Ein Panoramaauto fährt in einer Menschengruppe
“Es gibt kein richtiges Geständnisschreiben”
Stand: 17:14 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
“Silberner Renault fährt unkontrolliert mehr als 200 Meter in ein Schaufenster hinein”
Ein Auto ist in der Nähe der Berliner Gedächtniskirche in eine Menschengruppe gerast, wobei eine Person getötet wurde. Der silberne Renault fährt mehr als 200 Meter über den Bürgersteig, bevor er gegen ein Schaufenster prallt. WELT-Reporterin Marie Przibylla berichtet live vor Ort.
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In Berlin ist ein Fahrzeug mit einer Menschenmenge zusammengestoßen. Eine Person ist gestorben und sechs sind vom Tod bedroht. Die Polizei dementierte WELT-Medienberichte über ein Geständnisschreiben des mutmaßlichen Fahrers. Nach Angaben des Innensenators wurden jedoch Plakate mit Aussagen “über die Türkei” gefunden.
Die Polizei widersprach WELT gegenüber Medienberichten, wonach ein Geständnisschreiben gefunden worden sei. Zuvor hatten die Deutsche Presse-Agentur und die Bild über den Fund eines Bekennerschreibens im Auto berichtet, über dessen Inhalt aber zunächst nichts preisgegeben wurde.
Auch die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) widersprach den Berichten. „Es gibt keinen echten Geständnisbrief“, sagte er am Mittwoch nach einem Besuch am Tatort. Allerdings seien im Auto Plakate mit Aussagen „über die Türkei“ gefunden worden. Nähere Angaben machte der Innensenator zunächst nicht.
„Wir müssen in alle Richtungen ermitteln“, betonte Spranger. Dies kann Stunden oder Tage dauern. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die mit der Senatorin das Gelände besuchte und anschließend dort mit Reportern sprach, warnte vor Spekulationen. Die Berliner Polizei werde “ernsthaft ermitteln” und alle Erkenntnisse umgehend veröffentlichen. Es sei noch nicht genau bekannt, was die Motivation hinter dem Vorfall gewesen sei, betonte er. “Forschung in alle Richtungen”.
Ein Fahrzeug ist am Mittwoch gegen 10.30 Uhr in der West-Berliner Innenstadt mit einer Menschenmenge zusammengestoßen. Nach Angaben der Feuerwehr starb eine Person. Mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Berliner Feuerwehr spricht nun von sechs Menschen mit lebensgefährlichen Verletzungen. Zudem habe es drei Schwerverletzte und mehrere Leichtverletzte gegeben, sagte ein Sprecher der Feuerwehr vor Ort. Eine Gesamtzahl nannte er nicht. Fünf Personen sollen sich in Lebensgefahr befinden.
Bei dem Toten handelt es sich laut WELT um einen Lehrer, das Fahrzeug soll unter anderem in eine Gruppe von Schülern gerast sein. Der Fahrer ist ein 29-jähriger Deutsch-Armenier, der in Berlin lebt. Die hessische Landesregierung bestätigte später, dass es sich bei der toten Frau um eine Landeslehrerin handelte. Die Frau war in Berlin mit einem Zehntklässler einer Schule im nordhessischen Bad Arolsen.
Bei seiner Festnahme soll der Fahrer verwirrende Bemerkungen gemacht haben
Der Mann sei festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz am Tatort. Er wird derzeit wegen einer Kopfverletzung im Krankenhaus behandelt. Es wurde zunächst von Fußgängern gehalten. Eine Polizei war in der Nähe. Nach Angaben der Polizei machte der Fahrer bei seiner Festnahme verwirrende Bemerkungen.
Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Gedächtniskirche und des Ku’damms. Bei der Polizei ist laut WELT die sogenannte Phase 1 in Kraft getreten, das ist immer dann der Fall, wenn es zu erheblichen Schäden kommt.
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Zeugen am Tatort berichteten, der Fahrer sei aus westlicher Richtung gekommen und „sehr schnell“ gefahren. Er hinterließ einen langen Streifen der Zerstörung auf dem Bürgersteig. Wie die Polizei mitteilte, fuhr der Fahrer auf den Ku’damm-Bürgersteig und fuhr an der Ecke Ku’damm/Rankestraße in eine Menschengruppe. Anschließend kehrte er den Angaben zufolge bis zur Kreuzung und knapp 200 Meter weiter östlich auf die Tauentzienstraße zurück. Kurz vor der Ecke Marburger Straße fuhr er von der Fahrbahn zurück auf den Bürgersteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und landete im Schaufenster einer Parfümerie in der Tauentzienstraße 16. Feuerwehr mit rund 60 Einsatzkräften, Polizei mit etwa 130.
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Quelle: Infografik Die Welt
Polizeifahrzeuge in der Nähe des Tatorts
Quelle: dpa / Fabian Sommer
Feuerwehrleute vor Ort
Bildnachweis: AFP/ODD ANDERSEN
Das Auto blieb in einem Schaufenster stecken
Quelle: FABRIZIO BENSCH / REUTERS
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte den Betroffenen Unterstützung zu. „Wir werden unser Bestes tun, um den Betroffenen zu helfen“, sagte Giffey. Es wird auch alles getan, um aufzuklären, was passiert ist. „Ich bin zutiefst traurig über dieses verheerende Ereignis heute Morgen“, sagte Giffey. Ich wollte mir am Nachmittag auch ein Bild von der Situation vor Ort machen. “Es ist wichtig, sich jetzt um die Verletzten zu kümmern.” Zudem brauchen Angehörige, die sich in einer Schocksituation befinden, Hilfe und Unterstützung. Giffey dankte den Rettungsdiensten.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zeigte sich schockiert: „Ich stehe mitten im Geschehen und werde auf dem Laufenden gehalten. Meine Gedanken und mein tiefstes Beileid sind bei allen Betroffenen!“, twitterte Spranger. „Ich bin schockiert über den Vorfall in Charlottenburg .”
Zwei Stunden nach dem tödlichen Vorfall hatte Polizeipräsidentin Barbara Slowik einen Eindruck vom Geschehen am Tatort. Slowik sprach mit Ku’damm-Polizisten und ließ sich den Vorgang erklären. Dann ging er die 200 Meter zu dem Geschäft, in das das Auto gefahren war.
Im Dezember 2016 betrat ein islamistischer Mörder am Mittwochmorgen einen Weihnachtsmarkt in der Gedächtniskirche vor dem Ort des Vorfalls. Damals wurden insgesamt 13 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt.
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