Besteht auf dem Oktoberfest ein erhöhtes Affenpockenrisiko?

Neben der Corona-Pandemie nun der Ausbruch der Affenpocken. Aber Affenpocken sind anders, sagen Experten und warnen vor Panik, wie Dr. Johannes Bogner, Leiter der Sektion für Klinische Infektionskrankheiten an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Trotzdem machen sich viele Menschen Sorgen, zumal die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch der Affenpocken in zahlreichen Ländern inzwischen als „Notfall von internationaler Bedeutung“ eingestuft hat.

Nichts, über das man sich sorgen sollte

Die Angst vor einer neuen Pandemie macht vielen Menschen Sorgen. Aber dafür gibt es keinen Grund: Es gibt gut etablierte Impfstoffe, Therapeutika und Forschung. Infektologe Johannes Bogner und Virologe Gerd Sutter, Tierärzte und Leiter des Lehrstuhls für Virologie am Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU, äußerten sich dazu, wie groß die Ansteckungsgefahr wirklich ist und wer sich wie schützen sollte

Wie werden Affenpocken verbreitet: Ist jeder gefährdet?

„Theoretisch kann sich jeder mit dem Affenpockenvirus infizieren“, sagt der Virologe Gerd Sutter. „Voraussetzung ist allerdings, dass das Virus die richtige ‚Eintrittspforte‘ im Körper erreicht.“ Dies ist in der Regel nur durch direkten Körperkontakt möglich, beispielsweise durch die Schleimhäute oder durch eine offene Läsion, also eine Wunde am Körper, oder durch Pusteln oder kleine Bläschen, die mit der Erkrankung einhergehen.

Daher schätzt der Experte für Orthopoxviren, zu denen auch das Affenpockenvirus zählt, das Ansteckungsrisiko für die Allgemeinbevölkerung nach derzeitigem Kenntnisstand weiterhin als gering ein.

Das sieht auch Dr. Johannes Bogner so. In einer deutschlandweiten Studie mit 600 Patienten habe sich herausgestellt, dass vor allem Männer, die Sex mit Männern hätten, mit dem Affenpockenvirus infiziert seien, so der klinische Infektiologe.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Affenpockenvirus nur durch engen Kontakt möglich. Das RKI geht aber davon aus, dass das Virus auch „beim Auftreten unspezifischer Symptome – wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen – und noch vor der Entstehung von Hautläsionen“ durch „ausgeschiedene Atemsekrete“ über Tröpfchen übertragen werden kann. Allerdings erfordert dies einen sehr engen Kontakt, das sogenannte Face-to-Face, wie es auf der RKI-Website heißt. Eine Übertragung kann laut Institut auch durch kontaminierte Gegenstände wie Bettwäsche oder Handtücher erfolgen, die mit Viren verseucht sind.

Ist das Oktoberfest eine Gefahr?

Die Wissenschaftler Johannes Bogner und Gerd Sutter halten es in der aktuellen Situation für unwahrscheinlich, dass sich Menschen beim Tanzen mit dem Affenpockenvirus infizieren, etwa wenn sich Menschen auf dem Oktoberfest versammeln. Laut Experte Sutter ist eine Ansteckung durch „Ausspucken“ durch eine mit dem Affenpockenvirus infizierte Person denkbar, „aber es setzt voraus, dass die mit dem Affenpockenvirus infizierte Person so schwer infiziert ist, dass es mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht weitergehen wird die Tanzfläche mehr.”

Das Affenpockenvirus funktioniert anders als Coronaviren. „Das ist nicht so leicht übertragbar. Das Affenpockenvirus beispielsweise wird nach aktuellem Wissensstand nicht durch Aerosole übertragen“, erklärt Pockenexperte Sutter.

Ist es richtig, den Ausbruch der Affenpocken als Notfall einzustufen?

Infektiologe Bogner geht davon aus, dass die WHO den Ausbruch der Affenpocken in zahlreichen Ländern als “Notfall” eingestuft hat. „Das erleichtert die Durchsetzung der notwendigen Quarantäneregeln.“ Das Sortieren hilft, die Ausbreitung von Affenpocken zu begrenzen, sagt der Arzt.

