Asylverfahren Große Hürden für russische Kriegsdienstverweigerer

Stand: 01.06.2022 17:00 Uhr

Nach dem politischen Konsens sollen russische Kriegsdienstverweigerer Zugang zu europäischen Asylverfahren haben. Aber die Hürden in Deutschland sind groß, da gehen gerade zwei junge Russen durch.

Von Marion Mück-Raab, MDR

Maxi ist 20 Jahre alt. Der junge Mann stammt aus Smolensk und ist seit Anfang Februar in Deutschland. Eigentlich sollte er nach Hause gehen: Er hat gerade einen Antrag auf Aufnahme in die russische Armee erhalten. Aber er will nicht in den Krieg ziehen, er will nicht gegen die Ukrainer kämpfen: “unser Brudervolk”, sagt er. Er hat noch ein Visum für Deutschland, nach dessen Ablauf muss er Deutschland verlassen.

Auch Mark, ein 22-jähriger Student aus Kaliningrad, will an diesem Krieg nicht teilnehmen. Er war mit seiner ukrainischen Freundin in Greifswald, als der Krieg ausbrach. Das Paar ist entsetzt, Bilder seines zerstörten Hauses zu sehen. „Es bricht mir das Herz“, sagt der junge Mann. In Greifswald beteiligt er sich an der Hilfe für die Ukraine. Ihr Besuchervisum ist abgelaufen.

Für Kriegsdienstverweigerer wird ein Asylverfahren beantragt

Politisch herrscht Konsens: Die Bundesregierung soll russische Soldaten auffordern, die Waffen niederzulegen, und darauf hinweisen, dass ihnen der Weg in deutsche und europäische Asylverfahren offen steht. Das hat der Deutsche Bundestag Ende April beschlossen.

Andererseits warnt Pro Asyl und Connection eV, ein internationales Netzwerk von Kriegsdienstverweigerern, russische Soldaten davor, dass Hoffnungen geschürt werden, die sich derzeit nicht erfüllen. Nach gängiger Praxis werden laut einer Mitteilung vom Mai russische Deserteure und Kriegsdienstverweigerer im Asylverfahren abgelehnt.

Für russische Soldaten gilt Artikel 9e der Qualifikationsrichtlinie der Europäischen Union: Schutz wird denen zugesprochen, die sich völkerrechtswidrigen Handlungen oder Kriegen entziehen und deshalb Bestrafung befürchten müssen. Nur die deutschen Behörden haben sehr hohe Beweisanforderungen.

Ein asylsuchender Soldat muss auch nachweisen können, dass er berufen wurde, muss Einsatzbefehle vorlegen, aus denen hervorgeht, dass er aufgefordert wurde, völkerrechtswidrig zu handeln. Das sind Papiere, die normalerweise niemand vorlegen kann. Außerdem müssen Asylsuchende bereits einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung bei Russland gestellt haben.

Erleichterung für Deserteure

Das Bundesinnenministerium hat auf dieses Problem reagiert und die Auflagen für russische Deserteure gesenkt. In einem Bericht an den Innenausschuss des Deutschen Bundestages vom 17.05.2022 heißt es: „Wenn einem russischen Asylbewerber nachgewiesen werden kann, dass er desertiert ist, kann ihm bei Rückkehr in den russischen Asylbewerber grundsätzlich Verfolgung drohen (3. Asylgesetz). Föderation”.

Schon der Begriff „Krieg“ stellt ein aktives Statement gegen die Kriegsführung dar und könnte als Ausdruck einer oppositionellen Überzeugung gewertet werden, für die in der Russischen Föderation Verfolgung droht. Daher kann jeder, der das Kriegsgebiet verlässt, damit rechnen, als politischer Flüchtling anerkannt zu werden.

„Flüchtlinge aus dem Wehrdienst wurden nicht in die Angaben einbezogen“, so das Bundesinnenministerium. Jugendliche wie Maksim und Mark sind ausdrücklich ausgeschlossen. Klage von Pro Asyl und Connection eV: Die Weigerung, am Krieg teilzunehmen und sich ihm noch vor einem bevorstehenden Einsatz zu entziehen, muss als Ausdruck oppositioneller Überzeugung gewertet werden. Auch Männer und Frauen, die vor dem Militärdienst fliehen, müssen in Europa Schutz finden.

Einzelfallbeurteilungen

Mark befürchtet, dass er bei seiner Rückkehr als „Verräter“ festgenommen und im Gefängnis landet. Er beantragte Asyl. Maksim will sich nicht auf das Wehrdienstverweigerungsrecht berufen, das es nur in Russland gibt. Er hat von Fällen gehört, in denen Männer ohne ihre Zustimmung in den Krieg geschickt wurden.

Das bestätigt auch Rudi Friedrich von Connection: „Die Befürchtung, dass Rekruten nicht nur registriert, sondern gegen ihren Willen direkt in die Armee eingezogen werden, ist berechtigt.“ Auch Russland baut die Rekrutierung aus. “Erst vor wenigen Tagen wurde die Altersgrenze für Soldaten aufgehoben. Auch Männer über 40 bekamen Einberufungsbefehle.”

Maksims Anwalt riet jedoch davon ab, Asyl zu beantragen. Warte auf eine Absage. Maksim wartet auf die Verlängerung seines Visums.

Das Bundesinnenministerium verweist auf die Rechtslage: „Das BAMF prüft in jedem Einzelfall, ob die Voraussetzungen der Asylanerkennung, der Gewährung internationalen Schutzes und/oder der Abschiebungsverbote vorliegen“, heißt es in einer Mitteilung des MDR.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Johannes Vogel wünscht sich von der Bundesregierung mehr Engagement: „Jeder russische Soldat, der nicht mehr auf russischer Seite kämpft, ist ein Schritt nach vorne.“ Er plädiert für kollektive Verfahren, die jedoch Missbrauch im Einzelfall prüfen. Darauf sollte die Bundesregierung auf europäischer Ebene hinarbeiten.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *