Aktualisiert am 25.07.2022 um 11:45 Uhr
- Am Freitagabend wurde bekannt, dass Porsche-Chef Oliver Blume ab September auch neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG wird.
- Doch schon vor seinem Amtsantritt muss einer der mächtigsten Wirtschaftsbosse Deutschlands zurücktreten und Lobbying-Vorwürfe entkräften.
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„Teamgeist, Fairness und Leidenschaft“ sind die Erfolgsfaktoren von Oliver Blume, einem der mächtigsten zukünftigen Wirtschaftsführer Deutschlands. Blume, so wurde am vergangenen Freitagabend bekannt, wird ab September den Vorstandsvorsitz der Volkswagen AG und der Porsche AG übernehmen und damit die Nachfolge von Herbert Diess antreten.
Der 54-jährige Niedersachse leitet seit 2015 erfolgreich den Vorstand der Sportwagen-Tochter. Er freue sich sehr, „die beiden Autobauer gemeinsam zu leiten“, sagte Blume laut Konzernmitteilung Im Fokus stehen „Kunden, Marken und Produkte“.
Bei Ampelverhandlungen: „Lindner hält mich seit Tagen fast stündlich auf dem Laufenden“
Im Herbst vergangenen Jahres konzentrierte sich Blume offenbar vor allem auf enge Kontakte zur Politik. Wie das ZDF-Satiremagazin „Die Anstalt“ am vergangenen Dienstag berichtete, brüstete sich Blume bei einer internen Veranstaltung mit seiner vertraulichen Verbindung zu FDP-Chef Christian Lindner, der nach der Bundestagswahl im September 2021 mit SPD und Grünen den Ampel-Koalitionsvertrag ausgehandelt hatte.
In einer Betriebsversammlung am 29. Juni 2022 sagte Blume den Mitarbeitern, Porsche spiele eine „sehr wichtige Rolle“ bei der „in den Koalitionsvertrag aufgenommenen“ Nachnutzung synthetisch hergestellter Elektrokraftstoffe für Verbrennungsmotoren.
„Wir waren dort die Hauptakteure, mit sehr engem Kontakt zu den Koalitionsparteien. Christian Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten“, sagte er.
Oliver Blume.
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Direkter Einfluss auf Koalitionsverhandlungen? Blume entschuldigt sich für „falschen Eindruck“
Der Porsche-Chef hat sich also als E-Fuel-Influencer an den Verhandlungstisch gesetzt? Diesen Eindruck will Blume so schnell wie möglich loswerden und entschuldigte sich für die Aussage in der „Bild am Sonntag“. In einer internen Tat im Zusammenhang mit Kontakten zum Thema synthetische Kraftstoffe habe er die “falschen Worte” gewählt, sagte Blume. “Es hat den falschen Eindruck gemacht. Es tut mir leid.”
Auch Vorwürfe einer angeblich sehr engen Kassenabstimmung wies die FDP zurück. Lindners Position zu sogenannten E-Fuels sei “seit Jahren bekannt” und stamme aus der Oppositionszeit der FDP, sagte ein Parteisprecher am Samstag. Zum Kontakt mit Blume erklärte er, dass es „im Oktober 2021 nur ein kurzes Telefonat zwischen Herrn Blume und Herrn Lindner bezüglich Fragen zum Einsatz von E-Fuels gab“.
Ende Juni war innerhalb der Ampelkoalition ein Streit um ein mögliches Verbot der Neuzulassung von Verbrenner-Pkw ab 2035 auf EU-Ebene entbrannt. Lindner hatte Verbotspläne zurückgewiesen. Die FDP behauptete, es habe vor dieser Entscheidung „keinen Kontakt zu Herrn Blume“ gegeben.
Oliver Blume: Wer ist der künftige VW- und Porsche-Chef?
An der Unterstützung der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch mangelt es dem neuen VW-Chef nicht. „Oliver Blume genießt seit vielen Jahren unser ausdrückliches Vertrauen“, sagten die Sprecher der Familien Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch am Freitag in einer Mitteilung der VW-Dachholding Porsche SE. „Wir sind davon überzeugt, dass er die erfolgreiche Entwicklung des Volkswagen Konzerns fortsetzen und die notwendigen Maßnahmen mit Nachdruck umsetzen wird.“
Für Blume ist der neue Job in Wolfsburg auch eine Rückkehr in seine niedersächsische Heimat. Von seinem Arbeitsplatz in Wolfsburg muss der Manager nicht weit in seine Heimatstadt Braunschweig reisen.
Der 54-Jährige hat in Braunschweig sein Abitur gemacht und an der dortigen Technischen Universität Maschinenbau studiert – in dem Fach auch promoviert. Blume kennt den VW-Konzern und seine verschiedenen Marken sehr gut. Er begann 1994 als Trainee bei Audi, wo er sich nach oben arbeitete. Nach einer Station bei Seat landete er 2009 als Leiter der Produktionsplanung bei der Marke Volkswagen. 2013 wurde Blume in den Vorstand der Sportwagen-Tochter Porsche in Stuttgart berufen. Dort verantwortete er zunächst die Bereiche Produktion und Logistik, bevor er 2015 Geschäftsführer wurde.
Blume fährt regelmäßig Porsche in der Gewinnzone
Blume hat Porsche von Anfang an in Richtung Elektromobilität gesteuert und Milliarden eingeplant, aber zuverlässig weiter profitabel gearbeitet: Porsche ist eine der ertragsstärksten Marken im Konzern. Der Elektro-Sportwagen Taycan kam relativ früh auf den Markt.
Blume nahm das problematische Dieselaggregat komplett aus dem Programm. Bis 2030 will der Sportwagenbauer 80 Prozent seiner Autos als reine Batteriemodelle verkaufen. Was die Software für künftige Autos angeht, hat sich Blume kürzlich geweigert, sich in das Korsett des VW-Konzerns zwingen zu lassen, damit neue Modelle mit eigens entwickelter Software früher auf den Markt kommen können.
Noch in diesem Jahr geht der Sportwagenbauer an die Börse und in Teilen auch direkt in die Hände der Eigentümerfamilien. Es könnte einer der größten Börsengänge der letzten Zeit in Deutschland werden. (hub/dpa/afp)
Aktualisiert am 24.07.2022 um 14:37 Uhr
Finanzminister Christian Lindner will trotz der für Anfang nächsten Jahres geplanten Verbraucherentlastung an der Schuldenbremse festhalten. Das sagte er der dpa. (Bildquelle: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)
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