Aus Erziehermangel: Schweizer Kindergärten fliehen

Denn jetzt kannst du ohne Diplom unterrichten

Die Kindergärten verlieren massenhaft Betreuer an die Schulen

Der Lehrermangel an den Schulen stellt auch die Kindergärten vor große Probleme. Da es ab dem Sommer möglich sein wird, ohne Diplom zu unterrichten, werden viele Pflegekräfte den Job wechseln.

Veröffentlichung: 19:39 Uhr

|

Aktualisiert: vor 34 Minuten

Das Schweizer Bildungssystem leidet unter starkem Lehrermangel. Überall herrscht Fachkräftemangel. Auch im Kanton Zürich. Daher können dort ab dem kommenden Jahr auch Menschen ohne Lehramtsstudium unterrichten. Das hat Folgen: Beschäftigte anderer Gesundheitsberufe drängen nun in den Lehrbereich und hinterlassen große Lücken.

Auch Bettina Jecklin, Kitabetreiberin in der Stadt Zürich, tut es leid. Jecklin bietet insgesamt 43 Krippenplätze pro Tag, 30 Personen betreuen Kinder. „Sechs dieser dreißig Leute wechseln jetzt den Job. Sie verlassen die Kita und arbeiten ab Sommer in Kindergärten», sagt Jecklin gegenüber Blick. Er verliert auf einen Schlag ein Fünftel seines Stabes.

“Das Problem hat sich gerade umgedreht”

Manche Mitarbeiter liebäugelten schon lange mit der Veränderung: Die zwei Jahre Pandemie haben laut Jecklin auch viel Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt. Aufgrund des akuten Mangels und der kantonalen Bekanntmachung haben sich nun auch andere Pflegepersonen für einen Wechsel entschieden. „Dafür ist natürlich auch das Gehalt ein Grund. Als Erzieherin bekommt man ein Gehalt, das wir uns in der Kita-Branche einfach nicht leisten können“, sagt Jecklin.

Die Kitabranche leidet seit Jahren und muss mit wenig Geld über die Runden kommen. „Leider ist es uns nicht möglich, wechselwilligen Menschen ein Gegenangebot zu unterbreiten. Wenn wir die Löhne erhöhen, müssten wir das an die Eltern weitergeben. Das können und wollen wir nicht“, sagt der Geschäftsführer.

Mehr Informationen zum Schweizer Lehrermangel

Jecklin sagt, er verstehe, dass der Kanton Personal suche. „Der Fachkräftemangel in der Bildungsbranche ist eigentlich ein großes Problem. Wir alle wollen, dass Kinder in Kindergärten und Schulen gut betreut werden.“ Dafür brauche man genug Leute.

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in Kindertagesstätten bleibt jedoch hoch. „Wenn wir jetzt Personal in Schulen und Kindergärten verlieren, ist das Problem einfach gelöst. Jetzt stehen wir vor der gigantischen Herausforderung, neue Leute zu finden. Und das ist im Moment schwerer denn je. Ich verstehe, dass Schulen und Kindergärten Menschen brauchen. Aber sie aus der Kita abzuwerben, sollte keine Option sein.”

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *