Panoramabilder vom Berliner CSD
So bunt war der erste Christopher Street Day nach zwei Jahren Pandemie
Stand: 10:28 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
44. Christopher Street Day in Berlin
„United in love“ ist das Motto des 44. Christopher Street Day in Berlin. Mit fast einer halben Million Teilnehmern gibt es so viele Partyfans wie nie zuvor. Erstmals setzte auch der Bundestag ein Zeichen für mehr Toleranz.
Fast 100 Fahrzeuge, eine Parade von mehr als sieben Kilometern und rund 500.000 Teilnehmer: Es war der Berliner Christopher Street Day, der erste nach zwei Jahren Pandemie. Die Parade hatte auch eine politische Botschaft.
Nach zwei Jahren Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie ist am Samstag in Berlin eine riesige Partyparade zum Christopher Street Day (CSD) durch die Stadt gezogen.
Der farbenfrohe Umzug begann um 12.00 Uhr und die Organisatoren erwarteten den ganzen Tag über bis zu 500.000 Teilnehmer. Die Show startete mit einer Kundgebung und einem Konfettiregen auf dem Spittelmarkt in Mitte.
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Die anschließende Demonstration mit knapp 100 Fahrzeugen, House-, Disco- und Electro-Beats und vielen fantasievoll gekleideten Passanten führte auf einer 7,4 Kilometer langen Strecke durch verschiedene Berliner Kieze zum Brandenburger Tor. Dort war eine Abschlussparty mit Bühnenprogramm bis weit in den Nachmittag hinein geplant.
Beim CSD Berlin sind alle möglichen Gruppierungen vertreten, darunter auch Drag Queens
Was: AFP/DAVID GANNON
Der Berliner CSD ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Community in Europa.
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Einerseits setzen sich die Teilnehmer gegen Gewalt und Diskriminierung ein. Andererseits wollten sie eine mega Sommerparty schmeißen und einfach Spaß haben. Dies drückte auch der Slogan der Demonstration aus: „In Liebe vereint. Gegen Hass, Krieg und Diskriminierung“.
Der CSD-Teilnehmer hält eine Zeichnung hoch, die die Charaktere „Ernie und Bert“ aus der Sesamstraße als Paar zeigt
Was: REUTERS
An der Demonstration nahmen nach Angaben der Veranstalter 96 Fahrzeuge und mindestens 80 Fuß große Gruppen aus aller Welt teil, so viele wie noch nie zuvor beim Berliner CSD, der nun schon im 44. Jahr stattfand. Darunter Menschen aus der Ukraine, die sich seit fünf Monaten gegen einen russischen Angriffskrieg wehren müssen. Diese Gruppe erhielt einen LKW.
Die CSD-Veranstalter rechnen mit bis zu 500.000 Teilnehmern, um einen Teil der Paradestrecke auf der Leipziger Straße zu absolvieren
Quelle: dpa/Christoph Söder
Viele Teilnehmer verkleideten sich für die Mega-Party: Ob ausladende Kostüme aus rosa Federn, glitzernde Hosen, goldene Röcke, schwarze Lederkleider mit Maske oder einfach nur leichte Sommerkleidung, erlaubt war, was immer ihr gefiel. Auch ein paar fast nackte Frauen schlossen sich dem Krawall an, während andere Teilnehmer mit ihren blau oder rosa gefärbten Haaren auffielen. Tausende von Zuschauern bejubelten die Strecke, und Menschen schwenkten Regenbogenfahnen von Zuggebäuden.
Auch Liebhaber von Fetischen sind im CSD vertreten, auf dem Bild zu sehen: Utensilien des sogenannten „Pupplay“
Was: AFP/DAVID GANNON
Die Trucks spendeten Musik, regneten Konfetti oder künstlichen Nebel und schwankten manchmal im Takt, während ihre Passagiere im Laderaum tanzten. Unter den Fahrzeugen befand sich ein alter Omnibus mit heruntergelassenen Fenstern, der von oben bis unten mit roten und rosa Luftballons geschmückt war.
CSD-Teilnehmer posieren für die Kamera
Was: AFP/DAVID GANNON
Aber es ging auch um politische Botschaften. Zur Eröffnung erinnerte Berlins Kultursenator Klaus Lederer an den russischen Krieg gegen die Ukraine. “Tausende Menschen sind geflohen, darunter viele queere Menschen.” In Deutschland würden Menschen aus der Community diskriminiert, klagte der Linkspolitiker, der offen schwul ist. Der Kampf dagegen und für Gleichberechtigung muss weitergehen. “Wir müssen uns emanzipieren.”
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Premiere in Berlin: Anlässlich der 44. Ausgabe des CSD wehten am Reichstagsgebäude, dem Sitz des Bundestages, erstmals drei Regenbogenfahnen. Auch das Kanzleramt und andere Institutionen wie das Bundesinnenministerium oder das Bundesverteidigungsministerium setzten mit der Flagge ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz, der Bundesrat hatte es ebenfalls angekündigt.
Erst im April erteilte das Innenministerium offiziell die Erlaubnis, das Zeichen bei bestimmten Anlässen vor oder über offiziellen Bundesgebäuden zu hissen.
Glitzer Make-up – eine beliebte Partydeko, die am Christopher Street Day nicht fehlen darf
Quelle: dpa/Christoph Söder
Für die Party verkleiden sich die Teilnehmer: Ob pinke Federkostüme, leichte Sommerklamotten oder schwarze Lederkombis, erlaubt ist, was man will.
Was: AFP/DAVID GANNON
Der Christopher Street Day wird auf der ganzen Welt gefeiert. Die Bewegung geht auf die Ereignisse im Juni 1969 zurück, als New Yorker Polizisten eine Bar in der Christopher Street stürmten und einen Aufruhr unter Schwulen, Lesben und Transmenschen auslösten.
In den letzten beiden Corona-Jahren fand der CSD in Berlin nur eingeschränkt statt. Die Parade wurde 2020 offiziell abgesagt, dennoch gingen bei einer Alternativveranstaltung einige Tausend Menschen auf die Straße. 2021 demonstrierten Zehntausende bei einer reduzierten CSD-Parade unter strengen Corona-Auflagen, zudem galt Alkoholverbot.