Autoimmunerkrankung Vitiligo: Weiße Flecken sind mehr als ein ästhetisches Problem

Der 25. Juni ist der Todestag von Michael Jackson und der Welt-Vitiligo-Tag, da der Sänger an einer Autoimmunerkrankung litt. Lange galt die Krankheit mit den typischen weißen Flecken als rein ästhetisches Problem. Die psychische Belastung der Betroffenen ist jedoch oft groß und neue Therapieansätze machen Hoffnung.

Plötzlich erscheinen helle Flecken auf der Haut, oft zunächst im Gesicht, an Händen oder Füßen, aber auch andere Körperstellen können betroffen sein: Deutlich abgegrenzte weiße Flecken sind das Kennzeichen von Vitiligo. Diese chronische und häufig wiederkehrende Autoimmunerkrankung ist nicht ansteckend, wird als harmlos beschrieben und stellt dennoch für viele Patienten eine große Belastung dar, wie ein Blick in einschlägige Online-Foren zeigt.

“Ich will meine Hände nicht mehr zeigen.” “Lustige Blicke und dumme Fragen nerven mich sehr.” “Ich fühle mich wie ein Monster.” Tatsächlich zeigen zahlreiche Studien, welche psychischen Folgen mit Vitiligo verbunden sein können. So berichtete eine 2021 im American Journal of Clinical Dermatology veröffentlichte Meta-Analyse, dass mehr als 50 % der Patienten in den ausgewerteten Studien unter Depressionen, Angstzuständen, sozialen Phobien, Stigmatisierungsgefühlen, Anpassungs- und Schlafstörungen sowie Vermeidung litten. und Restriktionsverhalten.

„Das Ausmaß und die Schwere dieser Komorbiditäten und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Lebensqualität von Vitiligo-Patienten gehen über das hinaus, was früher als ästhetische Krankheit angesehen wurde“, schlussfolgert die Analyse. Darüber hinaus werden auch andere Autoimmunerkrankungen mit Vitiligo in Verbindung gebracht, darunter solche der Schilddrüse und der Magenschleimhaut sowie kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata).

Verringerte Melanozyten

Es wird geschätzt, dass Vitiligo zwischen 0,5 und 2 % der Weltbevölkerung betrifft. Nicht jeder leidet gleichermaßen unter Hautveränderungen, sowohl was das Ausmaß der Pickel als auch deren psychische Folgen betrifft. Vitiligo-Modelle sind seit langem häufiger in den Medien und in der Werbung zu sehen, womit der Stigmatisierung der Betroffenen entgegengewirkt werden soll.

Die Ursachen der Vitiligo sind noch nicht ausreichend geklärt. Vermutet werden unter anderem eine erhöhte Produktion von Wasserstoffperoxid auf der Haut, neurologische Faktoren oder eine Fehlregulation des Immunsystems. Auch scheint zumindest die Neigung zu der Krankheit genetisch bedingt zu sein. Mehrere Studien berichten, dass in etwa einem Drittel der Fälle eine familiäre Häufung zu beobachten ist; Laut einer US-Studie liegt das Risiko, dass Geschwister eines Patienten an der Krankheit erkranken, bei sechs Prozent und bei eineiigen Zwillingen bei 23 Prozent.

Was bei Vitiligo passiert, ist jedoch sehr gut verstanden: Zytotoxische T-Zellen (CD8+ T-Zellen), die als Teil des Immunsystems eigentlich dazu da sind, kranke Zellen zu zerstören, wenden sich plötzlich gegen Melanozyten, also die Zellen, die Pigmente bilden in der Haut. Der Verlust dieser Melanozyten spiegelt sich in sonnenempfindlichen weißen Flecken wider. Außerdem lassen sich in der aktiven Haut von Vitiligo mehrere entzündungsfördernde Botenstoffe nachweisen, die zytotoxische T-Zellen mobilisieren und auch Keratinozyten aktivieren. Als Teil der Epidermis dienen diese Zellen normalerweise dem Schutz der Haut, produzieren aber bei Vitiligo Faktoren, die die Entzündung weiter verstärken.

Verschiedene Formen

Mehrere Auslöser scheinen das Auftreten von Vitiligo zu fördern. Patienten berichten, dass sie die ersten Pickel nach einem schweren Infekt oder großer Belastung, während der Schwangerschaft oder nach Hautläsionen bemerkt haben. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung zwischen dem zehnten und 30. Lebensjahr auf, wobei der individuelle Verlauf insbesondere je nach Art der Vitiligo sehr unterschiedlich sein kann.

„Wir sehen häufiger den nicht-segmentalen Typ“, sagt Michael Hertl, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Marburg. Dies betrifft normalerweise beide Seiten des Körpers gleichzeitig, oft beginnend im Gesicht und erscheinen als weiße Flecken um die Augen und den Mund. „Aber die Flecken können auch auf den Handrücken, Unterarmen, Füßen, um die Achseln herum, im Intimbereich und um das Gesäß herum auftreten, alles natürlich sehr stigmatisierend“, listet der Arzt auf, der auch er ist sein Präsident. der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Es gibt auch die segmentale Vitiligo, die oft früher auftritt und auf eine Körperseite beschränkt sein kann. Dieser Typ ist jedoch selten. Und schließlich würden auch Mischformen und nicht klassifizierbare Formen beobachtet. Sie gilt für alle Wege, auf denen die Krankheit nicht geheilt werden kann. „Je früher man aber mit der Behandlung beginnt, desto eher reaktiviert man die noch vorhandenen Pigmentzellen“, betont Hertl. Der Arzt verweist in diesem Zusammenhang auf den im vergangenen Jahr erstmals erschienenen Ratgeber S1 „Diagnose und Therapie der Vitiligo“, in dem die DDG zusammen mit anderen Fachgesellschaften die wichtigsten Behandlungsempfehlungen zusammenträgt.

