Veröffentlicht am 26. Juli 2022, 11:01 Uhr
Bern: Die Band muss das Konzert absagen, weil die weissen Musiker Dreadlocks tragen
Die Berner Mundartband Lauwarm trat am 18. Juli in der Brasserie Lorraine auf, musste den Auftritt jedoch vorzeitig beenden, weil sich die Gäste “unwohl” fühlten. Das provoziert Kritik.
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Die Berner Mundartband Lauwarm trat am 18. Juli in der Brasserie Lorraine in Bern auf und sprang kurzfristig ein, nachdem eine andere Band abgesagt hatte.
Doch der Auftritt in Lothringen dauerte nicht lange. Die Gäste hätten sich “unwohl” gefühlt, das Konzert wurde abgesagt. Das Problem war, dass weiße Männer mit Dreadlocks Reggae spielten. Manche nennen das „kulturelle Aneignung“.
Beamte der Genossenschaft Restaurant Brasserie Lorraine in Bern entschuldigten sich auf Facebook für “Bewusstseinslücken”.
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Am 18. Juli hat die Berner Brasserie Lorraine ein Konzert der Berner Mundartband Lauwarm abgesagt.
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Der Grund war, dass mehrere Besucher “Unbehagen” mit kultureller Aneignung äußerten. Folglich sollten weiße Musiker keinen Reggae spielen. Für manche ist das kultureller Diebstahl.
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Die Brasserie entschuldigt sich auf Facebook für „Bewusstseinslücken“ und kündigt eine Diskussionsrunde an. Facebook-Nutzer kritisieren die Absage des Konzerts.
Eigentlich hätte an diesem Montag zu Beginn der Sommerferien eine andere Band in der Berner Brasserie Lorraine auftreten sollen. Doch sie sagte kurzfristig ab. Dadurch konnte die Brasserie die Berner Mundartband Lauwarm für sich gewinnen. Er intervenierte am 18. Juli. Die fünfköpfige Band hat Reggae, Indie-World und Pop im Repertoire.
Aber die Aufführung war nur von kurzer Dauer. Da sich mehrere Anwesende gegenüber den Organisatoren „unwohl mit der Situation“ äußerten, wurde das Konzert nach Rücksprache mit den Bandmitgliedern abgesagt. Das teilte die Genossenschaft Brasserie Lorraine am Montag auf Facebook mit.
Laut dem Facebook-Post stand die Unruhe der Konzertbesucher im Zusammenhang mit dem Thema „kulturelle Aneignung“ – die Übernahme einer Kultur durch Angehörige einer anderen Kultur. Mit anderen Worten: Weil die Band Lauwarm aus fünf weißen Männern besteht, teilweise mit Rastafari-Frisuren, und nicht aus indigenen Jamaikanern, deren Vorfahren den diskutierten Ausschluss in der Reggae-Musik erlebten, sind sie in den Augen mancher nicht legitimiert, Reggae zu spielen .
Entschuldigung für die “Gewissenslücken”
Die Organisatoren entschuldigten sich in dem Facebook-Post “bei allen Leuten, denen das Konzert leid tat”. Man ist dafür verantwortlich, die Band eingeladen zu haben. Die eigenen „Bewusstseinslücken“ und die Reaktion vieler Gäste haben einmal mehr gezeigt, wie aufgeladen das Thema ist. “Wir konnten uns nicht früh genug darum kümmern und dich beschützen.”
Die Reaktionen auf den Facebook-Post sind wütend, aber nicht wegen „kultureller Aneignung“, sondern weil das Konzert abgesagt wurde. Ob es in der Lorraine Brasserie künftig nur noch Ländler geben werde, fragt ein User, „wobei man wohl wieder zu Scotch greifen sollte“. Ein Facebook-Nutzer ist empört und verweist auf Bob Marley: „Ich würde sagen, dass nur Jamaikaner Reggae spielen können?! Wirklich?!? Er hatte übrigens selbst einen weissen Vater.» Ein User schreibt: «Meine Familie in Afrika würde sich fragen: Hast du ein Problem in deinem Leben?» Tom Berger, Co-Präsident der FDP-Stadt Bern, twitterte: « Jetzt seien wir mal ehrlich. Wenn du dich ‘unwohl’ fühlst, wenn Weiße Reggae-Musik spielen, könntest du das Problem sein…?”
Die Beamten der Brasserie Lorraine konnten am Dienstagmorgen nicht für eine Stellungnahme erreicht werden und sagten, sie müssten es später erneut versuchen. Auch auf eine kurzfristige Anfrage von 20 Minuten reagierte die Band Lauwarm nicht.
Die Diskussion zum Thema „kulturelle Aneignung“ muss aber weitergehen: Am 18. August findet in Lothringen eine Diskussionsrunde zum Thema kulturelle Aneignung statt. Die Reaktionen der Gäste auf die Absage des Konzerts hätten gezeigt, „dass wir miteinander reden und einander zuhören müssen“. Eingeladen sind also alle Interessierten. Respektvoller Umgang, Rassismus und Diskriminierung sollen “keinen Millimeter Platz haben”.
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