Auch das sommerliche WEF kann die Eiszeit nicht beenden

Dann war alles gut: Ursula von der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, im Gespräch mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter und Bundesrat Ignazio Cassis am WEF 2020.

Schlussstein / Pool / Alessandro della Valle

Das WEF sollte in den Verhandlungen zwischen der EU und der Schweiz vorankommen. Doch es kam anders.

Seit der Gründung des Rahmenabkommens durch den Bundesrat ist ein Jahr vergangen: Seither herrscht zwischen der Schweiz und der EU eine Eiszeit.

Tatsächlich sollte ein Treffen beim diesjährigen WEF die Verhandlungen voranbringen. EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic nutzte die Gelegenheit, um dem Bundesrat eine Frist zu setzen: Er forderte an der Sitzung in Davos ein klares politisches Signal, einen Fahrplan, wie es weitergehen solle.

Doch dann wurde das Forum wegen der Pandemie auf Mai verschoben. Obwohl der Schnee in Davos längst sommerlichen Temperaturen gewichen ist, hält die Kälte zwischen der EU und der Schweiz an: Ein offizielles Treffen findet nicht statt, weil EU-Kommissar Maros Sefcovic nicht nach Davos gereist ist.

Sefcovic will im Sommer in die Schweiz reisen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist dabei. Gestern Abend sei er kurz mit Bundespräsident Ignazio Cassis beim Essen zusammengetroffen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Sie sagte jedoch nicht, ob sie miteinander sprachen oder nicht.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, mit dem die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Guy Parmelin am Sonntag über die Gasversorgung diskutierten, sagte jedoch, er sei bereit, Mr. Sefcovic bei seinem nächsten Besuch in Brüssel. [zu] vorzuschlagen, die Gespräche zwischen der Schweiz und der EU wieder aufzunehmen.

Konkreter wird ein Treffen zwischen Sefcovic und Cassis, das laut EU-Kommission bereit ist, im Sommer in die Schweiz zu reisen. Allerdings steht noch kein Termin für Sefcovics Besuch in der Schweiz fest.

Die EU bevorzugt schriftliche Antworten

Bisher war es vor allem die Aufgabe von Staatssekretärin Livia Leu, der EU den neuen Bundesratsplan zu verkaufen. Dieser sieht vor, dass institutionelle Fragen auf sektoraler Ebene und nicht einheitlich in einem Rahmenvertrag geregelt werden müssen.

Leu hat seit dem Scheitern der Verhandlungen zweimal Sondierungsgespräche mit Juraj Nociar, dem Kabinettschef von Maros Sefcovic, Vizepräsident der Europäischen Kommission, geführt.

Der Bundesrat will institutionelle Fragen mit der EU sektoral klären

Der Bundesrat will neue Verhandlungen mit der EU zu institutionellen Fragen aufnehmen. Nach dem Scheitern des Rahmenabkommens will sie nun sektorale Regelungen finden.

25.02.2022

Offenbar war die EU-Kommission bei diesen Gesprächen nicht konkret genug: In einem Schreiben von Mitte Mai zeigte sie sich laut «Tages-Anzeiger» offen für die Lösung des Bundesrates. Aber es bittet um schriftliche Antworten auf zehn Fragen, die sich um wichtige Themen wie die Rolle des EU-Gerichtshofs und die Beilegung von Streitigkeiten drehen.

Positionen seien noch in weiter Ferne, bestätigte die Staatssekretärin gegenüber Echo der Zeit nach Erhalt des Schreibens, “ich finde das nicht verwunderlich”. Es zeigt einfach, dass Sondierungsgespräche fortgesetzt werden müssen.

Immer mehr Industrien verlieren privilegierten Zugang

Auf politischer Ebene verhärten sich die Fronten weiter. Branchen, die mit den Folgen eines Verhandlungsabbruchs konfrontiert sind, beispielsweise mit auslaufenden Verträgen, müssen flexibler werden. Nach der Medizinprodukteindustrie verliert auch die In-vitro-Diagnostika-Industrie Ende Mai ihren privilegierten Zugang zum EU-Binnenmarkt, weshalb die Schweiz neue Regeln einführen muss, damit gewisse Handelserleichterungen entfallen.

Der Industrie gelang jedoch ein kleiner Erfolg: Anders als Medizintechnikprodukte müssen nicht alle aus der EU importierten In-vitro-Diagnostika umetikettiert werden, sondern nur solche, die von Laien verwendet werden. Dazu gehören zum Beispiel Schwangerschaftstests, die in Apotheken verkauft werden.

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