Die Behandlung umfasst laut dem Präsidenten der DDG zwei Ansätze: Entzündungshemmung und Repigmentierung der Haut. Traditionell werden starke, cremeförmige Glucocorticoide verwendet, um Entzündungen zu reduzieren; interne Verwaltung ist weniger häufig. „Aber weil Kortison die Haut dünner macht, ist es keine Dauerbehandlung. Seien Sie vorsichtiger mit stärkeren Kortikosteroiden, besonders im Gesicht“, gibt Hertl zu bedenken. Daher werden Glukokortikoide manchmal durch topische Immunmodulatoren, die sogenannten Calcineurin-Inhibitoren, ersetzt: „Diese sind nicht so stark, aber sie können langfristig eingesetzt werden.“

Andererseits wird zur Repigmentierung der Haut eine UV-Therapie oder manchmal eine Lasertherapie verschrieben. „Damit induziert es den Rest der pigmentbildenden Zellen, die als kleine Inseln auf den weißen Flecken oder an deren Rändern zu finden sind“, beschreibt der Dermatologe. Bei sehr fortgeschrittener Vitiligo könnten auch Pigmentzellen mit gesunder Haut transplantiert werden, was aber technisch relativ aufwändig ist. Melanozyten könnten auch entfernt und verwendet werden, um Zellkulturen für die Transplantation zu züchten. „Allerdings ist das auch ein sehr komplexer Ansatz, der einerseits nicht immer funktioniert und andererseits nur für einige kleinere Flächen geeignet ist“, sagt Hertl.

Bisher wurde noch kein Wunderheilmittel erfunden

Michael Jackson litt auch an Vitiligo, was durch seine Autopsie bestätigt wurde.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Bei sehr ausgedehnter Vitiligo besteht schließlich die Möglichkeit, die noch pigmentierte Haut zu depigmentieren, um sie an weiße Stellen anzupassen. Wahrscheinlich wurde diese Behandlung auch von Popstar Michael Jackson angewendet: Er gilt als einer der berühmtesten Patienten, deshalb wird jedes Jahr am 25. Juni, dem Todestag des 2009 verstorbenen Sängers, der Welt-Vitiligo-Tag gefeiert.

Alle von Hautarzt Hertl beschriebenen Ansätze finden sich als Behandlungsoptionen in dem oben genannten DDG-Ratgeber wieder, der auch auf neue Therapieansätze hoffen lässt. Seit langem wird untersucht, ob sogenannte Januskinase-Hemmer, die bereits erfolgreich bei rheumatoider Arthritis, Psoriasis und mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis eingesetzt werden, auch Vitiligo lindern könnten. Diese JAK-Inhibitoren sind kleine Moleküle („kleine Moleküle“), die die an der Entstehung von Entzündungsprozessen beteiligten Signalwege hemmen. Konkret besetzen sie Rezeptoren auf der Zelloberfläche und sorgen so dafür, dass verschiedene entzündungsfördernde Botenstoffe nicht in den Zellkern eindringen können.

Kleine Moleküle lassen sich laut Michael Hertl gut in Form von Cremes oder Tabletten unterbringen und laut verschiedenen Forschungsarbeiten würde insbesondere eine Behandlung mit Creme gute Ergebnisse bringen. In einer Phase-II-Studie, die an mehreren Kliniken in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde, verbesserte die JAK 1/2-Hemmcreme tatsächlich die Gesichtshauterkrankung bei etwa 50 Prozent der Patienten gegenüber 3 Prozent, die ein Placebo erhielten.

„Daten wie diese zeigen, dass Cremes mit einer hohen Konzentration an JAK-Hemmern schnell und stark die an Entzündungen beteiligten Signalwege blockieren können“, erklärt Hertl. Nebenwirkungen sind bei Verabreichung in Form einer Creme beherrschbar: Die Haut kann etwas empfindlicher werden, anfänglich jucken oder brennen und in seltenen Fällen Akne entwickeln, während die innere Gabe von JAK-Hemmern durchaus mit einem erhöhten Risiko verbunden sein kann Infektion, zum Beispiel der Bronchien oder der Harnwege.

Allerdings seien JAK-Hemmer kein Wundermittel, sagt Hertl, der auf die Zulassung für nächstes Jahr wartet: „Auch kleine Moleküle können nichts anderes als Entzündungen hemmen, nur dass sie im Gegensatz zu Kortikosteroiden weniger hautverdünnend wirken.“ Zudem ist wie bei allen anderen Therapieansätzen Geduld gefragt, da Behandlungen mehrere Monate dauern. Und schließlich empfiehlt der Präsident der DDG Betroffenen, bei weißen Flecken schnellstmöglich eine dermatologische Beratung aufzusuchen: „Je länger man mit der Behandlung von Vitiligo wartet, desto schwieriger wird es.“

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