Beteigeuze leuchtet immer noch am Nachthimmel wie die linke Schulter des Sternbildes Orion. Aber jeden Tag könnte der Riesenstern wie eine Supernova explodieren und ein beispielloses Spektakel verursachen. Kein Wunder, dass Beteigeuze Ende 2019 / Anfang 2020 ins Auge fiel: In diesem Moment verlor der Stern sichtlich an Glanz. War dieser „Great Blackout“ überhaupt der Anfang vom Ende?
Längst hat Beteigeuze seine ursprüngliche Brillanz wiedererlangt, doch sein vorübergehender Schwächeanfall sorgt weiterhin für Spekulationen.
Wie praktisch, dass ein japanischer Wettersatellit namens Himawari-8 jahrelang nicht nur die Erde im Auge behalten hat, sondern zufällig auch den fernen Stern Beteigeuze. Denn ein japanisches Forscherteam hat nun die Daten dieses unfreiwilligen Weltraumteleskops ausgewertet und kann so zur Lösung des Rätsels um den Blackout beitragen. Seine Studie erscheint in der Zeitschrift Nature Astronomy.
Der Erdtrabant beobachtet die potenzielle Beteigeuze-Supernova
Beteigeuze liegt etwa 724 Lichtjahre entfernt im Sternbild Orion und steht kurz vor dem Tod, nachdem sie den gesamten Brennstoff im Inneren verbrannt und einen roten Riesenstern gebildet hat. Es könnte jeden Tag wie eine Supernova explodieren. Und das werden wir wahrscheinlich alle bemerken: Weil Beteigeuze der Erde so nahe ist, dass die neu explodierte Supernova wahrscheinlich tagsüber am Himmel sichtbar wäre. Vor langer Zeit explodierte eine Supernova in der Nähe der Erde. Einer wurde 1604 von Johannes Kepler beobachtet, der ein ganzes Buch darüber schrieb.
Daher wurde angenommen, dass die Verdunkelung von Beteigeuze das Interesse von Astronomen auf der ganzen Welt wecken würde. Obwohl man sich schnell einig war, dass eine Verdunkelung nicht auf eine bevorstehende Explosion hindeuten würde, war der Grund für den Helligkeitsabfall zunächst mysteriös. Diejenigen, die sich normalerweise nicht für so ein kleines astronomisches Rätsel interessieren, sind die Wettersatelliten. Denn die Messgeräte dieser Satelliten zeigen auf die Erde.
So auch beim japanischen Wettersatelliten Himawari-8 (japanisch „Sonnenblume“), der seit 2015 die Erde in einer geostationären Umlaufbahn umkreist und alle zehn Minuten ein Bild macht. Mit einer einzigen Aufnahme erfasst es nicht nur die gesamte Erdscheibe, sondern manchmal auch die Sterne.
Forscher um Daisuke Taniguchi von der Universität Tokio konnten Lichtdaten von Beteigeuze im optischen und infraroten Bereich des elektromagnetischen Spektrums über einen Zeitraum von 4,5 Jahren auswerten: Etwa alle 1,72 Tage war der Riesenstern im Bild. Der Zeitraum umfasste auch die etwa sechs Monate, in denen Beteigeuze merklich schwächer schien.
Betelgeuses „Great Blackout“: kälter und staubiger als sonst
Der Wettersatellit diente somit als eine Art Weltraumteleskop: Taniguchis Team konnte mit den Daten den „Great Blackout“ nicht nur im sichtbaren Bereich beobachten. Vor allem der Infrarotbereich lieferte wertvolle Informationen über eventuell vorhandenen Staub in der Nähe von Beteigeuze, der ebenfalls zu dessen Helligkeitsverlust beigetragen haben könnte.
Daraus konnte das Forscherteam schließen, was den „Great Blackout“ von Beteigeuze verursacht hat: Es war wahrscheinlich eine Kombination aus einem Absinken seiner Oberflächentemperatur um etwa 140 Grad Celsius, gefolgt von der Kondensation von heißem Gasstaub in seiner Umgebung. Dieser Befund passt auch zu anderen Forschungsergebnissen, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen führen: Beteigeuze wurde kälter und damit dunkler, und Staub in seiner Umgebung verursachte eine weitere Abnahme der von der Erde aus gesehenen Helligkeit. .
Was auch interessant sein dürfte: Vor allem im infraroten Bereich des elektromagnetischen Spektrums sind astronomische Teleskope Mangelware, da Infrarotlicht von der Erde aus nicht beobachtet werden kann. Meteorologische Satelliten wie Himawari-8 hingegen verfügen in der Regel über Infrarot-Instrumente, um beispielsweise Wasser in der Erdatmosphäre zu untersuchen. Es gibt viel mehr Wettersatelliten im Orbit als Infrarotteleskope, und anscheinend können uns diese wertvolle Informationen über den Weltraum liefern.