Berichte über Richtungsstreitigkeiten: FPÖ widerspricht

Im Fall des aus der FPÖ ausgetretenen ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hans-Jörg Jenewein häufen sich aus anonymen Quellen Berichte über einen Streit um die Führung der Freiheitlichen. Die Zeitung „Österreich“ berichtete, die Landesgruppen der FPÖ würden einen „Sturm“ gegen ihren Parteivorsitzenden Herbert Kickl starten.

Generalsekretär Michael Schnedlitz sagte gestern gegenüber dem ORF, dass das Präsidium das Thema so diskutieren werde, dass “wir alle auf einer Seite stehen” – aber Darstellungen, es gebe parteiinterne Auseinandersetzungen, entgegnete er. Zentrales Thema des Treffens wird die Vorbereitung des Parteitags am 17. September sein.

In der Sache selbst schloss Schnedlitz aus, dass er oder Parteichef Kickl den in Jenewein gefundenen Entwurf der Anzeige gegen die Wiener FPÖ gekannt hätten. “Ja, das kann ich absolut ausschließen”, sagte der Generalsekretär. Es wurde erst durch eine routinemäßige Anfrage an den Anwalt der Partei herausgefunden.

Kickl kritisiert die Berichte

FPÖ-Chef Kickl selbst ging in einem Facebook-Post nicht auf den kolportierten Führungsstreit ein. Deshalb habe er „nicht erst in den letzten Tagen“ gefragt: „Wo ist das journalistische Ehrgefühl? Wo bleibt das Verantwortungsbewusstsein? Und wo ist die Fähigkeit einiger Vertreter des vierten Standes, eine solide Forschung zu betreiben?“ Er könne nur an die Medien appellieren, zur “Sachlichkeit” zurückzukehren, sagte er.

„Das persönliche Leid eines Menschen, in diesem Fall Hans-Jörg Jenewein (…), wird öffentlich schamlos ausgenutzt, um politische Drecksarbeit gegen die FPÖ zu leisten; man muss es so sagen, weil es nichts anderes ist. Das Intimste wird an die Öffentlichkeit gezerrt, die Privatsphäre ist abgeschafft“. Er wünschte Jenewein „eine schnelle und vollständige körperliche und geistige Genesung“.

Zufällige Begegnung auf dem Handy: Anonyme Anzeige

Die Sache begann am vergangenen Donnerstag, als Jeneweins Parteiaustritt bekannt wurde. Auslöser für die Turbulenzen dürfte ein Zufallsfund der Staatsanwaltschaft bei Jenewein sein. Wegen seiner Kontakte zum ehemaligen BVT-Mitarbeiter Egisto Ott hatten Ermittler die Wohnung des Ex-Abgeordneten durchsucht. Ott wird beschuldigt, Informationen preisgegeben oder verkauft zu haben, aber er bestreitet dies vehement.

Bei der Durchsuchung wurde zufällig auf einem der Geräte von Jenewein Elektronik ein Entwurf derselben Anzeige gegen Vertreter der Wiener FPÖ gefunden, der im Oktober 2021 anonym von einem „verblendeten und enttäuschten Wähler“ eingereicht worden war.

Medienberichten zufolge gehen die Ermittler davon aus, dass Jenewein der Täter ist. Spekulationen der Medien, Kickl selbst müsse etwas von dieser Ankündigung gewusst haben oder gar dahinter gestanden haben, hat sein Büro bereits deutlich zurückgewiesen. Kickl sei erst “vor wenigen Tagen” auf die Ankündigung aufmerksam geworden, sagte er am vergangenen Freitag. Am Wochenende wurde berichtet, dass Jenewein einen Selbstmordversuch unternommen hatte.

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