Bern lehnt Rom ab: Die Schweiz will im Ernstfall Gas für Italien in Anspruch nehmen

Veröffentlicht am 14. August 2022, 01:46

Bern lehnt Rom ab: Die Schweiz will im Ernstfall Gas für Italien in Anspruch nehmen

Die Nachbarländer der Schweiz haben ihre Gasexportgesetze verschärft. Nun droht die Bundesregierung damit, das Gas aus einer Transitleitung zwischen Deutschland und Italien für sich zu nutzen.

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Streit um Gas: Eine Gasfabrik in Marina di Ravenna, Italien. (Bild einer Bildagentur)

AFP / Alberto Pizzoli

In einem “Extremszenario” will die Schweiz das deutsche Gas für Italien anzapfen, das durch die Schweiz fließt.

AFP / Alberto Pizzoli

Das kommt in Rom nicht gut an.

AFP/Alain Julien

  • Der Strom geht aus.

  • Deshalb erwägt das Energieressort von Bundesministerin Simonetta Sommaruga, im Notfall Gas aus einer Transitleitung zwischen Deutschland und Italien zu entnehmen.

  • Eine Klausel gibt der Schweiz das Recht dazu, aber die Idee kommt in Rom nicht gut an.

Wenn Wladimir Putin den Gashahn zudreht, wird Europa in diesem Winter ein beispielloses Energieproblem haben. Jetzt beginnt der Verteilungskampf: Italien und Deutschland haben gerade ihre Gasexportgesetze verschärft. Diese verbietet praktisch den Export in die Schweiz im Krisenfall.

Gasimporte sind für die Schweiz besonders wichtig. Es verfügt über keinen eigenen Gasspeicher. Ihre einzige Sicherheit ist die Transitleitung zwischen Deutschland und Italien. Deshalb wehren sich die Schweizer Behörden nun und drohen damit, Gas aus dieser Leitung für sich zu nutzen, auch wenn es für Italien bestimmt ist, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Gemäss einer Klausel hat die Schweiz im Krisenfall das Recht dazu.

Doch nun brennt zwischen Italien und der Schweiz Feuer im Dach: Bei den Verhandlungen über ein Energie-Solidaritätsabkommen mit den Nachbarländern kam die Drohung auf Ablehnung. Die Italiener haben laut gut informierten Quellen in der Zeitung hart reagiert. Eine Sprecherin von Energieministerin Simonetta Sommaruga sagt: „In dieser Situation erwägt natürlich jedes Land verschiedenste Szenarien, auch Extremszenarien.“

Sommaruga-Haltestelle

Die Angst vor einem Energiedebakel im Winter ist so gross, dass Bundesrätin Simonetta Sommaruga nun eine sehr umstrittene Massnahme vorschlägt. Seine Abteilung „prüfe nun auch den Einsatz von Ölkraftwerken für extreme Notfälle“, bestätigte eine Sprecherin der „SonntagsZeitung“.

Dieses Kraftwerk steht dem Ziel von Sommaruga einer schnellen Energiewende diametral entgegen. Denn Ölturbinen sind viel schmutziger als Gasanlagen, weil sie viel mehr CO2 ausstoßen. Andererseits könnte die Schweiz damit mögliche Energieengpässe im Winter vermeiden oder zumindest abmildern. Denn im Winter wird es wohl genug Öl geben. Die Zeit reicht nicht aus, um so eine neue Anlage zu bauen.

In Birr im Kanton Aargau gibt es aber bereits ein Versuchskraftwerk, das mit Öl betrieben werden kann. Es hat die gleiche Leistung wie das Kernkraftwerk Beznau 1. Allerdings benötigt es grosse Mengen Öl. Allerdings gibt es Depots vor Ort und die Gleisanlagen sorgen für die Versorgung.

„Heizung in öffentlichen Gebäuden reduzieren“

«Die Schweiz tut alles, um eine Knappheit zu vermeiden», sagte Energieministerin Sommaruga im Gespräch mit «SonntagsBlick». „Wir müssen aufhören, Energie zu verschwenden. Das ist die Hauptbotschaft.”

Das 15-Prozent-Einsparziel nach europäischem Vorbild bezeichnet sie als „sicher sinnvoll“. Sommaruga will, dass die öffentliche Verwaltung mit gutem Beispiel vorangeht: „Wir haben beim Heizen einen großen Hebel. Schon ein Grad weniger spart gut fünf Prozent Energie.“ Er wird sich beim Bundesrat für weniger Heizkosten in öffentlichen Gebäuden einsetzen.

(chk)

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