa.

Die Goldene Nica in der Kategorie „U19 – Create Your World“ ging an Mary Mayrhofer (AT) für „The Black Cover“. Darin verarbeitet die 19-jährige Oberösterreicherin ihre Depression, begleitet von einem Gedicht, in einer Fotostrecke künstlerisch. Marion Friedl präsentierte die Gewinner der Kategorien U10 bis U19, darunter die interaktive Installation „/ _ Holofear“, die die Angst, etwas zu verpassen, thematisiert.

Auch die Amerikanerin Laurie Anderson erhielt eine Goldene Nica mit dem alle zwei Jahre vergebenen Titel „Visionary Pioneer of Media Art“. Der 75-jährige Musiker, Songwriter, Filmemacher, Autor und Medienkünstler war 2002 der erste „Resident Artist“ bei der NASA.

Der gemeinsam mit dem Außenministerium verliehene Digital Humanity Award geht an „The Data Nutrition Project“, eine Querschnittsinitiative, die eine schnellere und bessere Auswertung von Datensätzen für das KI-Training ermöglichen soll. Denn die aktuell trainierten Algorithmen spiegeln zwangsläufig gesellschaftliche Schieflagen und Vorurteile wider.

Weitere Informationen, alle Gewinner von Nica, ausgezeichnete Projekte und Erwähnungen in ars.electronica.art

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *