Gepostet am 9. Juni 2022, 11:53 Uhr
Covid ist für die breite Bevölkerung kein Problem mehr. Die jüngsten Fortschritte bei den Fallzahlen und den Subtypen BA.4 und BA.5 könnten dies jedoch bald ändern.
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Aktuell verbreiten sich zwei neue Kronenmutanten immer weiter: Sie entgehen dem Immunschutz besonders effektiv.
20min / Celia Nogler
Die Zahl der Krankenhauseinweisungen, die Testpositivitätsrate und die Fallzahlen steigen deutlich.
20 Minuten
Ob die Voraussetzungen für eine größere Kronensommerwelle erfüllt sind, ist unklar.
Raphael Moser / Tamedia AG
Das Thema Corona-Pandemie scheint aus der Öffentlichkeit verschwunden zu sein: Nur wenige Menschen tragen Schutzmasken und das mediale Interesse ist dadurch zurückgegangen. Allerdings könnte sich derzeit eine Trendwende abzeichnen.
Die Zahlen zeigen nach oben
Das BAG veröffentlichte am Dienstag die aktuellen Kronenzahlen: 10.289 Fälle wurden in einer Woche gemeldet. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Vorwoche, als es noch 6.941 Fälle gab. Ein noch deutlicherer Trend ist bei der Positivitätsrate des Tests in der Schweiz zu erkennen. Aktuell sind das 23 Prozent, fünf Prozent sollten es schon sein, damit der Infektionsverlauf als kontrolliert gilt, wie Tamedia-Zeitungen schreiben. Die Zahlen deuten darauf hin, dass eine große Anzahl von Menschen krank ist und nicht getestet werden kann und wahrscheinlich auch für viele zusätzliche Infektionen verantwortlich ist.
Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen steigt leicht an, bei den Einweisungen wird am häufigsten die Covid-Erkrankung als Ursache genannt. Im Abwasser der Kläranlage Werdhölzli ist in letzter Zeit ein starker Anstieg der Konzentration von Crown-Gensequenzen zu verzeichnen.
Neue Subtypen breiten sich schnell aus
Verantwortlich für den Zuwachs sind die Omicron-Varianten BA.4 und BA.5. Diese Varianten können laut EU-Gesundheitsbehörde den Immunschutz besonders effektiv verhindern, auch wenn eine Impfung oder Genesung vorliegt. BA.5 breitet sich etwa 13 Prozent schneller aus als der bereits als hoch ansteckend geltende Subtyp BA.2. Daher könnten BA.4 und BA.5 bald die dominierenden Varianten werden. Laut Virologin Isabelle Eckerle sind die beiden Subtypen bereits in Genf dominant.
Die frühere Leiterin des Bundeskroneneinsatzkommandos, Tanja Stadler, verweist auf den R-Wert, der derzeit bei 1,2 bis 1,4 liege; dies entspricht einer Verdopplungszeit von etwa zwei Wochen. Personen, die vor einiger Zeit geimpft wurden, werden sich wahrscheinlich relativ leicht mit BA.4 oder BA.5 infizieren. Frühere BA.1-Infektionen bieten wenig Schutz gegen diese neueren Varianten.
Wie ernst sind BA.4 und BA.5?
Wie schwer der Krankheitsverlauf bei BA.4/BA.5 ist, ist noch nicht klar. Daten aus Südafrika zufolge liegt die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle jedoch deutlich unter den Werten der Omicron-Welle, die im Winter aktiv war und weniger heftig war als die vorherige Welle. Allerdings gibt es auch in Südafrika viele Menschen, die dem Corona-Virus mehrfach ausgesetzt waren. Die Zahlen in Portugal sind auch weniger optimistisch als in Südafrika: Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit aufgrund von Covid sind hier oben.
Ob die Zutaten für eine Covid-Sommerwelle in der Schweiz durch die beiden wachsenden Subtypen und die fehlenden Einschränkungen gegeben sind, ist unklar. Dass sich relativ viele Menschen mit BA.2 infiziert haben und BA.4/BA.5 recht ähnlich sind, könnte eine Sommerwelle abschwächen. Mit zunehmenden Infektionen nimmt jedoch auch die Zahl der Menschen mit Symptomen und bleibenden Schäden zu. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass jede Variante von Corona zu Long Covid führen kann, wahrscheinlich auch BA.4 und BA.5.