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Die Tübinger Forschungsgruppe findet die Ursache
von Bianca Hermle
(25.08.2022) In einem interdisziplinären Forschungsprojekt hat Prof. DR. Lukas Flatz und Dr. Tobias Sinnberg vom Universitätsklinikum Tübingen hat gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam untersucht, warum manche Patienten während einer Covid-19-Infektion Probleme mit der Sauerstoffaufnahme haben. Dazu untersuchten die Wissenschaftler sogenannte Autoantikörper, die sich gegen Strukturen in der Lunge von an Covid-19 erkrankten Menschen richten.
Die Ergebnisse wurden im renommierten American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht. Das Coronavirus wurde Ende 2019 erstmals als Ursache einer neuartigen Lungenerkrankung gemeldet und nahm in knapp vier Monaten weltweite Ausmaße an. Bei einer schweren Viruserkrankung kann es bei den Betroffenen zu einem akuten Atemnotsyndrom kommen.
Im Rahmen einer internationalen Studie hat Prof. DR. Lukas Flatz und Dr. Tobias Sonnberg von der Abteilung für Dermato-Onkologie der Universitäts-Hautklinik Tübingen erläuterte die Ursachen dieses frühen Sauerstoffmangels. Dazu nahmen die Forschenden Blutproben sowie Lungengewebe und -flüssigkeit von schwerkranken Covid-19-Patienten aus Spitälern in der Schweiz und Deutschland genauer unter die Lupe. Es gab eine schwere Covid-19-Erkrankung, als wegen SARS-CoV-2 Sauerstoff zugeführt werden musste.
Frühere Forschungsergebnisse haben bereits gezeigt, dass die Lungen von Patienten mit Covid-19 denen ähneln, die nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, aber dennoch ein akutes Lungenversagen haben oder teilweise oder vollständig kollabiert sind. Atemwegsprobleme machten sich bemerkbar, bevor die durch das Coronavirus verursachten Organschäden die Lunge erreichten. Die Tübinger Wissenschaftler waren die erste Forschergruppe, die die Ursache des koronaren Lungenversagens identifizierte.
Die Ergebnisse auf einen Blick
Bei einer Covid-19-Infektion werden Autoantikörper gebildet, die wiederum körpereigene Antigene bilden. „Wir konnten zeigen, dass bei Patienten mit schwerem Verlauf von Covid-19 die schnelle und anhaltende Produktion von Immunglobulin A (IgA)-Antikörpern während der frühen Immunantwort auf eine Infektion erfolgt“, erklärt Dr. Sinnberg, Erstautor der Studie. Das Ergebnis ist ein Anstieg der IgA-Spiegel. IgA sind Proteine, die Teil des körpereigenen Immunsystems sind und sowohl im Blut als auch in Schleimsekreten vorkommen.
In den Schleimhäuten bilden sie einen Schutz gegen Krankheitserreger wie das Coronavirus, indem sie diese neutralisieren und am weiteren Eindringen in den Körper hindern. IgA-Antikörper binden an Proteine im Schleimhautsekret, Surfactant, das von den Lungenzellen der Alveolen (Lungenbläschen) produziert wird. Diese Proteine sind für den Sauerstoffaustausch in der Lunge notwendig. Zusammen mit dem Tensid sind sie für die Stabilität der Alveolen unerlässlich.
„Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bei einer Coronavirus-Infektion der Anstieg der IgA-Antikörper zu einem Mangel an diesem Schleimhautsekret führt“, sagt Professor Flatz. “Dadurch kollabiert die Lunge, was zu Atemnot führt.” Daher benötigen betroffene Patienten Unterstützung beim Atmen durch zusätzlich zugeführten Sauerstoff. (idw)