Wien will klimaneutral werden. Also muss man umdenken. Denn die Wiener wollen weiter kochen, duschen und sich aufwärmen. Wasserstoff könnte die Lösung sein.
Grüne Energie ist das Zauberwort der Stunde. Denn „Reden wird die Klimakrise nicht lösen!“ erklärt Michael Strebl, Vorstandsvorsitzender von Wien Energie. Und auch in der Ukraine ist die politische Unabhängigkeit in Kriegszeiten ein großes Ziel. Ein neues Projekt am Stadtrand könnte beide Fliegen auf einen Schlag schlagen: Bis 2040 soll Erdgas zur Stromerzeugung in Wien vollständig durch klimaneutrale Energieträger ersetzt werden. Damit entsteht derzeit am Standort des Kraftwerks Donaustadt eine der größten Gasturbinen Österreichs.
Der Umbau der Gasturbine läuft seit Mai und wird Mitte Juli abgeschlossen sein
Der Umbau der Gasturbine hat Anfang Mai begonnen und wird Mitte Juli abgeschlossen sein. „Dieses gemeinsame Projekt wird zeigen, dass es durch die Modernisierung bestehender Gasturbinen zukünftig möglich sein wird, Wasserstoff, einen der wichtigsten Energieträger der Zukunft, in bestehenden konventionellen Kraftwerken einzusetzen Partner führen dieses Experiment in einer Großstadt wie Wien durch.“
Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Energiewende geleistet und die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen erhöht, so Aleš Prešern, CEO von Siemens Energy Austria. „Der Umbau unserer Gasturbine und der weltweit erste Wasserstoff-Betriebstest im Kraftwerk Donaustadt sind wichtige Schritte zu mehr Klimaschutz und Unabhängigkeit“, sagt Michael Strebl, Vorstandsvorsitzender von Wien Energie. Diese Prüfung hier in Wien ist übrigens die erste ihrer Art in dieser Leistungsklasse weltweit.
Wasserstoffzugabe ab 2023: Wien soll Vorbild sein
Was genau ist geplant? Nach der Umwandlung ist die Gasturbine bereit, Wasserstoff hinzuzufügen. Ab dem kommenden Jahr wird dann erstmals die Beimischung von Wasserstoff in einem gemeinsamen Betriebstest von Wien Energie, RheinEnergie, Siemens Energy und Verbund erprobt.
Im Versuch wird dem üblicherweise verwendeten Erdgas Wasserstoff zugesetzt. Zunächst wird der Wasserstoffgehalt 15 Prozent betragen. Im zweiten Schritt wird der Wasserstoffanteil verdoppelt. Wenn alles gut geht, erhält die Anlage ein Dauerbetriebszertifikat. Damit könnte die Zugabe von Wasserstoff in Wien zum Tagesgeschäft werden. Zudem wird das Werk Wien nach dem Betriebstest ein „Ökostromwerk“ sein. Und Wiens Ökostromkraftwerk wird zum Vorbild für andere Großstädte. Köln zum Beispiel macht große Augen. Die Stadt will ihre Einwohner ebenso CO2-frei, also ohne fossile Brennstoffe, wie Wien mit Energie versorgen.
Der Betriebstest in Wien ist ein weltweites Beispiel für die Umstellung anderer Kraftwerke auf klimaneutrale Quellen. Selbst bei einer Zugabe von 15 Volumenprozent grünem Wasserstoff würden im Kraftwerk Donaustadt jährlich rund 33.000 Tonnen CO2 eingespart.
Tag und Nacht und frei von Schwankungen
In Gas- und Dampfturbinenkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung kann ganztägig Wärme und Strom erzeugt werden. Auch bei der Erzeugung von erneuerbarem Strom aus Wind- und Sonnenenergie können Turbinen Tagesschwankungen und saisonale Produktionsunterschiede flexibel ausgleichen.
Das Expertenteam wartet auf die ersten Ergebnisse des Ende 2023 durchgeführten Tests. Insgesamt haben sie rund zehn Millionen Euro in das Projekt investiert.
Am Kraftwerk Donaustadt
Das Kraftwerk Donaustadt in Wien ist eines der modernsten Blockheizkraftwerke Österreichs. Wien Energie hat die Anlage 2001 in Betrieb genommen und erzeugt Wärme mit einer Leistung von 350 Megawatt und Strom mit bis zu 395 Megawatt. Im kombinierten Betrieb liegt der Wirkungsgrad bei 86 Prozent, die Umrüstung der Gasturbine erhöht den Wirkungsgrad um weitere 0,6 Prozent. Dadurch ist das System besonders effizient. Im Jahr 2020 konnte das Kraftwerk Donaustadt Strom für 850.000 Haushalte und Wärme für mehr als 150.000 Haushalte erzeugen.
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