Ausschuss U: Brunner will das Finanzministerium neu aufstellen

Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) hat heute Änderungen in der Struktur des Finanzministeriums gegenüber dem Korruptionsermittlungsausschuss der ÖVP bekannt gegeben. Grundlage ist der interne Revisionsbericht, der mit dem Beinschab-Tool interne Prozesse analysiert und zahlreiche Sachverhalte identifiziert, sowie ein externes Gutachten.

Unter anderem wird eine neue Präsidialsektion eingerichtet und die Bündelung zahlreicher Aufgaben im Generalsekretariat aufgegeben. Wenn es Defizite und Fehlverhalten im Ministerium gebe, müsse man daraus lernen, sagte Brunner in seinem Statement vor der Wahl.

ORF.at/Peter Pfeiffer

Die Ergebnisse der internen Revision würden nicht zu einer modernen Verwaltung und ihrem Verständnis für den richtigen Umgang mit Steuergeld passen, zitierte Brunner “absurde Fragen” aus Studien, etwa zu Tieren. Die Finanzverwaltung funktioniere sehr gut, sie sei besser als der Ruf, der durch individuelles Fehlverhalten entstanden sei, schloss er.

Brunner scheint unbeteiligt

In der ersten Vernehmung von Prozessrichter Wolfgang Pöschl sagte Brunner, er wisse nicht, wie die Anzeigen zur Zeitung Vorarlberger Wirtschaftsbund gekommen seien. Auch vom Illwerke-Steuerfall hat er außer den Medienberichten sowie der Prämie für den Aufsichtsrat von Abbag keine Ahnung.

Auf Nachfrage des Fraktionsvorsitzenden der FPÖ, Christian Hafenecker, erklärte Brunner, er sei an dem „Projekt Ballhausplatz“ nicht beteiligt, er wisse nur aus den Medien davon. Auch an Spenden an Altkanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beteiligte er sich nicht.

schreien und schimpfen

Bei der Wahl von Grünen-Chefin Nina Tomaselli fand die erste Führungsdebatte abseits der Mikrofone (im Stehen) statt, vorausgegangen war ein starkes verbales Duell, unter anderem zwischen SPÖ-Chef Kai Jan Krainer, und dem Ausschussvorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP).

Sobotka erklärte Krainer, dass er sich benehmen solle und zuvor beschwerten sich die Abgeordneten, außer denen von der ÖVP, dass Sobotka den Vorsitz und die Zulassung von Fragen zu seinen Gunsten und dem seiner Partei auslege.

Als Tomaselli ihn weiter befragte, erinnerte sich Brunner nicht daran, dass die Generalversammlung des Wirtschaftsverbandes – er ist Mitglied in Vorarlberg – Werbung sei. Er habe auch nicht bemerkt, dass die Zahl der Anzeigen unter dem Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes, Jürgen Kessler, deutlich zugenommen habe.

Auf die Frage, ob er die Wahrnehmung habe, dass es im Gegenzug auch werbefreie Zahlungen gebe, landete er an diesem Tag auf dem zweiten Platz. Gestern war 15. Nachdem er die Frage zugegeben hatte, erklärte Brunner, dass er davon keine Ahnung habe.

Finanzbeamte und Unternehmer Rauch werden befragt

Nach Brunner wird ein weiterer Finanzamtsprüfer und Vorarlberger Finanz- und Unternehmerreferent Jürgen Rauch dem Gremium beitreten. Rauch gilt als gut mit der ÖVP verbunden und hat die Partei in der Vergangenheit unter Altkanzler Sebastian Kurz gegeben.

Brunner wird neben der Vorarlberger Werbeaffäre auch verschiedene Anliegen des Finanzministeriums ansprechen, wie etwa die Ereignisse rund um die Sabine-Beinschab-Umfrage. Das Schatzamt spielt dabei eine wichtige Rolle.

Unter großem Medieninteresse wurde gestern der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) im Ausschuss befragt. Wie angekündigt kritisierte die ÖVP zahlreiche Fragen. Wallner versprach erneut Aufklärung und war sich keiner Schuld bewusst.

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Die ÖVP will erneut Fragen stellen

Mit Blick auf die heutige Abstimmung bekräftigte ÖVP-Fraktionschef Andreas Hanger, seine Partei wolle “sehr konsequent” darauf achten, dass die Fragen nur das Thema Forschung adressieren.

Hafenecker erhofft sich von Brunner auch Hintergrundinformationen zu seiner bisherigen Tätigkeit als ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes. Darüber hinaus stand Brunner als Staatssekretär häufig im Mittelpunkt von Artikeln in Publikationen des Wirtschaftsverbandes.

Zufriedene Grüne mit mutigen Funktionären

Nach der gestrigen Umfrage hoffte Tomaselli, dass es mutige Beamte in den Ministerien geben würde – die Umfrage ergab, dass das Finanzministerium wegen der Veröffentlichung einer Steuerakte einen Teamleiter in der Prüfung großer Unternehmen stark unter Druck gesetzt hatte von ÖVP-Hauptspender Stefan Pierer.

Der heutige Finanzbeamte wird voraussichtlich weitere Informationen über die Aktivitäten des Wirtschaftsverbandes geben. Rauch wollte ihn fragen, warum ein internationales Unternehmen in einer “Landeszeitung” wie der Zeitung des Wirtschaftsverbandes für rund 150.000 Euro annonciert werde, so die Berechnung der Grünen. Krainer will für Brunner vor allem wissen, ob er seit seinem Amtsantritt “aufgeräumt” habe und wie er das vorhabe.

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