Gerd Sutter steht der WHO-Maßnahme hingegen kritisch gegenüber. Dadurch wird die höchste Warnstufe, die der WHO zur Verfügung steht, ungültig. “Ich fürchte, beim nächsten Mal werden sie sie nicht ernst nehmen”, sagte Sutter.

Was ist das Worst-Case-Szenario für den Ausbruch der Affenpocken?

Die meisten Menschen, die aktuell mit dem Affenpockenvirus infiziert sind, haben einen recht milden Krankheitsverlauf. Wissenschaftler sind jedoch alarmiert. Seine Sorge ist, dass sich ein neuer Erreger auf der Welt “dauerhaft durchsetzt”, wie der Münchner Tierarzt Sutter es ausdrückt. „Die Gefahr besteht darin, dass ich Viren die Chance gebe, sich an das ‚menschliche Wirtssystem‘ anzupassen“, erklärt er. Diese Viren haben das Potenzial für Mutationen und damit neue Virusvarianten. Obwohl das Affenpockenvirus nicht so schnell mutiert wie SARS-CoV-2, „könnte sich das Virus über viele Jahre an den Menschen anpassen, sodass sich andere Krankheitsbilder mit anderen Verläufen entwickeln, möglicherweise schwerwiegender“, warnt der Tierarzt.

Wie schütze ich mich vor einer Affenpocken-Infektion?

Der Virologe Gerd Sutter rät Risikogruppen zur Impfung, insbesondere Männern mit häufigen Sexualpartnern und bestimmten Personen im Gesundheitswesen. Und Internist Johannes Bogner empfiehlt: „Ich kann nur sagen: Vorsicht bei der Partnerwahl.“

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt, drei Personengruppen gegen das Affenpockenvirus zu impfen:

  • Personen, die in engem Kontakt mit einer an Pocken erkrankten Person standen
  • Personen, die im Gesundheitswesen oder in Labors arbeiten und mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, entweder durch Patienten oder mit dem Virus kontaminiertes Material.
  • Außerdem: Alle Männer ab 18 Jahren, die Sex mit Männern haben und häufig den Partner wechseln

Wo und wie kann man sich in Bayern impfen lassen?

In Bayern bieten sowohl spezialisierte HIV-Kliniken als auch Ambulanzen Impfungen gegen das Affenpockenvirus an. Kliniken in Bayern, die Impfungen gegen das Affenpockenvirus durchführen, sind: das Universitätsklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, die Universitätskliniken Augsburg, Erlangen, Regensburg und Würzburg sowie das Klinikum Nürnberg.

Wer noch nicht gegen Pocken geimpft wurde und mindestens 18 Jahre alt ist, erhält zwei Impfdosen zur Grundimmunisierung. Für diejenigen, die bereits gegen (menschliche) Pocken geimpft wurden, reicht eine Impfdosis aus. Laut RKI soll der Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung mindestens 28 Tage betragen.

Auch immungeschwächte Personen in Risikogruppen sollten geimpft werden. Auch wenn sie zuvor gegen Pocken geimpft wurden, empfiehlt das RKI, zwei Impfdosen zur Grundimmunisierung zu erhalten. Der einzige derzeit in Deutschland erhältliche Impfstoff gegen das Affenpockenvirus ist Imvanex der dänisch-deutschen Firma Bavarian Nordic.

Wie ist die Impfsituation in Bayern?

Nach Angaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums (StMGP) hat Bayern in einer ersten Tranche vom Bund rund 4400 Impfdosen erhalten. In Bayern herrscht nach Angaben eines Ministeriumssprechers derzeit kein Mangel an Impfdosen. Nach Angaben des Zentrums für Impfstoffe und Pandemie-Therapeutika rechnet Deutschland im Jahr 2022 mit etwa 200.000 Dosen Affenpocken-Impfstoff. Über neue Lieferungen gibt es laut StMGP noch keine Informationen.

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