Atomkraftwerke: Scholz sieht keine Möglichkeit für längere Laufzeiten

Deutschlands Energiekrise

Scholz sieht keine Möglichkeit für eine längere Betriebsdauer des Atomkraftwerks

Stand: 09:46 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Scholz sieht keine Option für langfristige Atomkraftwerke

Angesichts der fehlenden Gaslieferungen aus Russland sehen SPD und Grüne keinen Anlass, vom Zeitplan für den Atomausstieg abzuweichen. Für eine sichere Energieversorgung seien „genügend Alternativen“ vorhanden

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Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich gegen den Ausbau der Kernenergie ausgesprochen. CDU-Chef Merz hingegen glaubt, dass Kraftwerke „in technisch und rechtlich gerechtfertigter Weise“ weiter betrieben werden können.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich gegen eine erneute Debatte über den Ausbau der Atomkraft ausgesprochen. Es gebe unter Experten eine ziemlich einhellige Meinung, dass die Brennstäbe der verbleibenden drei Kernreaktoren nur noch bis Ende des Jahres halten würden, sagte er am Dienstag in Berlin. “Niemand hat vorgeschlagen, wie das geht”, sagte er und fügte hinzu, die FDP fordere, dass Atomkraftwerke länger laufen dürfen.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt warf der Ampelregierung derweil falsche Argumente vor. Auf den Einwand, dass man russische Brennstäbe zum Betrieb brauche, sagte er, die Anschaffung neuer Brennstäbe weltweit sei offenbar kein Problem für alle anderen westlichen Länder mit Kernkraftwerken.

Zuvor hatten sich die Regierungsparteien Grüne und FDP über die Frage gestritten, ob Fristen angesichts der Gasversorgungslage über das Jahresende hinaus verlängert werden sollten. Grünen-Chefin Britta Haßelmann wies die Forderungen der FDP zurück. „Aus meiner Sicht brauchen wir jetzt keine simulierten Debatten über Atomkraft oder eine nukleare Renaissance“, sagte er. Steuerzahler zahlten Milliarden für den Atomausstieg. “So ein Manöver sollten wir uns nicht noch einmal leisten.”

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Der Vorsitzende der CDU, Friedrich Merz, hat sich stattdessen für eine Verlängerung der Laufzeiten der drei verbleibenden Atomkraftwerke in Deutschland ausgesprochen. Dies sei technisch möglich und rechtlich vertretbar, sagte Merz am Dienstag beim Tag der Industrie in Berlin. Die drei Kernkraftwerke sollten länger laufen können, um Deutschland ausreichend mit Energie zu versorgen. Kernreaktoren sollen bis Ende 2022 vom Netz gehen.

Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) hatten von längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke abgeraten. „Ein kleiner Beitrag zur Energieversorgung würde große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken verhindern“, heißt es in einem gemeinsamen Prüfbericht der beiden Häuser.

Die Beschleunigung der Gasversorgung Russlands durch die Ostseepipeline North Stream hatte die Debatte über die Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken in Deutschland wiederbelebt.

Merz will sich auf die CO2-Abtrennung konzentrieren

Auch Merz sprach sich dafür aus, deutlich mehr auf CO2-Abscheidungs- und -Speichertechnik zu setzen. Kritiker halten diesen Ansatz für riskant. Die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid kann laut Umweltbundesamt im Falle eines Lecks schädliche Auswirkungen auf Grundwasser und Boden haben.

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CSU-Chef Markus Söder hatte Scholz vorgeworfen, in der Debatte um einen befristeten Ausbau der Atomkraft falsche Argumente zu verbreiten. Es sei “technischer Unsinn”, zu behaupten, es gebe keine Brennstäbe für Atomkraftwerke, sagte Söder am Montag nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. “Sie sind überall auf der Welt zu bekommen, alle europäischen Nachbarn schon”: Es sei unerklärlich, warum Deutschland nicht erfolgreich sein sollte.

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