„Sie haben mich nicht nur angelächelt, sie haben mich ausgelacht. Und natürlich halten mich die meisten für verrückt“, sagte Lotte Ingrisch vor einigen Jahren gegenüber Radio Wien.
Sie habe schon immer eine Begabung für das Übernatürliche gehabt, sagte Ingrisch damals: „Schon als Kind hat sie mit Steinen und Sternen gesprochen.“ Als sie Gottfried von Einem heiratete und ins Waldviertel zog, verfiel sie immer wieder in Katalepsie und begann mit Astralprojektionen: einem Zustand körperlicher Erstarrung, in dem der Geist den Körper verlässt. Immer wieder sprach er mit Geistern und toten Dichtern, die ihm sogar beim Schreiben seiner Bücher halfen.
Ich habe eine Briefbombe an der falschen Adresse erhalten
Ingrisch wurde 1930 als Charlotte Gruber in Wien geboren. Von 1949 bis 1965 war sie mit dem Philosophen Hugo Ingrisch verheiratet und veröffentlichte in dieser Zeit drei Light Novels unter dem Pseudonym Tessa Tüvari. Größeren Publikumserfolg erzielte er mit seinen eingängigen Stücken, meist Einaktern, darunter „Ladies Conegudes“ und „Vanillekipferln“, aufgeführt am Akademietheater. Mitte der 1960er Jahre lernte sie den Komponisten Gottfried von Einem kennen, den sie 1966 heiratete.
Im Mai 1980 kam ein gemeinsames Werk des Künstlerpaares zur Aufführung: Die Mysterienoper „Die Hochzeit Jesu“ sorgte bei ihrer Uraufführung im Theater an der Wien wegen „von Ihnen gelästerter Textpassagen“ für einen Skandal. Das „Blasphembüchlein“ war laut Franz Fuchs auch der Grund, warum der Mörder 1996 eine Briefbombe an den Autor schickte, allerdings aus Versehen an eine alte Adresse.
Fotoserie mit 4 Bildern
APA/ Roland Schlager 1998 wurde die Oper „Das Lächeln Luzifers“ an der Kammeroper uraufgeführt, Text von Ingrisch APA/Herbert Neubauer Lotte Ingrisch, 2018 APA/Roland Schlager Lotte Ingrisch und Franz Morak im Rahmen des Philharmonischen Balls, 2013 APA / Techt H. 1996 sollte Ingrisch einen Bombenbrief erhalten. Dieser ging jedoch an eine alte Adresse
Bücher „vom Jenseits diktiert“
Die Idee der Einheit von Leben und Tod, die schon in „Die Hochzeit Jesu“ vertreten war, manifestierte sich später in Ingrischs esoterischen und sehr persönlichen Texten der 1980er Jahre, dem Bestseller „Leitfaden zur Reise ins Jenseits“ (1980), das „Nachtbuch“ (1986) und vor allem das „Donnertagebuch“ (1988), das ihm, wie er erklärte, „von jenseits diktiert“ wurde von dem 1994 verstorbenen Wiener Stadtrat Jörg Mauthe 1986. Der Schöffensohn klagt, weil Mauthes Name auf dem Buchdeckel genannt wird.
1990 wurde die Kinderoper „Tulifant“ von von Einem und Ingrisch im Wiener Ronacher uraufgeführt, 1998 brachte die Wiener Kammeroper ihr letztes gemeinsames Bühnenwerk „Das Lächeln des Luzifer“ zur Uraufführung. Ingrisch, der auch Gedichte, Theater, Fernsehen und Radio geschrieben hat, postulierte in “Der Himmel ist fröhlich”, dass man seinen Humor nicht verlieren müsse, um zu sterben. Mit dem wissenschaftlichen Anspruch seiner 2004 veröffentlichten „Physik des Jenseits“ lag er jedoch zumindest bei einigen etablierten Wissenschaftlern falsch.
Autorin Lotte Ingrisch ist verstorben
Die Schriftstellerin Lotte Ingrisch ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Witwe Gottfried von Einem starb am Sonntagabend im Klinikum Donaustadt wenige Tage nach einem Sturz. Ingrisch schrieb unter anderem Theaterstücke und Romane und war bekannt für ihren Hang zum Übernatürlichen.
Er gründete die „Schule der Unsterblichkeit“
1993 gründete der Grenzgänger eine „Schule der Unsterblichkeit“, um den Menschen die Todesangst zu nehmen: „Sterben für Anfänger“, „Sterben für Fortgeschrittene“ und „Geistertag“ stehen auf dem Programm des Kurses Ingrisch sprach nach eigenen Angaben nicht nur mit Hexen, Hausgeistern, Feen und Engeln, sondern auch mit ihrem 1996 verstorbenen Mann.
1997 veröffentlichte er seine Dialoge mit von Einem unter dem Titel Rat und Bärenfräulein – Gottfried von Einems Reise ins Jenseits. Zu seinem 85. Geburtstag erschien das Buch „When I Realized I Died“ und in diesem Frühjahr das Buch „Die Quantengöttin. Waves and Particles: A Secret“, der Nachfolger des 2017 erschienenen „The Quantum God. Dialogue on a Physics from Beyond“. “.
Ingrisch widmete auch die Gottfried von Einem-Stiftung dem Andenken an ihren Ehemann und der Pflege seines Werkes. Er schenkte der Gemeinde Maissau das Haus Oberdürrnbach, in dem von Einem den Rest seines Lebens verbracht hatte. Seit 1999 ist die Gedenkstätte auch Schauplatz der alljährlichen Feier „Gottfried von Eine Tag“. 2002 erhielt der Schriftsteller das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, vier Jahre später das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich.
Van der Bellen: „Unverwechselbarer Künstler“
Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich besorgt. „Mit Lotte Ingrisch verliert Österreich eine vielseitige Autorin und eine einprägsame Persönlichkeit“, sagte er. Sein Name ist untrennbar mit Gottfried von Einem verbunden, sein Engagement für sein künstlerisches Erbe ist Teil seiner erfolgreichen Arbeit. Sie werde als “einzigartige und unverwechselbare Künstlerin und als sensible und humorvolle Person” in Erinnerung bleiben, sagte Van der Bellen.
Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) lobte Ingrisch als „vielfältige Autorin“. Das Besondere an der Wiener Schriftstellerin war, dass sie den Tod als einen natürlichen Teil des Lebens ansah.
Laut Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hat Ingrisch das kulturelle Leben bereichert: „Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Komponisten Gottfried von Einem, schuf sie Bühnenwerke, die Menschen bewegten, wie etwa die Mysterienoper „Die Hochzeit Jesu“. Libretto Ingrisch geschaffen. Wir werden aber auch Lotte Ingrischs Fähigkeit vermissen, die humorvollen Aspekte von Leben und Tod in Worte zu fassen und fantasievoll mit dem Jenseits zu kommunizieren.”