Atomkraft: Söder wirft der Kanzlerin “technischen Unsinn” vor.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der Industrieverband Kernenergie und CDU-Präsident Friedrich Merz wollen die Aussage von Bundeskanzler Olaf Scholz zur Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke einfach nicht hinnehmen. Für Söder ist es “reine Sturheit”, wenn SPD und Grüne in der Bundesregierung am Atomausstieg festhalten. Merz hält es für rechtlich vertretbar und technisch möglich, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. Und ein Sprecher des Atomindustrieverbandes sagte der Münchner Zeitung Merkur, Russland sei zwar ein traditioneller Lieferant, aber auch in Australien und Kanada sei Uran verfügbar.

Bei einer Pressekonferenz am Montag fügte Söder seiner Kritik hinzu, es sei “technischer Unsinn”, zu behaupten, es seien kurzfristig nicht genügend Brennstäbe vorhanden, um den Betrieb fortzusetzen. Scholz hingegen nannte die Verknappung der Brennstäbe als Kriterium für die Verlängerung der Lebensdauer.

Ein neuer 15-Punkte-Plan der CSU-Partei Söder sieht vor, die Laufzeit von Atomkraftwerken mindestens bis 2025 als Schritt gegen die aktuelle Energiekrise zu verlängern. Außerdem sollen die Steuern auf Strom, Heizöl und Kraftstoff gesenkt, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel vorübergehend ausgesetzt und die Reisekostenzuschüsse erhöht werden.

“Beeil dich”

Scholz hatte dem Münchner Merkur gesagt, die kerntechnische Entsorgung sei längst beschlossen, die Brennelemente und erforderlichen Wartungsintervalle der Anlagen exakt auf den Ausstieg abgestimmt. “Experten sagen uns, dass das nicht funktionieren wird”, sagte Scholz. Die Brennstäbe reichten bis Ende des Jahres. Die Beschaffung neuer Brennstäbe würde mindestens 12 bis 18 Monate dauern.

Dem widerspricht der Verband der Kernenergiebranche. Ein Sprecher des Vereins sagte dem Münchner Merkur, es bestehe Eile. Je länger die Wartezeit, desto schwieriger wird es, die derzeit stillgelegten Kernkraftwerke wieder hochzufahren. Zudem würden schnell neue Verträge mit geschultem Personal benötigt.

CDU-Chef Merz sagte laut DPA, es solle möglich sein, die drei Atomkraftwerke länger laufen zu lassen, um Deutschland mit genügend Strom zu versorgen. Der RWE-Betreiber hatte gesagt, dass der Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Emsland technologisch und genehmigungstechnisch ein großes Hindernis darstellen würde. Die EnBW, Betreiberin des Kernkraftwerks Neckarwestheim 2, unterstützt nach eigenen Angaben voll und ganz die Entscheidung Deutschlands, aus der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung auszusteigen. Ein Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Isar 2 sei unter bestimmten Voraussetzungen möglich, bedürfe aber einer zeitlichen Umsetzung, erklärte der Betreiber Preussenelektra.

Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) hatten von längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke abgeraten. „Ein kleiner Beitrag zur Energieversorgung würde große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken verhindern“, heißt es in einem gemeinsamen Prüfbericht der beiden Häuser. FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner hält Atomkraftwerke zumindest für längere Zeit in Erwägung. FDP-Generalsekretär Djir-Sarai hat angesichts drohender Engpässe bei der Erdgasversorgung aus Russland eine Verlängerung der Laufzeiten gefordert.

Bild 1 von 7 Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen, Bayern, ist seit März 1984 in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Block B, der 1984 ans Netz ging, war am 31. Dezember 2017 geschlossen, Block C, ebenfalls 1984 gestartet, Ende 2021 fortgeführt. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

(anw)

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