8. Juli 2022 um 15:55 Uhr
Claus Peymann, oft als „schreckliches Kind“ der deutschsprachigen Theaterszene bezeichnet, begann seine Intendantentätigkeit am Burgtheater 1986 mit der Inszenierung von Thomas Bernhards „Theatermacher“ mit Traugott Buhre in der Hauptrolle.
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Ö1 Hörspiel | 09.07.2022
Das Stück über den Theaterregisseur Bruscon, der mit seiner Familie durch die Provinz reist, um seine große autodidaktische Komödie „Das Rad der Geschichte“ aufzuführen, ist eines von Bernhards beliebtesten und meistgespielten Stücken. Dass Schauspieler Bruscon auf Tour nur Pfannkuchensuppe isst, ist inzwischen hinlänglich bekannt und oft zitiert, ebenso wie seine Forderung, das Notlicht im Zimmer auszuschalten, womit Bernhard ironischerweise auf einen Streit zwischen Claus Peymann und Salzburg anspielt. Festival, als bei der Uraufführung von Bernhards „Der Ignorant und der Verrückte“ dieser Forderung nach absoluter Dunkelheit nicht mehr stattgegeben wurde, so sagten Peymann und Bernhard alle Folgeaufführungen ab.
Zu den Zuschauern von Peymanns „Theatermacher“-Premiere in Wien vor rund drei Jahrzehnten gehörte auch der Student Leonhard Koppelmann, der heute Bernhards Hörspielwerk inszeniert. Für die Rolle des Theatermachers gab es für ihn eine Idealbesetzung: Peter Simonischek.
“Wir gehen, wohin wir gehen, wir hören nur Geräusche …”
In seiner Radioadaption reduziert und verdichtet Leonhard Koppelmann die Charaktere, statt sieben Rollen (teilweise stumm) gibt es nur noch drei: Vater, Mutter und Sohn, die von Peter Simonischeks Frau Brigitte Karner und Sohn Kaspar Simonischek gespielt werden. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht das familiäre Umfeld des Theaterregisseurs Bruscon, der als autoritärer Patriarch Bernhards Frau und Kinder für seine Zwecke einsetzt. Im Hörspiel ist die Situation etwas ambivalenter. Leonhard Koppelmann lässt Frau Bruscon, die sonst nur zu husten scheint, auch als Wirtin des Gasthauses auftreten und wirft damit die Frage auf, ob sich der Familienvater nur mit der Illusion einer längst vergangenen Zeit präsentieren darf und ob Sie gerecht sind es merken. sein Welttheater in den eigenen vier Wänden.
Als Bruscon-Theaterregisseur debütierte Peter Simonischek in diesem Hörspiel. Die Ambivalenz dieser Figur mit ihren Aussagen, kontrovers und fragwürdig, gerade aus heutiger Sicht, hat etwas Faszinierendes für ihn.
Zwischen satirischer Übertreibung und egoistischen Querelen ergießt Bruscon Schmähschriften, die von einer Hassliebe zum Theater geprägt sind. Peter Simonischek glaubt, einige Parallelen zwischen Bruscons Figur und Thomas Bernhard erkennen zu können: „Diese Bruscon-Figur ist auch autobiografisch. Er will unsterblich sein und er will auch ein unsterbliches Werk hinterlassen.“ Simonischek kann als Bernhard-Kenner gelten, spielte er doch den österreichischen Autor in mehreren CD-Produktionen, etwa im Briefwechsel mit Siegfried Unseld (gespielt von Gert Voss). , in „Stadtmissbrauch“ (zusammen mit Michael König) und im Hörspiel „Ein Jahr mit Thomas Bernhard“, basierend auf den Tagebucheinträgen von Freud de Bernhard und seinem Nachbarn Karl Ignaz Hennetmair. Je mehr Zeit er mit Thomas Bernhard verbringt, desto mehr ist er davon überzeugt, dass Bernhard ein großer Dichter war: „Er wird einer von denen sein, die bleiben werden, das wünsche ich mir auch.“
Im September erscheint die Vollversion auf zwei Ö1 Editions-CDs.
Design: Hannah Balber