Auch Wien kündigte neue Maßnahmen gegen die Inflation an

Um das „Energiegut 22“ zu erhalten, müssen Einkommensgrenzen eingehalten werden: Hauptwohnende in Wien sind mit einem maximalen Jahresbruttoeinkommen von 40.000 Euro für Einpersonenhaushalte bzw. 100.000 Euro Gesamtjahreseinkommen für Mehrpersonenhaushalte förderfähig. Die Auszahlung des Stipendiums erfolgt auf Antrag im vierten Quartal.

Um Inflation und steigende Energiepreise zu dämpfen, hat die Stadt bislang drei Säulen der Energieförderung eingeführt. Besonders betroffene Personen erhalten ohne Aufforderung 200 Euro direkt auf ihr Konto. Ein größerer Kreis von Anspruchsberechtigten, nämlich rund 210.000 Wiener Haushalte, kann eine Teilrückstandsdeckung beantragen. Die dritte Säule unterstützt die thermische Sanierung und Modernisierung.

130 Millionen Euro werden nun für den größten Teil des bisherigen Pakets verwendet, wie hervorgehoben. Durch die neue Förderung können Menschen mit besonderen Bedürfnissen insgesamt bis zu 1.000 Euro erhalten, also wenn sie alle Säulen nutzen.

Außerdem wurden heute weitere Maßnahmen angekündigt. Beispielsweise wird eine neue Eigenkapitalprovision geschaffen. Sie wird die internationalen Energiemärkte betreuen und dafür sorgen, dass günstigere Einkaufspreise zeitnah an die Kunden weitergegeben werden. Auch die Ratenzahlungsoption wird erweitert.

Darüber hinaus wird ein Treuhänder für Fernwärmekunden geschaffen und ein Treueprogramm für Stammkunden entwickelt. Wien Energie hat sich zudem freiwillig dazu verpflichtet, Strom, Gas und Heizung im kommenden Winter nicht abzuschalten.

Als alleinige Eigentümerin verzichtet die Stadt auch in den Jahren 2022 und 2023 auf Dividendenzahlungen der Wiener Stadtwerke an den Gemeindehaushalt. Stattdessen soll jeder erwirtschaftete Euro in Investitionen in die Energiewende und den „besten Preis für den Kunden“ fließen“, heißt es.

Bürgermeister Ludwig sprach von der „größten Einzelmaßnahme“, die in den vergangenen Jahren stattgefunden habe. „Hilfsmittel gibt es in der aktuellen Situation nicht genug“, sagte er und zeigte sich erfreut über die Maßnahmen der Bundesregierung. Stadtrat Hanke betonte, dass Direktzahlungen an Energieversorger, also Fernwärme, aus Wettbewerbsgründen nicht möglich seien. Wien Energie soll auch die geplanten Investitionen finanzieren können.

Das Projekt Wien Energie hat zuletzt für Aufsehen gesorgt. Er hat angekündigt, die Preise für Fernwärme um 92 Prozent erhöhen zu wollen. Das Unternehmen hat einen Antrag auf Anpassung des amtlichen Preisaushangs gestellt. Es wird nun vom Stadtrat bzw. der Behörde geprüft.

Die Opposition hat auf die heutige Ankündigung zurückhaltend reagiert. „Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt. Der von der Wiener Stadtregierung angekündigte Ausbau der Wiener Energieförderung ist eher ein Papierflieger als ein Jumbojet, der die Wienerinnen und Wiener entlasten soll“, sagte die Landespartei ÖVP. Vereinspräsident Karl Mahrer und Vereinspräsident Markus Wölbitsch. Während die Bundesregierung mit einem historischen Maßnahmenpaket gegen die Inflation vorgeht, entsteht in Wien der Eindruck, die Stadt sei ein “Wall-Street-Konzern mit Gewinnmaximierung”.

Die Grünen ihrerseits sagten: „Grundsätzlich ist jede Maßnahme willkommen, die Menschen mit hoher Inflation hilft. Allerdings ist ein Großteil der heute vorgestellten Maßnahmen alter Wein in neuen Schläuchen und wurde bereits mehrfach vorgestellt.“ Auch der Energiebonus ist bürokratisch in der Abwicklung. Zudem kritisierten die beiden Parteivorsitzenden Judith Pühringer und Peter Kraus in einer gemeinsamen Aussendung, dass die Größe des Heims nicht berücksichtigt werde. Familien mit Kindern werden dadurch benachteiligt.

„Nachdem Bürgermeister Ludwig in bester sozialistischer Manier den letzten Groschen aus den Taschen der Wiener gezogen hat, präsentiert er sich nun als Mäzen und spendet großzügig Almosen, die die Wiener am Ende wieder zahlen müssen“, sagte er. Der Chef der Wiener FPÖ, Dominik Nepp, hat kein gutes Haar im Paket. Er sei überzeugt, dass die Wiener nur durch die “dauerhaften Erhöhungen von Steuern, Abgaben und Pachtzinsen” in diese prekäre Lage gebracht worden seien.

Die Abgeordnetenkammer sprach von einem „wesentlichen Schritt zur Abfederung des bevorstehenden Preisanstiegs bei Fernwärme“. Laut einer Sendung werden vor allem einkommensschwache Haushalte überproportional mit Fernwärme beheizt. Daher forderte die AK vergangene Woche ein umfassendes Hilfspaket für betroffene Verbraucher, von dem nun Teile umgesetzt werden. „Aber wir werden uns die Umsetzung genau anschauen und Problemfälle identifizieren“, sagte AK-Präsidentin Renate Anderl.

Und damit nicht genug: Die Arbeiterkammer wird den Antrag von Wien Energie auf Erhöhung der Fernwärmepreise eingehend analysieren. Die AK Wien darf nach eigenen Angaben im Rahmen des Preisgesetzes eine Stellungnahme abgeben, hat aber nach dem Preisgesetz nur ein Anhörungsrecht im Preisausschuss. „Wir werden sehr genau prüfen, wie die Erhöhung der Fernwärmepreise berechnet und begründet wird“, versprach Anderl.

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